Buchreport verrennt sich gegen Journalisten

Bild: Tobias M. Eckrich

Einem Bericht von buchreport.de zufolge wurde gegen die Verlage der Medien »Tagesspiegel« und »Zeit online« von einem nicht namentlich genannten Antragsteller Strafanzeige wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung erstattet. Beide Zeitungen hatten in einem Interview mit dem Betreiber von boox.de, einem Onlinehoster für nicht legal lizenzierte E-Books, direkt auf dessen Seiten verlinkt. Das Vorgehen wird von buchreport.de explizit befürwortet. Dazu Bruno Kramm, Bundestagskandidat und Urheberrechtsexperte der Piratenpartei Deutschland:

»Es ist schon Gängelei genug, wenn ehrliche Konsumenten durch DRM (Digital Rights Management) in der Nutzung massiv eingeschränkt werden und dabei das Umgehen dieser Maßnahmen mit einem Strafmaß von bis zu drei Jahren Gefängnis bedroht wird. DRM behindert die freie Portierbarkeit von E-Books und stellt auch hinsichtlich Überwachung und Datenschutz ein völlig unzumutbares Risiko für Nutzer dar, denn der ständige Onlinelizenzabgleich übermittelt sogar Leseverhalten und Ort.

Wenn jetzt sogar Tageszeitungen mit Klagen überzogen werden, weil sie es gewagt haben, den Namen und die Adresse des DRM-befreiten Filehosters in einem journalistischen Beitrag abzudrucken, zeigt sich, wie sehr sich die Verfechter des geistigen Eigentums vom gesunden Menschenverstand verabschiedet haben. Dabei hatte bereits der Heise Verlag in einem jahrelangen Rechtsstreit gegen die Musikindustrie vor dem Bundesgerichtshof geklärt, dass diese Adressnennung zur elementaren Pressefreiheit gehört.«

Die Piratenpartei fordert das Recht auf Umgehung von DRM-Maßnahmen und DRM-freie Angebote.

Quellen:
[1] Artikel auf buchreport.de: http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/08/28/beihilfe-zur-urheberrechtsverletzung.htm

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Kommentare

15 Kommentare zu Buchreport verrennt sich gegen Journalisten

    • Niklas schrieb am

      Upps, steht ja schon drin (müsst ihr jetzt nicht freischalten, sorry)

  1. creative schrieb am

    Ich dachte, die Piratenpartei wendet sich gegen kommerzielles Filesharing? Der von Bruno Kramm erwähnte Betreiber von Boox.to (sic!) finanziert sich aber durch freiwillige Spenden und erwägt gerade einen Umstieg auf einen kostenpflichtigen Service. Wie verträgt sich Brunos Aussage mit der offiziellen Parteilinie?

    • jp schrieb am

      Freiwillige Spenden bzw werbefinanziert sagt eigentlich garnichts darüber aus ob ein Angebot kommerziell ist. Der Duden sagt:

      kommerziell:
      a) den Handel betreffend, geschäftlich
      b) Geschäftsinteressen wahrnehmend, auf Gewinn bedacht

      Server kosten nunmal Geld. Wenn von Spenden bzw. Werbung aber nur laufende Kosten gezahlt werden und kein Gewinn gemacht wird ist das immer noch non-profit / nichtkommerziell.

      Juristen sehen das bekanntlich anders. Wie das die Piraten genau sehen, keine Ahnung.

      • Manuel Bonik schrieb am

        Da geht’s aber schon um ein bisschen mehr als die Serverkosten. Wenn stimmte, was er von sich selbst behauptet, hätte er ja die größte deutschsprachige Ebook-Plattform, abgesehen vielleicht von Amazon.

  2. Wandersmann schrieb am

    „DRM-befreiter Filehosters“? Wenn sich jemand vom gesunden Menschenverstand verabschiedet hat, dann Herr Kramm. Es geht um eine Plattform, die propagiert, dass sich jedermann e-books kostenlos herunterladen soll, die von Autoren, Lektoren, Korrektoren, Grafikern etc etc unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand produziert wurden. Und dann kommt da so ein Hansel und meint das müsse alles umsonst sein? Entschuldigung, das ist einfach nur widerlich.

  3. Wandersmann schrieb am

    Wenn Herr Kramm behauptet, die „Verfechter des geistigen Eigentums“ hätten sich „vom gesunden Menschenverstand verabschiedet“, dann darf ich Herrn Kramm wohl unterstellen, dass er sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet hat, wenn er meint, es sei in Ordnung, wenn ein „DRM-befreite[r] Filehoster[s]“, also eine kriminelle Plattform nach geltendem Gesetz, es sich zur Aufgabe macht, e-books kostenlos zu verteilen, die von Autoren, Lektoren, Korrektoren, Grafikern etc etc mit erheblichem Zeit- und Arbeitsaufwand erstellt wurden. Na, dann schauen wir mal, ob man das in der Form bei den Piraten schreiben darf.

    • Karl Hasenberg schrieb am

      Bildung ist ein menschenrecht, deshalb sollten alle Informationen frei verfügbar sein. Die Urheber können ja durch eine Abgabe entlohnt werden.

      • creative schrieb am

        Eine solche Abgabe (Kultuflatrate, Fairnesspauschale, Kulturwertmark etc.) lehnt die Piratenpartei aber doch gerade ab?!

      • Wandersmann schrieb am

        Wieso „können ja entlohnt werden“? Diese Frage ist unbedingt vorher zu klären. Wenn die Frage der Entlohnung nicht zuerst geklärt wird, bleibt es Diebstahl. Es ist mir vollkommen unbegreiflich, wie man vollkommen übersehen kann, dass hinter den geistigen Produkten um die es hier geht, eine Menge Arbeit steckt. Und diese Arbeit wird niemand machen, wenn es dafür kein Geld gibt. Oder eben nicht auf professionellem Niveau. Und nein, einen Roman zu lektorieren oder zu übersetzen ist nicht mit Wikipedia vergleichbar. Wir können es auch noch einmal konkret machen: ein Verlag kauft eine Lizenz für einen anspruchsvollen historischen Roman. Das kann nicht jeder übersetzen. Da sitzt der hochqualifizierte Übersetzer ein halbes Jahr dran und bekommt dafür Geld. Der Verlag trägt das Risiko, dass der Roman sich am Ende gar nicht verkauft. Und jetzt kommt ein Pirat und sagt: „Bildung ist ein Menschenrecht, alle Informationen sollten frei verfügbar sein“. Nein, das Ergebnis wird sein, dass das Werk schlicht nicht übersetzt wird. Bitte Lösungen, ich habe noch keine praktikable gehört. Aber, wir waren schon mal viel weiter: in jeder Stadtbücherei kann man sich für fast kein Geld alles ausleihen. Vielleicht ist das Problem auch Faulheit, nicht zuletzt Denkfaulheit?

      • Manuel Bonik schrieb am

        Das Innehaben und Verwerten von Urheberschaft ist aber auch ein Menschenrecht (Art. 27.2): http://www.un.org/en/documents/udhr/
        Die Piratenpartei tut immer (z. B. auf aktuellen Wahlplakaten) so, als gäbe es nur Art. 27.1.
        Sagen wir mal so: Es gibt da zwei Menschenrechte, die heutzutage in einem gewissen Widerspruch stehen. Nicht, dass ich wüsste, wie sich der auflösen lässt. Eine Lösung kann sein, ein Menschenrecht von den beiden abzuschaffen. Art. 27.2 abzuschaffen, gehört offensichtlich zum Programm der Piratenpartei, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  4. Creative schrieb am

    Aber wie die Piraten das sehen ist ja genau die kritische Frage.

  5. Bernd schrieb am

    Bei dem Artikel hier geht es weniger darum einen geschäftsmässigen Filehoster zu unterstützen als mehr die Pressefreiheit zu stärken und einen fairen Umgang mit den Verbrauchern anzumahnen. Ebenso setzen sich die Piraten durchaus auch für eine (freiwillige) Freigabe der kommerziellen Nutzung von Inhalten ein.

    Von daher ist es in dem Kontext weniger die Frage wie man „kommerziell“ definiert. Allerdings ist es sicher so, dass ein geschäftsmässiger Betrieb, auch wenn dieser keinen (grossen) Gewinn abwirft als kommerziell anzusehen ist. (Nur weil ein Unternehmen Verlust macht ist es noch lange nicht wohltätig)

    • creative schrieb am

      Das heißt, es geht in dem Artikel zumindest unter anderem darum einen geschäftsmäßigen Filehoster zu unterstützen?
      Wie kann die Grenze zwischen kommerziell und nichtkommerziell unwichtig sein, wenn die Piraten sie als maßgeblich für die Legalität bzw. Illegalität eines Filehosters ansehen?

  6. Libertinus schrieb am

    Wenn ich in einen guten Buchladen gehe und den neusten „Ken Bruen“ kaufe ? Muss ich mir dann eine Registrierung und sonstige Gängelung gefallen lassen ? Muss ich mir verbieten lassen, ihn an einen Freund weiterzugeben ?
    Analog dazu beim Ebook. Buch gefällt mir, bezahle anonym mit Paysafecard und nach dem Lesen gebe ich es weiter. Das Problem dabei ? :-(

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