Gefährliches Spiel: Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung trotz Personalnotstand

Bild: Tobias M. Eckrich

Ab dem 1. August 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Angesichts des andauernden Personalnotstands und der damit mancherorts einhergehenden geringen Betreuungsqualität in bereits bestehenden Kinderbetreuungseinrichtungen bezeichnet die Piratenpartei Deutschland das Vorgehen von Familienministerin Kristina Schröder als fahrlässig. So hat Schröder bereits vor einiger Zeit ausreichend Plätze zugesagt. Die PIRATEN fürchten, dass Eltern ab August nicht nur zu wenige, sondern auch qualitativ unzureichende Betreuungsangebote gemacht werden.

»Auch wenn es Frau Schröder tatsächlich gelingen sollte, ab morgen ausreichend Plätze aus dem Hut zu zaubern, ist damit doch schon heute klar, dass viele Eltern mit mangelnder Qualität der Betreuung und überfordertem Personal rechnen müssen. Viele Einrichtungen sind außerdem unzureichend ausgestattet oder baulich ungeeignet, weil zum Beispiel auf die Schnelle eine Kindertagesstätte in einem Container eingerichtet wurde. So bringt der Rechtsanspruch den Eltern wenig. Eltern werden ihr Kind nicht in eine Einrichtung bringen, bei der sie ihr Kind nicht gut aufgehoben sehen. Sie werden weiter gezwungen sein, länger als gewünscht dem Berufsleben fern zu bleiben«, kritisiert Lena Rohrbach, Bundestagskandidatin der Piratenpartei Deutschland aus Berlin.

Rohrbach fordert deshalb dringend weitere Schritte in der kommenden Legislaturperiode. Dazu gehört eine der anspruchsvollen Tätigkeit angemessene Bezahlung von Menschen in Erziehungs- und Pflegeberufen, sowie eine stärkere finanzielle Förderung von Kindertagesstätten.

»Kindertagesstätten sind Bildungseinrichtungen und keine Aufbewahrungsanstalten. Sie bieten die Möglichkeit, Kinder frühzeitig unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft zu fördern und so die soziale Selektion in unserem Bildungssystem zu verringern. Diese Chance dürfen wir nicht verspielen. Eltern muss es möglich sein, ihr Kind kostenfrei und wohnort- oder arbeitsplatznah und auf Wunsch ganztags betreuen zu lassen. Und zwar so, dass sich Eltern und Kind mit der Betreuung wirklich wohlfühlen«, ergänzt Melanie Kalkowski, Bundestagskandidatin der PIRATEN aus Nordrhein-Westfalen.

Quellen:
[1] KITA im Container: http://www.bad-kreuznach.de/… C3%BCber%20Kita-Container%20als%20%C3%9Cbergangsl%C3%B6sung%20vertagt/
[2] PIRATEN Wahlprogramm: https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Fr.C3.BChkindliche_Bildung

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Kommentare

6 Kommentare zu Gefährliches Spiel: Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung trotz Personalnotstand

  1. Henry schrieb am

    In Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark) wurde das Problem wie folgt gelöst: Die Kinder,welche im letzten Jahr in die Krippe kamen, wurden kurzerhand in die Gruppe für die größeren gesteckt.Um die Krippengruppe wieder leer zu bekommen,gehen nun 2-6 jährige in diese Gruppe.
    Den Eltern wurde dies nur recht zögerlich und spät (2 Wochen nach ner kurzen Info gings los) mitgeteilt. Meiner Ansicht nach,um evtl. Abwehrmaßnahmen der Eltern zu verhindern.
    funfact: mein Kind geht nun zwar in den Kindergarten, bezahlen dürfen wir aber nach wie vor den höheren Krippenbeitrag

  2. Angenehm schrieb am

    Jaja, so schlimm sind Container nun auch nicht, im http://de.wikipedia.org/wiki/Waldkindergarten reicht ein einziger Bauwagen falls es mal regnet und die Kinder sind hinterher viel abgehärteter und sowohl motorisch, geistig und sprachlich erheblich besser als wenn sie in der Weichei-Kita waren.

    • niska schrieb am

      Glauben Sie nicht, dass es für einen Waldkindergarten besser auch einen Wald geben sollte? So mit Auslauf und Natur und so?
      Ein Container im Hof an der Hauptstraße einer Stadt, kann diese Funktionen nicht erfüllen, und ist mit Ihrem Beispiel sicher nicht vergleichbar.
      Ausserdem sollte man die Menschen nicht zwingen ihre Kinder Kumbaya singen zu lassen oder Aluhüte zu tragen. Sprich: Das Waldkindergartenkonzept finde ich persönlich toll, es kann und sollte aber nicht als Maßstab für alle herhalten. Eine pädagogisch, personell und räumlich funktionierende Grundversorgung sollte gewährleistet bleiben. Es ist ja nicht so, dass die Kitaplatzgarantie die Kommunen überrascht hätte. Es war genug Vorlauf. Man hat nur bewusst getendelt, um beim Bund mehr Zuschüsse abzubetteln. Da dem Bund aber die Kinder ausser zu Promozwecken auch recht egal sind, gabs nichts als warme Worte. Und damit die jetzige Situation: Zu wenig qualifiziertes Personal, zu wenig Räumlichkeiten.

    • Anonymous schrieb am

      Ich glaube, dass dort wo Kindergärten in einem Container landen, in der Regel eher Murks herauskommt als ein guter Kindergarten. Kindergärten, die ein richtiges Gebäude haben, haben meist auch ein gemütliches Freigelände und alles, was ein guter Kindergarten braucht. Aber ein Container hat genau das in der Regel nicht. Und die meisten Containerkindergärten befinden sich auch nicht im Wald und haben somit nicht den Charakter eines Waldkindergartens, auch wenn du einen Waldkindergarten in einem Container unterbringen kannst.

      Wir brauchen also:
      1) Qualifiziertes Personal für Kitas
      2) Räumlichkeiten
      3) Geld

      Mann, mann, mann. Unsere Gesellschaft beherrscht den Aufbau von Kitas doch schon seit Ewigkeiten. Da kann es doch nicht angehen, dass wir das plötzlich nicht mehr hinbringen!?

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