KITA-Plätze ab 1. August: Familienministerin glänzt wieder durch Luftnummern

Bild: Tobias M. Eckrich

Knapp eine Woche nach der Ankündigung von Familienministerin Kristina Schröder, ab 1. August ausreichend Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, bestätigen erste Medienberichte, dass es sich hierbei um eine erneute Mogelpackung der Ministerin handelt. Dazu Melanie Kalkowski, Bundestagskandidatin der Piratenpartei Deutschland aus Nordrhein-Westfalen und selbst Mutter zweier Kinder:

»In Nordrhein-Westfalen sind 38.320 der 56.220 neuen Kinderbetreuungsplätze bei teuren Tagesmüttern. Viele weitere Plätze sind nur Teilzeitplätze. Rechtlicher Anspruch hin oder her: Wenn ich mir den Betreuungsplatz schlicht nicht leisten kann oder die Betreuungszeiten für den regulären Job einfach viel zu kurz sind, bringt mir das als junge Mutter oder junger Vater genau gar nichts.

Was mich zudem mächtig interessiert: Wo zaubert Frau Schröder all die neuen Erzieherinnen und Erzieher her, welche die neuen Kinder betreuen sollen? Bekanntlich haben wir bei pädagogisch ausgebildetem Personal für die frühkindliche Erziehung einen Notstand in Deutschland. Bereits jetzt kann der für eine optimale Betreuung notwendige Schlüssel von einer pädagogischen Kraft auf drei Kinder nicht erfüllt werden. Hier werden offensichtlich willentlich kleine Kinder in die Obhut von unzureichend ausgebildetem, überlastetem und zudem schlecht bezahltem KITA-Personal in vorerst nur rudimentär eingerichtete Räume geschickt, nur um die Zahlen für den Wahlkampf zu schönen. Eine von Experten im Familienministerium selbst in Auftrag gegebene Studie weist bereits auf deutliche Mängel bei der Qualität der angebotenen Plätze hin.

In städtischen Ballungsgebieten wird es weiter Platzmangel geben, das gibt sogar Ministerin Schröder zu. Doch Kinder müssen in der Nähe ihres sozialen Umfelds einen Betreuungsplatz angeboten bekommen. Es ist Aufgabe der Politik, eine soziale Quartiersentwicklung zu fördern. Wir brauchen ausreichende Betreuungsplätze unabhängig vom Wohnort und damit unabhängig von der finanziellen Lage der Kommunen. Anforderungen wie ein gutes Betreuungsverhältnis und flexible Öffnungszeiten dürfen nicht von der aktuellen Finanzsituation der Kommune abhängig sein.«

Quellen:

[1] http://www.taz.de/Fehlende-Kita-Plaetze-in-NRW/!119847/
[2] http://www.n-tv.de/politik/BA-will-ehemalige-Erzieher-zurueckholen-article10991641.html
[3] http://www.spiegel.de/schulspiegel/nubbek-studie-kritik-an-mangelnder-qualitaet-der-kinderbetreuung-a-911020.html
[4] http://www.nubbek.de/

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Kommentare

5 Kommentare zu KITA-Plätze ab 1. August: Familienministerin glänzt wieder durch Luftnummern

  1. Marcel schrieb am

    Frau Kalkowski, ich habe zu Ihrer Kritik ein paar Fragen.

    Sie schreiben: „Rechtlicher Anspruch hin oder her“. Wie würden Sie die Problematik denn sonst lösen?

    Sie schreiben: „Hier werden offensichtlich willentlich kleine Kinder in die Obhut von unzureichend ausgebildetem, überlastetem (…) rudimentär eingerichtete Räume geschickt“ Gewähren Sie im Rahmen der geforderten Transparenz, die Kinderzimmer Ihrer Kinder. Sie haben eine umfassende berufliche Biographie; was befähigt Sie, zwei Kinder zu erziehen? Oder ist da ihr Motto: Ich bekomme die Kinder, aber die Erziehung sollen andere übernehmen. Sind sie demnach eine schlechte Mutter, weil Sie nicht über die erforderliche Kompetenz der Kindererziehung verfügen?

    Sie schreiben: „Wir brauchen ausreichende Betreuungsplätze unabhängig vom Wohnort und damit unabhängig von der finanziellen Lage der Kommunen.“ Wie möchten Sie den finanziellen Faktor der Kommunen lösen? Geld drucken und den Kommunen geben? Sind Sie immer finanziell in der Lage, Ihren Kindern alle Wünsche und Forderungen zu erfüllen?

    Fordern ist schön und gut, aber dann sollten Sie und Ihre Partei auch umsetzbare Lösungen vorschlagen und zwar auch für die finanzschwachen Kommunen.

  2. Pingback: Familienministerin glänzt wieder durch Luftnummern, KITA-Plätze ab 1. August | PIRATEN Gifhorn

  3. K. West schrieb am

    Bedauerlicherweise gibt es noch mehr Minister, die durch Luftnummern und Wegllächeln auch noch Walstimmen fangen ( bewusst mit „ohne“ Buchstaben „h“ geschrieben ;) ).

    Wie sieht es aus mit SPD und Grün in Nordrhein-Westfalen – immerhin regieren sie dort im Land. Bezogen auf Mindestlohn heißt deren Beitrag: „Was Gerechtigkeit bedeutet

    Die Merkel-Koalition verharrt im Gestern, wichtige Themen werden verschleppt, blockiert und verpfuscht. Wir wollen unsere Chancen nutzen“

    Dann schaue ich mir mal an, was sie für Familien tun, deren Väter bspw. Beamte sind ( gut,.. Nullrunde ) bzw. für den Nachwuchs verantwortlich sind ( bspw. KITA-Betreuungsplätze in den Städten wie Düsseldorf – und demnächst Köln, Stichwort „Erhöhung der zu betreuenden Kinder pro Pädagoge“ ) oder bei Lehrern ( NRW und BW sind die Bundesländer mit den meisten Arbeitslosen im Sommer ) bzw. allgemein bei Stellen im öffentlichen Dienst – am Beispiel des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), wo es in einer Anzeige – wie so oft bei öffentlichen Stellen heißt:

    – befristete Vollzeitstelle ( immerhin Vollzeitstelle ;) )
    – Die Bewerberin / der Bewerber darf in den letzten drei Jahren nicht beim Land NRW beschäftigt gewesen sein ( –> oftmals wg. Befristung, da eine weitere Befristung nicht möglich wäre ).

    Quelle: http://ec.europa.eu/eures/eures-searchengine/servlet/ShowJvServlet?lg=DE&serviceUri=./ShowJvServlet?lg=DE&pesId=48&uniqueJvId=10000-1101131503-S&nnImport=false ( EURES ist übrigens das Europäische Portal zur beruflichen Mobilität ).

    Und was bedeutet Mobilität? Sei flexibel, lasse Dich befristen, gehe in ein anderes Bundesland, wenn…. Du bereits genug für ein Land gedient hast. Und sei bitte auch flexiblel, was Überstunden angeht, Arbeitszeit und Gehalt – vorwiegend Gehalt.

    Wo liegt der Unterschied zwischen Luft- und Nullnummern?

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