Open Data kann Hochwasserhilfe vereinfachen

Bild: Tobias M. Eckrich

»Die dramatische Hochwassersituation in vielen Bundesländern zeigt einmal mehr, welche Bedeutung Open Data als wirksames Mittel zur Gefahrenabwehr haben kann. Frei zugängliche Informationen könnten schon heute Schäden verringern und Menschen schützen«, meint Anke Domscheit-Berg, Themenbeauftragte »Open Government« der Piratenpartei Deutschland und Spitzenkandidatin des Landes Brandenburg für die anstehende Bundestagswahl:

»Nur die Pegelstände der Bundeswasserstrassen und der Flüsse in Niedersachsen sind bisher in Form von Open Data veröffentlicht. Pegelstände und Höhenkarten als frei zugängliche Daten ermöglichen eine individuelle und ortsbezogene Information über die Gefährdungslage durch ihre Visualisierung in Überflutungskarten. So können nicht nur Schäden verringert werden, weil mehr Bürgerinnen und Bürger früher von der eigenen Gefahrensituation erfahren. Auch Leben und Gesundheit können besser geschützt werden, weil Gefährdete sich zeitig in Sicherheit bringen können.

Helfer vor Ort können mit zielgenaueren Informationen die Lage und den Hilfebedarf in betroffenen Gebieten besser einschätzen. Hotlines wären entlastet, Betroffene und ihre Angehörigen hätten weniger Ungewissheit. Dass in einer solchen Situation weiterhin aus nicht nachvollziehbaren Gründen mit Steuergeldern gesammelte Informationen nicht freigegeben werden, ist absolut unverständlich und ein Zeugnis verfehlter Politik, die das Potenzial von Open Data nicht nutzt. In anderen Ländern gibt es Überflutungskarten bereits.

Statt eGovernment-Symbolpolitik brauchen wir endlich ein konsequentes Bekenntnis zu Open Data – nicht nur, aber auch und gerade, um in Krisensituationen wie der aktuellen den Menschen wirksam zu helfen. Kanzlerin Merkel sollte daher nicht nur Krisengebiete besuchen, sondern im Kanzleramt für eine nationale Open-Data-Strategie sorgen, die tatsächlich Nutzen bringt.«

Die Piratenpartei fordert in ihrem Wahlprogramm die Freigabe aller von oder für die öffentliche Verwaltung gesammelten Daten in maschinenlesbarer Form und unter freien Lizenzen, sodass ihre Weiterverwendung für beliebige Zwecke möglich ist.

Quellen:

[1] Pegel-Online Daten von Niedersachsen http://www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de/Start
[2] Pegel-Online Daten des Bundesschifffahrtamtes: https://www.govdata.de/in/daten/-/details/pegel-online
[3] Überflutungskarten bei Hurricane Sandy in den USA: http://blog.opengovpartnership.org/2013/01/hurricane-sandy-open-data-social-media-nyc-rachel-haot/
[4] Wahlprogramm der Piratenpartei zu Open Data: https://wiki.piratenpartei.de/Wahlen/Bund/2013/Wahlprogramm#Freier_Zugang_zu_.C3.B6ffentlichen_Inhalten

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Kommentare

5 Kommentare zu Open Data kann Hochwasserhilfe vereinfachen

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    • Hallo Gärtner,

      Auf der Website des sächsischen Umweltministeriums findet sich unter folgendem Link, Punkt 3, ein Hinweis darauf, dass alle Inhalte dem Urheberrecht unterliegen und nicht frei verwendet werden dürfen:

      http://www.smul.sachsen.de/smul/48.htm

      Für das ZKI.DLR sind nur die karten in niedriger und mittlerer Auflösung frei erhältlich, die mit höherer Auflösung leider nicht. Die werden vom BMI für 800€ pro Kartenausschnitt verkauft. Du findest dazu mehr Informationen auf meinem Blogpost:
      http://ankedomscheitberg.de/?p=304

      und auf dem Blog von Mathias Schindler von der Wikimedia Deutschland:
      https://blog.wikimedia.de/2013/06/11/hochwasser-open-data/

      und auf dem Blog von Michel Vorsprach, der selbst Flutopfer in Sachsen Anhalt ist und versucht hat, genau von dort Karten in höherer Auflösung zu erhalten:
      http://www.vorsprach.de/2013/06/flutopfer-sollen-steuerfinanzierte-hochwasserdaten-kaufen/

      Es ist manchmal nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Open Data bedeutet nämlich „maschinenlesbare Rohdaten“, in „offener Lizenz“ und für „jede Art der Nutzung“, außerdem ohne Kosten. Allein die Abbildung von Karten irgendwo hilft da noch nicht weiter, weil dann meist entweder die Rohdaten nicht vorliegen, oder nicht kostenfrei vorliegen, oder nicht weiter verwendet dürfen oder oder oder. Meistens muss man richtig suchen auf den Websiten, bis man überhaupt irgendeine Angabe zu den Rechten findet.

      • Gärtner schrieb am

        Nun die Karten reichen aber aus, damit die Bürger wie gefordert ihre Gefährdungslage erkennen oder irre ich da? Zumindest wa es mir anhand dieser Karten ohne weiteres möglich zu prüfen, ob das Haus meiner Eltern im Gefährdungsbereich liegt.
        Wir sind uns darin einig, dass steuerfinanzierte Basisdaten öffentlich verfügbar sein sollten. Die beschriebene Gefährdung der Bürger kann ich jedoch nicht erkennen. Dem THW und anderen Einheiten der örtlichen Gefahrenabwehr stehen sehr detailierte Karten zur Verfügung. Zumindest war dem so als ich noch in der THW FGr FK tätig war. Andere Helfer können diese Informationen über die lokale Einsatzleitung bekommen. Mich beschleicht der Eindruck, daß in dieser PM Katastrophenopfer instrumentalisiert werden.

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