Neues Geoportal des Verbraucherschutzministeriums ist Internet 1.0

Bild: Tobias M. Eckrich

Die Piratenpartei Deutschland übt erneut Kritik an der OpenData-Strategie der Bundesregierung. Aktueller Anlass ist das neue Geoportal des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das am gestrigen Dienstag gestartet wurde. Über das Portal sollen interessierte Bürger sowie Unternehmen, Verbände und Behörden Geoinformationen aus den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung erhalten.

Dazu Anke Domscheit-Berg, OpenData-Expertin und Bundestagskandidatin der Piratenpartei Deutschland aus Brandenburg:

»Die Bundesregierung beweist erneut, dass der OpenData-Gedanke für sie eher dekorativen Charakter hat. Eine zugrunde liegende OpenData-Strategie ist auch bei diesem Portal keinesfalls zu erkennen. Die Hauptfunktionalität des Portals liegt nach eigener Beschreibung in der reinen Darstellung von Geodaten auf einer Karte. Eine direkte Download-Option wird nicht angeboten.
Ob über die Metadatensuche zumindest Links auf frei verwendbare Rohdaten angeboten werden und ein Download der Metadaten selbst möglich wird, bleibt unklar, da das neue Portal auch nach seinem Start vor mindestens 24 Stunden noch keinerlei Daten enthält.
Hinweise auf die Art der Lizenzierung der Daten und damit ihre Wiederverwendungsmöglichkeit durch Dritte sucht man bisher ebenfalls vergebens. Dabei gibt die gerade erst verabschiedete Geodatennutzungsverordnung vor, dass sowohl die Geodaten als auch die dazugehörigen Metadaten für jede Art der Nutzung freizugeben sind. Auch Interaktionen mit Interessierten sind von der Behörde offenbar nicht vorgesehen – bis auf ein Kontaktformular gibt es keine Möglichkeiten des Austauschs.
Der Fokus liegt damit wieder einmal auf einem geschlossenen System und nicht auf einem offenen Datenportal. Den Begriff ›OpenData‹ nimmt das Ministerium wahrscheinlich deshalb wohlweislich erst gar nicht in den Mund – weder im Glossar noch an einer anderen Stelle des Portals.
Dieses Internet-1.0-Angebot war vielleicht vor zehn Jahren angemessen, Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger von heute erfüllt es aber nicht. Die Umsetzung der fortschrittlichen Geodatennutzungsverordnung in der Praxis beginnt damit wenig vielversprechend.
«

Quellen:
[1] Pressemitteilung des BMELV zum Geoportal: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/099-Geoportal-www.gdi.bmelv.de.html
[2] Geoportal GDI-BMELV: http://www.gdi.bmelv.de/
[3] Geodatennutzungsverordnung vom 19.03.2013: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/geonutzv/gesamt.pdf

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Kommentare

16 Kommentare zu Neues Geoportal des Verbraucherschutzministeriums ist Internet 1.0

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  2. Karsvo schrieb am

    Ich werde daraus ehrlich gesagt nicht schlau daraus. Das Geodatenzugangsgesetz gibt es schon seit dem 10.02.2009. Auch hierin findet man schon:

    §11(2): „Geodaten und Metadaten sind über Geodatendienste für die kommerzielle und nicht kommerzielle Nutzung geldleistungsfrei zur Verfügung zu stellen, soweit durch besondere Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmtist oder vertragliche oder gesetzliche Rechte Dritter dem nicht entgegenstehen. Geodatenhaltende Stellen des Bundes stellen einander ihre Geodaten und Geodatendienste, einschließlich zugehöriger Metadaten, geldleistungsfrei zur Verfügung, soweit deren Nutzung zur Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben erfolgt.“

    Quelle:
    gesetze-im-internet
    .de/geozg/

    Also seit 2009 gibt es das schon. Die Musik spielt aber bei den Daten der Landesvermessungsämter. Sind die überhaupt von so einem Bundesgesetz betroffen? Oder gelten sie als die im Gesetzestext erwähnten Dritten? Zumindest:

    vermessung
    .bayern
    .de/file/pdf/1233/Nutzungsbedingungen-allg-BVV-2009_Internet.pdf

    und

    vermessung
    .bayern.de/service/Nutzungshinweise.html

    und

    gds
    .hessen
    .de/is-bin/INTERSHOP.enfinity/WFS/HLBG-Geodaten-Site/de_DE/-/EUR/ViewStandardCatalog-Browse;pgid=xCBcS3WoJkBSR0EQoOgQ0Ukm0000Lm9t9pVq;sid=SfnB-0fCIInA-xaceHMNykbIrxop3KEhod7IuM3HCW0iaOj2yEjYXeEcv_8FB15k7yc=

    bieten Karten in elektronischer Form auch nach 3 Jahren seit Verabschiedung dieses Gesetzes kostenpflichtig an. Kennt sich jemand damit aus, was wie für wen wann gilt? Unabhängig vom juristischen Aussagewert: Für mich zählt, ob und ab wann die Produkte des Landesvermessungsämter kostenlos heruntergeladen werden können. Schließlich hat der Steuerzahler die Daten schon bezahlt. Alles andere sollen die Juristen klären.

  3. CDU Wähler schrieb am

    Ich finde es falsch das solche Daten kostenlos ins Netz gestellt werden. Das stärkt nur die furchtbare Gratis Mentalität der Nutzer.

    Statt dessen sollte man die Daten lieber gewinnbringend exklusiv an Partnerfirmen verkaufen. Also mit dem Urheberrechtlich geschützten Material Gewinnbringenden Handel treiben. Davon profitiert der Staat und die Wirtschaft. Sowas kostenlos ins Netz zu stellen ist zudem pedagogisch falsch, man sollte den Bürger nicht daran gewöhnen das er ein Anrecht auf Kostenlos hat. Wer was will hat dafür zu bezahlen, alles andere ist ja utopischer Mumpiz.

    • Karsvo schrieb am

      „Das stärkt nur die furchtbare Gratis Mentalität der Nutzer.“

      Unsere Mentalität überlassen Sie mal schön uns selbst. Oder halten Sie sich für unsere Mutter?

      Das tatsächliche Problem ist die Gratismenatlität der Politik: Gratis Steuern erheben, von diesen Steuern der Bürgerinnen und Bürger leben, und gleichzeitig gegen Leute wie Ponader wegen ein paar Euro hetzen. Und nachdem die Bürgerinnen und Bürger die Geodaten mit ihren Steuern bereits bezahlt haben, wird damit durch mehrfaches Abkassieren noch kräftig „Gewinn“ gemacht, um so Haushaltslöcher zu stopfen. Offenbar haben unsere Politiker Geodaten als Gelddruckmaschine entdeckt. Es ist nicht der Sinn und Zweck des Staates, mit Leistungen „Gewinne“ zu erzielen und die Bürgerinnen und Bürger abzukassieren.

      Ich habe durchaus Verständnis, wenn es bei einzelnen staatlichen Leistungen bestimmte Gruppen gibt, die besonders davon profitieren, diese auch einen höherern Beitrag durch einzelne Aufwandsentschädigungen leisten zu lassen. Aber das ist bei Geodaten aus meiner Sicht nicht der Fall: Egal ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger: Alle nutzen diese Daten. Und bei Daten sind die variablen Kosten der Vervielfältigung praktisch gleich Null. Von der Allgemeinheit bezahlt, von der Allgemeinheit genutzt. Und das gilt hier auch länderübergreifend, wenn es in allen Ländern so gehandhabt wird.

      Es geht aber vor allem auch darum, daß durch komplizierte Lizenzbestimmungen die Weiterverarbeitung und Nutzung der Geodaten nervtötend behinderd wird. Man darf dann mit den Geodaten der Landesvermessungsämter dies und das und jenes nicht machen obwohl man sie dann schon zum zweiten mal bezahlt hat. Darf nur am PC aber nicht auf einem mobilen Gerät oder nur mit Extra-Lizenz und/oder speziellen Betriebssystem, eingeschränkte Druckfunktion, usw., usw., usw..

      Bitte solche Beiträge das nächste mal als Satire kennzeichnen. :)

      • Mr Anderson schrieb am

        Der Typ ist ne Satire…Er hat schon in anderen beiträgen sich stark dämlich getan, sowas kann nur absicht sein, um der CDU zu schaden…

        @CDU Wähler: lösch dich und zeig ein wenig rückrat! Es ist die zwilichtigkeit dem ein pirat bei den etabilierten stört…hör auf mit deinen möchtegerndummen beiträgen meinungen über die cdu zu verfälschen…

        • nexed schrieb am

          Du willst ihm verbieten satirische Kommentare zu hinterlassen weil er für offensichtliche Satire keine Ironie-tags verwendet? lol Nebenbei _gerade_ der Name macht es doch offensichtlich…

          Oder bin ich hier gerade auf einen getrollten Troll reingefallen? Lieber wäre es mir ja :D

          • Karsvo schrieb am

            Bei dieser Form von Satire kann man sich halt deshalb nicht so sicher sein, weil die Conentindustrie teilweise tatsächlich so überzogen argumentiert. Insbesondere die Worthülse „Kostenlosmentalität“ wird dort gerne verwendet und von zahlreichen Massenmedien bereitwillig aufgegriffen.

            • nexed schrieb am

              Das hier ist eine Website der PIRATEN, ich glaube das brauchst du hier niemandem zu erklären…

              Wenn es aber dein Motiv ist auch für „nicht eingeweihte“ *hust* eine passable Vorstellung zu liefern dann nehme ich meine Kritik natürlich sofort zurück!

              • Karsvo schrieb am

                Ich hoffen nicht, daß diejenigen, welche die Webseite erstellen, die einzigen sind, die sie auch lesen.

              • Karsvo schrieb am

                Sie scheinen sich mit dem Thema auszukennen. Haben Sie hilfreiche Informationen zu meinen oben gestellten Fragen?

              • nexed schrieb am

                hmm ich kann auf deine neusten Kommentare nicht mehr direkt antworten; der Button fehlt. Ist das Absicht um den Thread übersichtlich zuhalten? (Hab kein Plan von WordPress)
                Nebenbei welche Fragen meinst du? Ich kann nur eine entecken und die ist ganz offensichtlich rhetorischer Natur…

                Wenn du das Totschlagargument „Gratismentalität“ meinst, es ist für mich tatsächlich vor allem das, ein Totschlagargument und rangiert bei mir auf der selben Ebene wie „Killerspiele“ oder auch „Raubkopierer“. Da es ein Kunstwort ist das als reines Propagandamittel konzipiert ist, macht es auch kein Sinn darauf einzugehen, aber soweit warst du ja auch schon :)

                Zu dem Thema warum sich unser Staat gern bei der freien Verteilung von kommerziell verwertbaren oder auch als für Marktteilnehmern „störend“ empfindbaren Daten querstellt, lässt sich in meinen Augen ganz einfach mit offener Korruption, auch Lobbyismus geschimpft erklären.
                Ich bin mir aber sicher ein wenig Angst vor „echtem“ OpenData und der damit einhergehenden Transparenz spielt durchweg auch eine Rolle :D
                Wie du siehst scheint mir die detaillierte Abklärung von möglicherweise oder möglicherweise nicht berechtigten „Vorzugsbehandlungen“, zumal in diesem Fall nicht weiter angebracht.

                PS: ähnliches Thema und für dich vielleicht interessant: die sog. „Stark-Hefte“ sind eine nicht gerade günstige Sammlung der offiziellen deutschen (Abitur-)Prüfungen, die von der Firma Stark vertrieben werden. Da diese Prüfungsunterlagen unter einem Urheberrecht stehen ist eine freie Verteilung nicht mehr zulässig (das „nicht mehr“ ist Absicht, es war nämlich mal anders) was quasi jeden Abiturienten zwingt diesem Privatkonzern Geld in den Rachen zu werfen…
                PPS: sry für den langen Post :)

              • Karsvo schrieb am

                @nexed: Ich meinte aus dem ersten/obersten Beitrag:

                „Zumindest [..] bieten Karten in elektronischer Form auch nach 3 Jahren seit Verabschiedung dieses Gesetzes kostenpflichtig an. Kennt sich jemand damit aus, was wie für wen wann gilt?“

                Also zusammengefaßt: Gibt es jetzt ein Gesetz, das den kostenlosen Zugang zukünftig vorschreibt oder nicht? Und falls ja: Für wen? Und sind die Daten der Landesvermessungsämter davon „auch“ betroffen? Falls nein: Was soll das ganze dann oder wer sonst erstellt vom Staat noch Geodaten?

              • nexed schrieb am

                haha okay, ne hab keinen Plan von der Materie… sry

              • Es leider nicht so, dass Piraten per se schon in der Lage wären, gute Satire als solche zu erkennen. Wenn ich mir die Rede http://www.youtube.com/watch?v=pRH-eQaDPjc von Simone Brand, Piraten-MdL in NRW anhöre (die Leute lachen zwar, die meint das aber fürchte ich alles ganz ernst), dann kann ich mir gut vorstellen, dass Sie auch hier http://www.raucherkneipen.eu/fileadmin/user_upload/documents/Satzung.pdf versucht Mitglied zu werden.

              • Grimnir schrieb am

                @Eric Manneschmidt

                Ich halte die von Simone Brand zurecht kritisierte Politik der etablierten Parteien für Realsatire pur. Ich bewundere Sie, da sie trotz des herablassenden Verhaltens der anderen Abgeordneten zu ihrer unbequemen Meinung steht. Eine Piratenpartei, die von den etablierten Parteien nicht mehr unterscheidbar ist, wäre überflüssig. Diese Rede von Simone Brand ist einer der wenigen Gründe, weshalb die Piratenpartei immer noch eine wählbare Alternative ist.

                LIVE FREE

  4. kuffnukk schrieb am

    Schlagzeilen Buzzword hat Bild-Zeitung Niveau!
    Web 1.0 Web 2.0 hat mit OpenData vs. propitären Daten ebensoviel gemein wie Fisch mit Joghurt.

    Inhalt ist gut, Schlagzeile hat Volksverdummungscharakter!
    Ahoi

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