GEMA durchleuchtet DJs

Bild: Tobias M. Eckrich

Die Piratenpartei Deutschland wirft der GEMA erneut Intransparenz und Realitätsferne bei der Neuregelung von Tarifen für Lizenzabgaben vor. So hat sich die Verwertungsgesellschaft in der vergangenen Woche mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter (BVMV) und dem
Berufsverband Discjockey (BVD e.V.) hinter verschlossenen Türen auf einen Tarif geeinigt, der die Lizenzabgaben für die Verwendung von kopierten Musikwerken bei der öffentlichen Wiedergabe regelt [1]. Beide Verbände repräsentieren aber nur eine Minderheit der aktiven DJs in Deutschland.

»So wie die GEMA nach innen agiert und ihre Eliten bevorzugt bedient, so verhandelt sie auch nach außen und handelt Tarife auf dem Rücken Betroffener aus, ohne sie anzuhören. Auch wenn mit der Pauschalisierung von 125 Euro für das Altrepertoire ein vergleichsweise moderater Tarif veranschlagt wurde, führt die Lizenzierung neuer Titel zu kaum überschaubaren Beträgen für viele, häufig nur unregelmäßig beschäftigte DJs«, kommentiert Bruno Kramm, Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei Deutschland und bayerischer Listenkandidat für die Bundestagswahl.

DJs arbeiten in der Regel mit Kopien der Musikwerke, die sie vorher im Original legal erworben haben. Beim Kopieren einer Doppel-Best-Of-CD mit ungefähr 40 Titeln auf eine Festplatte und einen zusätzlichen USB-Stick fallen allein bereits über 10 Euro Lizenzierungsgebühr an. Verliert ein DJ durch einen Festplattencrash sein Repertoire, muss er für das wiederholte Kopieren neu lizenzieren. Um das Repertoire der DJs lizenzieren zu können, schließt die GEMA umfassende Kontrollen der Datenträger nicht aus. Auch ist davon auszugehen, dass die GEMA Abmahnungen gegenüber DJs ausspricht, die sich gegen die Lizenzierung sträuben. Ebenso werden umfassend Bestands- und Adressdaten von DJs erhoben. Datenschutzrechtliche Fragen hierzu hat die
GEMA bisher nicht beantwortet. Da die Lizenzen ohne Angabe der Urheber erhoben werden, erfolgt die Verteilung wiederum nur nach als ungerecht eingestuften Pauschalverteilungsschlüsseln.

»Ein weiteres Mal demonstriert die GEMA ungerechte Realitätsferne, denn auch die Erlöse der Vervielfältigungspauschale fließen zum größten Teil großen Verlagsrepertoires zu. Die Urheber der tatsächlich aufgeführten Werke musikalischer Nischen gehen dabei fast komplett leer aus. In der Öffentlichkeit lassen sich diese Vervielfältigungstarife kaum rechtfertigen, denn die GEMA kassiert bereits hohe, mehrfach berechnete Pauschalabgaben für Leermedien und Geräte«, kritisiert Kramm.

Im vergangenen Jahr stand die GEMA bereits zum wiederholten Male in der Kritik und verschob die Tarifreform nach breitem öffentlichem Protest auf das Jahr 2014. Dabei vereinbarte sie mit Veranstalter-, Hotel- und Gaststättenverbänden hinter verschlossenen Türen, den Vervielfältigungszuschlag in Zukunft bei den DJs zu berechnen.

Quelle: https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Presse/Top-Themen/faq_vroe.pdf

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Kommentare

5 Kommentare zu GEMA durchleuchtet DJs

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  2. Sabrina F. schrieb am

    Ist dieser GEMA-Quatsch eigentlich durch, wonach die von Discotheken ein Vielfaches der Vorjahresgebühren haben wollten oder haben die das durchgesetzt??

  3. Steven schrieb am

    So ein Unsinn!
    Was glaubt denn die GEMA zu bezwecken? Das alle kleinen DJ’s freiwillig bezahlen? Nie im Leben!

    Die Clubbesitzer wollen die Kosten auf die DJ’s abwenden – ähh – werden die DJ’s nicht von den Clubbesitzern bezahlt?
    Ein DJ hat Kosten, für Musik, Werbung, Internet, Fahrtkosten,Telefon, Steuern, Versicherung!
    Ein DJ wird mit Sicherheit die zusätzlichen GEMA Kosten umlegen.
    Wenn ich 6 DJ’s auf zwei Floors bezahle und diese nach der neuen Reform ca. 50,- € pro Abend teuerer sind, komme ich auf 300,- € pro Veranstaltungstag. Ein Club der 4 Mal im Monat öffnet, hat dann 1200,- € mehr Gage zu zahlen. So ein Unsinn! Was hat der Clubbesitzer nun gut gemacht?

  4. DJ-Spooky schrieb am

    ich bin Wave-Gothic DJ, und ich hab ende April meinen „LETZTEN“ gig, danach häng ich meine DJ karriere an den nagel, dank der GEMA, denn die gebühren für die lizensierung würden meine einnahmen um ein vielfaches übersteigen.

    gerade in unserer Szene verdienen DJ’s nicht besonders viel, meine gage pro gig beträgt zwischen 100 und 150 euro, je nach veranstalter, durchschnittlich hab ich so alle 1 bis 3 monate mal einen gig.

    da wird klar in welchem verhältnis diese gebühren zu den einnahmen stehen.
    und noch viel ärgerlicher ist das von dem erlös dieser gebühren die musiker unserer szene genau garnichts bekommen, weil sie weit jenseits des topfes stehen aus dem die gema gewinne ausschüttet

    meiner meinung nach ist das ein gezielter versuch randgruppen deren mitglieder noch in der lage sind selbstständig zu denken komplett abzuschaffen, und in die breite masse der gehirnamputierten blökenden schafe zu integrieren, boah voll krasss isch schwöhr :P

    ..aber es funktioniert, ich kann mir das nicht leisten, und viele meiner kollegen ebenso nicht.
    ich und viele meiner kollegen machen jetzt noch den übergangsmonat april, und dann werden viele dj’s die karriere in deuschland an den nagel hängen.

    PS – noch viel unverschämter als die GEMA ist die GVL, deren gebührenforderungen von der gema mit eingezogen werden, zumindest im falle von veranstaltern und DJ’s

    wer mal versucht hat ein Webradio zu gründen und sich mit den tarifen für GEMA und GVL auseinandergesetzt hat, die in diesem fall getrennt erhoben werden der kann nur noch mit dem kopf schütteln.
    ganz besonders wenn man dann die liste an auflagen liest die man zu erfüllen hat, und was man alles darf und was nicht, auflagen die zum grössten teil fast wortgetreu aus den auflagen des amerikanischen DMCA übersetzt wurden.

  5. Pingback: Piraten singen: Die Pfalzpiraten und die GEMA-CD im Piratenshop | Popcorn Piraten

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