Doppelter Betrug am Verbraucher: Bio-Eier aus der Legebatterie?

Bild: Tobias M. Eckrich

150 Landwirtschaftsbetriebe in Niedersachen und über 50 weitere Betriebe in anderen Bundesländern sowie im Ausland stehen unter dem Verdacht, systematisch gegen die Vorschriften bei der Haltung von Legehennen zu verstoßen. Die produzierten Eier wurden zudem als Bio-Eier verkauft. Damit wurden die Verbraucher – sollte sich der Verdacht bestätigen – systematisch fehlinformiert und betrogen. Dazu Birgitt Piepgras, landwirtschaftspolitische Sprecherin der Piratenpartei Deutschland:

»Im Grunde verwundert uns der sich anbahnende Skandal kein bisschen. Seit Jahren gibt es Gesetze und Verordnungen, die eine tiergerechte Haltung regeln, und seit der gleichen Zeit wird vom Verbraucherschutzministerium nichts dafür getan, diese Verordnungen umzusetzen und die Umsetzung zu kontrollieren. Allen politischen Bekundungen zum Trotz regiert in der landwirtschaftlichen Praxis nach wie vor die Logik der Massenproduktion. Der Handel überbietet sich gegenseitig mit immer günstigeren Preisen, und macht Lebensmittel zur billigen Massenware. Doch es geht hier um die Ernährung der Menschen. Hier darf kein Platz für ausschließlich profitorientiertes Denken sein. Wir brauchen endlich eine ehrliche Agrarwende. Erzeugerpreise müssen so gestaltet sein, dass auch Qualität erzeugt werden kann, auf die sich der Verbraucher verlassen kann.«

Bernd Schreiner, umweltpolitischer Sprecher der Piratenpartei, fordert eine dringende Ausweitung des Verbandsklagerechts auf den Bereich des Verbraucherschutzes, um Lebensmittelskandale dieser Art effektiv ahnden zu können:

»Ein systematischer und vorsätzlicher Betrug der Verbraucher darf nicht toleriert werden. Die Rechte der Verbraucher auf Transparenz insbesondere bei der Lebensmittelproduktion müssen dringend gestärkt werden. Die Übermacht und das Verschleiern durch unverständliche Kennzeichnung öffnet dem Missbrauch Tür und Tor und schafft so die Grundlage für das vollständige Versagen der Lebensmittelüberwachung. Jeder weitere Betrug verunsichert den Verbraucher und fügt der Landwirtschaft schweren Schaden zu. Lebensmittelskandale dieser Art dürfen sich nicht immer wieder wiederholen.«

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Kommentare

11 Kommentare zu Doppelter Betrug am Verbraucher: Bio-Eier aus der Legebatterie?

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  2. Marc (tm) schrieb am

    >>Der Handel überbietet sich gegenseitig mit immer günstigeren Preisen, und macht Lebensmittel zur billigen Massenware.

    Was wäre die Konsequenz? Teurere Lebensmittel, die man dann wieder mit ner „Lebensmittelpreisbremse“ niedriger machen muß?
    Das Problem liegt in der Wahrnehmung und in sonst nichts.

    >>Erzeugerpreise müssen so gestaltet sein, dass auch Qualität erzeugt werden kann, auf die sich der Verbraucher verlassen kann.

    Sehr ihr euch in der Lage, einen Preis zu bestimmen? Mit Preisprüfung und so? Alle Details, die in einen Preis eingehen festzulegen? Regionale Unterschiede? Mietpreise? Lebensgewohnheiten? Wollt ihr Preise vorschreiben? Auf Basis von was?

    Die PP ist ein schlimmer Abklatsch der Grünen und nicht mal ansatzweise liberal (was sie aber von sich selbst denken…das tut allerdings auch die FDP!).

    • Frank schrieb am

      Ja, die Piraten wollen die Grünen aber links überholen. Sie wissen scheinbar nicht was mal „liberal“ bedeutet.

    • Lebensmittel dürfen in der Tat nicht „billig“ sein. Subventionierte oder von oben regulierte Preise kann niemand wollen. Ja, Lebensmittel müssen teurer werden. Dürfen sie auch – im Gegenzug geben wir allen Leuten das Geld, damit sie sich dann genau diese Sachen kaufen können, die sie brauchen. In der Qualität, die sie wollen, und auf die Art und Weise hergestellt, die sie ethisch vertretbar finden.
      Auch deshalb sind die PIRATEN für ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
      Und weil bis zu dessen Einführung noch ein wenig Zeit ins Land gehen wird, sollten wir möglichst sofort mit einem bedingungslosen Sockeleinkommen anfangen – und sei es noch so gering: http://www.piratenpartei-hessen.de/piratengedanken/2013-01-22-der-mindestlohn-und-die-bruecken-technologie

      • Marc (tm) schrieb am

        >>Dürfen sie auch – im Gegenzug geben wir allen Leuten das Geld, damit sie sich dann genau diese Sachen kaufen können, die sie brauchen.

        Da danke ich Ihren Ganden aber für die gütliche und brüderliche Behandlung. Ich werde Ihnen eine Statue errichten auf das jeder sehe, wie gütig und menschenfreundlich Sie sind.

        *AufDieKnieFall*

        • Anonym schrieb am

          Was Sie da zitieren, könnte man auch betiteln als „Hier spricht der Kindermund“ – so leichtfertig und albern klingt der Satz! „Wir geben allen Leuten das Geld …“ – wer sich derart ausdrückt, ist mit Sicherheit außerstande, komplexe Sachverhalte so weit zu überschauen und erfolgreich regulierend einzugreifen, dass sich an der heutigen Gesamtsituation etwas verbessert.
          Auf der anderen Seite glaube ich auch nicht, dass reine Wirtschaftsliberalität hier eine Lösung schaffen kann. Zumindest das Tier, die leidende Kreatur könnte sich nicht gegen die menschliche Habgier wehren. Die Regulierung bleibt also notwendig. Und als Zwischenergebnis der bisherigen jahrelangen Erfahrungen läßt sich grundsätzlich auch noch sagen, dass auf diesem Schauplatz der Agrarwirtschaft Massenproduktion langfristig nicht bestehen kann. Aber braucht wirklich jeder sein tägliches Ei? Vielleicht ist gerade diese Erwartungshaltung nur eine (Ab-) Gewöhnungsfrage!

          • Tja, komplexe Sachverhalte überschauen.
            Kindermund hin oder hier, wer sich ein bisschen mit der Realität befasst, kommt alsbald zu dem Ergebnis, dass die Welt in der Tat viel zu komplex ist, um sie im Detail von oben steuern oder regieren zu können. Insofern freue ich mich auch, dass Italien so „unregierbar“ ist oder zumindest so betitelt wird.
            Die Lösung kann also nur in der Ermächtigung des Individuums, des Menschen selbst, liegen. So dieser nämlich in die Lage versetzt wird – und genau darum geht es mit dem BGE und Übergangsmodellen – selbst in seinem Wirkungsbereich sinnvolle Entscheidungen zu treffen, so wird der Regulierungs- und Regierungsbedarf sinken und aus dem heute so bedrohlichen ein konstruktives Chaos.

          • Marc (tm) schrieb am

            Viel interessanter wäre, mal zu schauen, welche Gesetze, Verordnungen, Vorschriften, etc.pp. heute greifen, bis ein Ei überhaupt im Handel ist.

            Ich behaupte: der Preis für Produkte gerade im Bereich Lebensmittel würde sich z.T. drastisch ändern, wenn hier MEHR Liberalität herrschen würde. Die kann natürlich auch bedeuten, daß die Preise nach oben gehen.

            ICH sehe mich ausserstande, zu prophezeihen, wie ein Preis für ein Produkt aussieht.
            So ist z.B. die Aussage „Qualität kostet eben“ totaler Blödsinn, da das eine das Resultat eines Prozesses ist und das andere das Resultat einer Kalkulation und Marktbedingungen.

            Und gerade der Begriff „Qualität“ ist im Bereich Lebensmittel sehr wage. Ist Qualität ein mit Labeln (und damit Kosten) überfrachtetes Gut, oder ein mehr im technischen Sinne (was bei Lebensmittel schwieriger zu erreichen ist) schwankender Bereich an z.B. Inhaltsstoffen?
            Oder sogar eine stetig steigende Nachfrage?

            Lebensmittel sind hochgradig von individueller Lebensart und -weise abhängig. Eine Pauschallösung gibt es hier nicht. Ausser man will eine „verordnete Ernährung“, auf die es in den nächsten 100 Jahren hinausläuft.

            Denn ich sehe keine Partei, die hier eine deutlich andere Position einnimmt (in sofern ist DE im Bereich Lebensmittel und Gesundheit schön im Blockparteiensystem verhaftet).

    • Anonym schrieb am

      Vollmundige Äusserungen und markante Forderungen – aber alles ohne durchdachte Grundkonzepte – können niemanden längerfristig überzeugen. Und eine etwas inflationär wirkende Zunahme an politischen Statements bedeutet nicht automatisch breite Sachkenntnis.
      Man könnte sich bei der Piratenpartei mal damit befassen, wie man sich zum Thema „Inlandsnachfrage“ stellen möchte. Kleinteiligkeit der Wirtschaft, zahlreiche mittelständische Unternehmen und viele wirtschaftlich unabhängige Kleinbetriebe (auch im Agrarbereich), angemessene Mindestlöhne in jedem Ressort ohne Ausnahme, unbeschnittene Breitenbildung – und auf der anderen Seite keine Unternehmen, Polit- und Wirtschaftscliquen und rückwärtsgewandte Sippschaften, die über dem Gesetz stehen (bis einige wenige von ihnen vielleicht mal das gerechte Schicksal ereilt) – wären eine Basis, die kontinuierliche Abwärtsspirale zu stoppen und wieder vernünftige und zukunftsfähige Verhältnisse zu schaffen. Dann bräuchte man nicht allerorten auf „Masse“ bzw. bei Produktion und Preis auf „möglichst billig“ fixiert zu sein. Viele private Konsumenten auch aus der Not heraus, wirtschaftlich über die Runden kommen zu müssen. Warum? Weil im Gesamtbild wenige Grosse auf verschiedensten Schauplätzen viele Kleine abgrasen und sozial nach unten drängen, weil Macht- und Habgier vor gemeinnütziger Vernunft gehen. Und die rüden Methoden (samt Verdrängung und Betrug) belohnen noch immer ihre Protagonisten, weil der Gedanke des Allgemeinwohls in Deutschland kaum eine ernsthafte Lobby hat. Es fehlt einfach der Wille, das in gerader Fahrt auf die Klippen zusteuernde Schiff zu wenden!

  3. Das regelt der Markt? schrieb am

    Wer hat diesen gestörten neoliberalen Button für den Onlineshop entworfen und wer hat den Schwachsinn genehmigt?

    Das regelt der Markt? Gehts noch? Findet ihr das lustig? Oder soll das jetzt eine Aussage der Piraten sein? Meint ihr nicht, das sich Millionen Mensch da vielleicht angegangen fühlen, die unter dem „der Markt regelt das schon“ Dogma jeden Tag leiden und sterben?

    Was soll dieser Merchandise-Schrott überhaupt? Würdet Ihr diese goldenen Kravattennadeln bitte wieder einschmelzen, das ist ja unerträglich. Inhalte, statt Geld machen, wie währe es denn damit?

  4. Karsvo schrieb am

    „Seit Jahren gibt es Gesetze und Verordnungen, die eine tiergerechte Haltung regeln, und seit der gleichen Zeit wird vom Verbraucherschutzministerium nichts dafür getan, diese Verordnungen umzusetzen und die Umsetzung zu kontrollieren.“

    Die Pressemitteilung bleibt zu sehr auf der Oberfläche. Welche Gesetze und Verordnungen? Was heißt: „Nichts“ getan? Ist nur das Verbraucherschutzministerium zuständig oder auch Länder und Öko-Kontrollstellen? Was haben die regelmäßigen Kontrollen dieser Öko-Kontrollstellen ergeben? Hat dieses Konzept funktioniert oder muß es geändert werden, usw. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Ermittlungen in Niedersachsen und dem Regierungswechsel?

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