Sparkassenlobby lädt Politikergatten und -gattinnen zu kostenlosem Urlaub ein

Bild: Tobias M. Eckrich

Autor: Patrick Breyer

Drei Tage Maritim-Hotel Dresden (4 Sterne +), direkt am Elbufer gelegen, die historische Altstadt wenige Gehminuten entfernt; Tagesausflüge zu Richard-Wagner-Stätten, zur Semperoper, zur Porzellanmanufaktur, zur Weinprobe, in die Sächsische Schweiz, zu einem »Fasanenschlösschen«, eine Panoramafahrt an Bord eines historisch einmaligen Raddampfers; Galaabend mit traditionell vielen Nachwuchskünstlern und Top-Acts, abgerundet durch ein exzellentes Menü…*

Was sich liest wie die Beschreibung einer Luxus-Städtereise, ist der Einladung [1] der Sparkassen-Finanzgruppe zum »Sparkassentag 2013« entnommen.* Zu diesem Event laden die öffentlich-rechtlichen Banken mehr als 2500 Vertreter der Sparkassen ein, aber auch »Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft«. Jeder dieser »Entscheidungsträger« darf außerdem eine »Begleitung« mitbringen. Kongressgebühr und Unterkunft zahlt natürlich der Sparkassenverband.

Während die »Entscheidungsträger« unterhaltsamen Diskussionsrunden oder Vorträgen von FAZ-Herausgeber Schirrmacher, SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück (Honorar unbekannt) oder Bundeskanzlerin Merkel lauschen dürfen, kann ihre »Begleitung« unter zehn verschiedenen Tagesausflügen in Sachsen wählen (siehe oben). Selbst an die Fahrer der »Entscheidungsträger« ist gedacht: Auch sie bekommen ein Hotelzimmer, können zwischen immerhin drei Tagesausflügen wählen und fahren abends auf einem Raddampfer mit »original Dixieland-Musik, einer Whiskyverkostung und vielen weiteren Höhepunkten auf und unter Deck«.

Man wagt es kaum, in dieses bunte Luxusleben hineinzurufen: Lobbyismus! Käuflichkeit! Bankenkrise!

Als sich der damalige Bundespräsident Wulff von einem Unternehmer in dessen Ferienhaus einladen ließ, war der Aufschrei groß. Wenn eine Bankenlobby systematisch Politiker, deren Gattinnen und Gatten, Fahrerinnen und Fahrer einlädt, darf dies nicht weniger empören! Von Politikern, die an einer Lobbyveranstaltung wie dem Sparkassentag als Zuhörer teilnehmen, erwarte ich, dass sie für ihre Unterkunft selbst aufkommen. Spätestens das Vergnügungsprogramm macht die Veranstaltung zu einem Urlaubsaufenthalt und muss als Korruption insgesamt verurteilt werden.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wurde scharf dafür kritisiert, dass er Geld von angeschlagenen Stadtwerken annahm. Und jetzt laden öffentliche Banken Politiker reihenweise zu einem Urlaubsaufenthalt ein – in Zeiten einer Finanzkrise, die die Deutschen bereits zweistellige Milliardenbeträge zur Bankenrettung gekostet hat.

Dass Politiker aus meinem Bundesland auf Kosten des schleswig-holsteinischen Sparkassen- und Giroverbands eingeladen werden, erscheint besonders verwerflich, denn den Sparkassen hierzulande geht es wirtschaftlich schlecht. Das gesetzlich demnächst geforderte Eigenkapital werden kaum alle von ihnen aufbringen können. Die desaströse Lage der HSH Nordbank, an der auch die Sparkassen beteiligt sind, hat bereits Abschreibungen in Höhe einer halben Milliarde Euro erfordert. Mindestens drei der 14 Sparkassen im Land stehen unter besonderer Beobachtung, drei weitere sind bereits Stützungsfälle. Es drohen Zwangsfusionen. Kritiker spotten schon: »Wo das Geld fehlt …Sparkasse«.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Das Gebaren der Sparkassen und der sich einladen lassenden Politiker rund um den »Sparkassentag« ist ethisch wie wirtschaftlich verantwortungslos. Ich fordere ein Ende der Vergnügungsaufenthalte für Politiker und deren »Begleitung« auf Bankenkosten. Wir brauchen endlich einen Ethik-Kodex für Politiker, der die Annahme solcher Urlaubsaufenthalte ausschließt!

*Die Ausgestaltung des Galaabends 2013 wird in einer Einladung im März bekannt gegeben. Sicher wird dieser aber dem Galaabend 2010 in nichts nachstehen.

Quellen:

[1] http://www.patrick-breyer.de/…Einladung_Sparkassentag_2013.pdf

[2] https://www.shz.de/nachrichten/…die-sparkassen-das-geld-und-der-problemstau.html

[3] http://www.brainwave-online.de/de/portfolio/event/dsgv.html

[4] http://www.messe-dresden.de/…24-deutscher-sparkassentag-galaabend.html

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Kommentare

7 Kommentare zu Sparkassenlobby lädt Politikergatten und -gattinnen zu kostenlosem Urlaub ein

  1. mrx schrieb am

    Darf man sich die Anmeldung ausdrucken und abschicken? So 200 Mal? :-)

  2. kessfried, schrieb am

    Was kostet das ganze ?
    Würden die eingeladene entscheidungsträger auch kommen wenn sie alles selbst bezahlen müßten ?
    Um welche summen/folgen geht es wenn die politik nicht hilft ?
    Lassen sich politiker durch ein wochenende in ihrer entscheidung beeinflussen ?
    Die hsh nordbank gehört überwiegend den steuerzahlern von hh und sh. Viele wollen doch das banken verstaatlicht werden. Die gehört uns nun und jetzt jammern wir ? Das klingt alles so sanft, da steht nichts von raffgier der eigentümer, der manager. Warum nicht ? Weil wir nicht mit dem finger auf andere zeigen können ?
    Warum lassen wir die hsh und die sparkassen nicht pleite gehen ? Wegen der verheerenden folgen ?
    Die hat man doch auch immer schön unter den tisch fallen lassen, wenn man anderen vorwarf milliarden für die bankenrettung rauszuwerfen. Und jetzt ? Ist irgendwie anders nicht war ? Nur wie ? Wir haben halt keine bösen kapitalisten auf die wir zeigen können. Wir sind es selbst.

  3. Kater_S schrieb am

    „Urlaub-saufenthalte“ ist auch schön getrennt…

  4. alex schrieb am

    Ist es wirklich richtig, dass die Sparkassen die Kosten übernehmen oder wird das am Ende über die Steuererklärung auf die Allgemeinheit abgewälzt??

  5. Karsvo schrieb am

    Die Pressemitteilung zeigt auf, wie hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden. Insbesondere bei Wulf hatte ich den Eindruck, daß man ihn loswerden wollte. Deswegen waren da Dinge ein Skandal, die anderswo nicht so ein Problem darstellen (Bsp. Beck, Wowereit waren auch auf solchen Lobby-Events mit „Aufwandsentschädigungen“). Solange man Massenmedien zugesteht, daß sie den Bewertungsmaßstab mitliefern, können Massenmedien Vernichtungsfeldzüge führen. Wenn wir aber darauf achten, daß gleiche Maßstäbe für vergleichbare Situationen angelegt werden, werden es sich einige überlegen, soetwas zu tun. Und wenn sie es dann trotzdem tun, dann werden sie mit gleichem Maßstab gemessen werden. Das tut diese Pressemitteilung. Das bewerte ich als Fortschritt.

    „[..] mit welchem Maß ihr meßt, wird Euch zugemessen werden.“

    Nur relativ zu einem Vergleichsmaßstab ergeben Dinge einen Sinn. Und da jede Kraft eine Gegenkraft hat, fällt auf lange Sicht alles auf einen selbst zurück. Moral bzw. Ethik werden damit als Hilfskrücken übrigens überflüssig. :)

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