Spiegel-Online-Artikel schürt Ausgrenzung

Bild: Tobias M. Eckrich

Die Piratenpartei Deutschland ist bestürzt über den Spiegel-Online-Artikel »Asperger-Syndrom: Blind für die Emotionen anderer Menschen« und hat beim deutschen Presserat Beschwerde eingelegt. Der Artikel erweckt beim oberflächlichen Lesen den Eindruck, es gebe einen Zusammenhang zwischen dem Amoklauf in Newtown und Autismus. Neben der Tatsache, dass es bei dem Täter keine Diagnose gab, suggeriert der Artikel Autismus als Ursache des Amoklaufs. Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für gesundheitliche Aufklärung und Inklusion von Menschen mit psychischen Störungen in der Gesellschaft ein.

»Das größte Problem für Menschen mit psychischen Störungen oder von der Norm abweichendem Denken und Erleben ist in der Regel nicht ihre ›Krankheit‹, sondern die Ausgrenzung durch die ›normale‹ Gesellschaft, die sie täglich erfahren«, sagt Xenjia Wagner, Koordinatorin der Arbeitsgruppe Psyche in der Piratenpartei Deutschland. »Diese Ausgrenzung basiert in der Regel auf Unkenntnis und Angst und wird durch Artikel wie den vorliegenden geschürt.«

»Aufgrund von Vermutungen in einem Einzelfall einen Zusammenhang zwischen Autismus und dem Massenmord in Newtown oder Amokläufen generell herzustellen ist nicht zu akzeptieren. Mit dieser Art von Berichterstattung werden Menschen auf unverantwortliche Weise diskriminiert und von den eigentlichen Ursachen und Problemen abgelenkt«, ergänzt Klaus Peukert, Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Deutschland.

Das Thema psychische Gesundheit soll auch bei dem Gesundheitspolitischen Kongress der PIRATEN am 2./3. Februar 2013 in Essen eine wichtige Rolle spielen.[2] Dazu laden die PIRATEN alle Interessierten – insbesondere auch Vertreter der Presse – zu konstruktiven Gesprächen ein.

[1] http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/adam-lanza-litt-der-amoklaeufer-von-newtown-am-asperger-syndrom-a-873088.html
[2] https://wiki.piratenpartei.de/Gesundheitspiraten/Gesundheitskongress

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Kommentare

35 Kommentare zu Spiegel-Online-Artikel schürt Ausgrenzung

  1. Peter schrieb am

    …wenn so ein Eindruck entstehen könnte, so räumt Spiegel online im GLEICHEN Artikel auch gleich wieder die Vermutung auf, wenn es je eine gab.

    Frohes Fest

    ps ich möchte jetzt gar nicht näher auf Sender / Empfänger Prinzip eingehen.

  2. Spirion Ogulu schrieb am

    Wunderbar, tolle Idee! Vielleicht schaut Ihr Euch auch mal die ARD Sendung „Brisant“ vom 17.11.11 an, da gibt es einen Beitrag der verschiedene stilistische Mittel benutzt um „psychisch Kranke“ als gefährlich hinzustellen, und um Richter öffentlich an den Pranger zu stellen, die zu nett mit diesen Menschen umgehen.

  3. Harald schrieb am

    Ca.8% der über 18jährigen in Deutschland leiden unter Depressionen etc. Sehr sehr viele dieser Menschen landen bzw. sind zwangsläufig beim Abstellgleis Hartz4 wo sie auch noch zusätzlich gedemütigt werden. Hilfe gibt es kaum. Im Gegenteil…..
    Leider gibt es keine Studien dazu…..

  4. anon schrieb am

    Gute Idee: Eine PM zur Berichterstattung über Newton und das Asperger-Syndrom in den Medien raushauen.
    Schlechte Idee: Asperger und Autismus selber als psychischen Störungen bezeichnen.

    fazialpalmierende Grüße

    • PirateJoker schrieb am

      Autismus wird im ICD-10 klassifiziert. Ob man das gut findet oder nicht, spielt dabei keine Rolle, denn die Aussage zu psychischen Störungen ist und bleibt wertfrei gemeint.

    • Jens schrieb am

      > Schlechte Idee: Asperger und Autismus selber als psychischen Störungen bezeichnen.

      Ich finde die Stelle nicht wo das geschieht. Vielleicht zu schnell die Hand vor den Augen gehabt?

      • Musenrössle schrieb am

        @Jens: Probier es doch mal mit dieser Stelle:
        „Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für gesundheitliche Aufklärung und Inklusion von Menschen mit psychischen Störungen in der Gesellschaft ein.“

        Aus dem Kontext des Beitrags ergibt sich klar, daß der Autor davon ausgeht, daß es sich auch bei Autismus bzw. Asperger um psychische Störungen handelt.

        Andernfalls würde weder obiger Satz noch die folgenden im Beitrag in dem Zusammenhang Sinn ergeben.

        Autisten und Asperger sehen ihre Besonderheit aber nicht als psychische Störung sondern als eine angeborene Normabweichung oder etwas in der Art.

        Bitte nicht hauen, falls ich jetzt meinerseits falsch liege ;), ich bin in der Thematik auch keine Expertin.

        • Gedankenkarrussel schrieb am

          „Autisten und Asperger sehen ihre Besonderheit aber nicht als psychische Störung sondern als eine angeborene Normabweichung oder etwas in der Art.“

          Prinzipiell stimmt das, wobei sich da auch die Autisten mitnichten einig sind ;-)
          Allerdings ist es formal nunmal so, dass Autismus rechtlich betrachtet eine psychische (bzw. seelische) Erkrankung ist. So schlägt es sich auch im Diagnosemanual ICD-10 nieder. Auch wenn zumindest ein Teil der Betroffenen es anders sieht, ist die Bezeichnung dennoch korrekt, zumal Autismus zu den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (nicht zu verwechseln mit den Persönlichkeitsstörungen!) gezählt wird.
          Ich für mich bin allerdings noch zu keinem Ergebnis gekommen, als was ich Autismus sehe, auch wenn ich die Bezeichnung „Störung“ nicht mag – in meinem Empfinden ist es schon mehr als eine Normvariante und ich bin nicht nur eingeschränkt, weil „die Gesellschaft mich behindert“. Aber dennoch fühle ich mich nicht „krank“ oder „gestört“.

        • Paul schrieb am

          Der Artikel wurde bereits verändert. Hat jemand noch die Orginalversion, Link?

      • Bernd schrieb am

        Natürlich ist Asperger Autismus (oder ADHS) eine psychische Störung – vor allem wenn ein Leidensdruck vorliegt. Wie würdest du es denn sonst bezeichnen?

        Das Problem ist, man kann sicher alles ablehnen was „normabweichendes“ Verhalten zugrunde legt, das macht es aber für die betroffenen sicherlich nicht einfacher wenn nicht mehr Kompensationsstrategien oder Medikamente zur Verfügung stehen.

        Gruss
        Bernd

  5. KingPirator schrieb am

    Noch schlechtere Idee: eine PM kommentieren, ohne sie ganz gelesen zu haben: „Menschen mit psychischen Störungen oder von der Norm abweichendem Denken und Erleben“.

  6. wennmankeineahnunghat... schrieb am

    Tja Anon. Offenbar hast du Null Ahnung von der Materie. Asperger Autismus wird nach ICD-10 unter F84 klassifiziert, wobei F für Psychische und Verhaltensstörungen steht und die 84 das ganze auf Entwicklungsstörungen eingrenzt.

    grüsse und ein herzliches rofl

  7. Markus Kottenhahn schrieb am

    Nu macht mal halblang. Ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, was Spiegel von sich gibt, aber hier muss ich mal drauf hinweisen, dass sie wenigestens nach dem ersten Überschwang, der durch die Pressemeldungen ging, sofort zurückruderten: Newtown-Berichterstattung: Autisten verurteilen Stigmatisierung

    Ok, vielleicht einfach nur, um damit einer angeordneten Gegenerstattung zuvorzukommen, aber immerhin. Wollen wir nicht gar zu unfair sein.

  8. Kirsten Zeisberg schrieb am

    Das stimmt, die Ausgrenzung derer, die als psychisch krank eingestuft werden und keine vernünftige Behandlung bekommen sondern einfach nur abgestempelt werden, ist das, was die Menschen AGGRESSIV MACHT . Ausserdem sollte man einmal testen, ob bei Amokläufen und Massenmorden die Täter nicht sogar aggressiv machende Medikamente bekommen haben, die überhaupt dann erst zu dieser Tat geführt haben, ich bin selbst Opfer gewesen von zuviel Psychopharmaka, die aus mir ein Monster gemacht haben und ich mich glücklicherweise selbst befreien konnte, bevor irgendetwas Schlimmeres passiert wäre !!!!!

  9. Stimme „anon“ da voll zu. So wäre es meiner Meinung nach besser:
    „Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für gesundheitliche Aufklärung und Inklusion von nicht neurotypischen Menschen in der Gesellschaft ein.“ :)

  10. julia seeliger schrieb am

    Wie immer: gut gemeint ist nicht gut gemacht. Asperger nun als psychische Störung zu bezechnen – nun ja. Ich fand die Aufregung über den Artikel eh übertrieben, wenngleich ich es auch schön fand, dass es mal ne Asperger-Debatte gab.

    Wie auch immer: werdet glücklich mit euren Presseerklärungen. Ich werde es wohl nicht mehr.

  11. kaspardavid schrieb am

    „mit dieser Art der Berichterstattung werden Menschen auf unverantwortlich Weise diskriminiert“. Jetzt verblüffst Du mich aber, Klaus Peukert, das ist doch in Twitter eigentlich genau dein Ding. Was sind denn Deiner Meinung nach die eigentlichen Probleme und Ursachen?

  12. Robert schrieb am

    Am anderen Ende der Welt passiert ein schlimmes Verbrechen eines Einzeltäters. Eine von tausenden deutscher Medien, macht darüber einen dilletantischen Bericht über die mögliche Ursache.
    Jetzt frage ich mich aber, was das Ganze mit der deutschen Gesellschaft zu tun hat. Es dieses Thema wichtig für die Rentenentwicklung, für den Klimawandel, für die Bekämpfung der Armut, für die innere Sicherheit? Warum ist dies ein Thema für den Bundesvorstand einer Partei, die nächstes Jahr im Parlament sein möchte. Warum prangen solche Nebensächlichkeiten auf der Startseite der Homepage der Piraten? Warum lassen sich die Piraten vom allgemeinen Medienmainstraem so mitreißen.
    Befasst Euch mit wichtigeren Dingen! Ansonsten ist dies einfach unprofessionell.

  13. Karsvo schrieb am

    Ich unterstütze diese Pressemitteilung. Was der Spiegel hier macht, basiert auf „hätte“, „könnte“, „würde“. Wilde Ferndiagnosen sind geeignet, nicht nur einzelne Menschen sondern ganze Gruppen zu diskreditieren. Wir brauchen Unterstützung für Menschen, die anders sind und keine Sündenböcke. Hat sich übrigens mal jemand die Frage gestellt, warum soviele Amok-Läufe in Schulen stattfinden? Warum ist die Schule ein Feindbild? Auch wenn gewaltsames und unverhältnismäßiges Verhalten immer zuerst ein Fehlverhalten des Täters ist, sollte das nicht davon ablenken, hier auch Fehler bei sich selbst zu suchen.

    • Grimnir schrieb am

      Das Hauptproblem sind aber nicht Spiegel-Veröffentlichungen sondern gültige Gesetze, die psychiatrische Zwangsbehandlungen ermöglichen. Ziel eurer Kritik sollte daher das Justizministerium sein. Wenn ihr eine Zeitung kritisiert offenbahrt ihr ein gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit.

      • Karsvo schrieb am

        Wir haben Pressefreiheit? Also ein Journalist kann frei schreiben? Oder hat er die Anweisungen seines Vorgesetzten zu befolgen? Und der Vorgesetze hat die Anweisungen seines Vorgesetzen zu befolgen, usw.. ? Und wie wenige Medienkonzerne haben welchen Marktanteil?

        „Freiheit“ ist ein Begriff, der allzu sehr überstapaziert wird. Genauso wie „Gestörtes Verhältnis“.

        • campionequarto schrieb am

          Das sehe ich genauso. Sogenannte Pressefreiheit ist vor allem dann gegeben, wenn in einer Gesellschaft wirklich Diskussionskultur herrscht, was selten der Fall ist. Dies bedeutet dann, dass auch einseitige und pauschalisierende Artikel angefochten werden dürfen. (m. E. sogar müssen, dennn das manipulative Potential besonders bei Minderheiten, Krankheiten und ‚abnormem‘ Verhalten ist gewaltig.

      • Karsvo schrieb am

        Die von Ihnen angesprochene äußere Pressefreiheit (während es keine innere Pressefreiheit gibt) verleiht der Presse zahlreiche Privilegien. Als Beispiel sei nur angeführt, das Julien Assange von der US-Regierung verfolgt wird, während nach meinem Kenntnisstand keine erkennbaren Maßnahmen gegen Presse-Organisationen eingeleitet wurden, die Wikilleaks-Informationen veröffentlicht haben. Diese aus der äußeren Pressefreiheit resultierenden Privilegien gehen aber auch mit Pflichten einher. Presseorgane werden als Folge ihres höheren Organisations-Grades mit strengeren Maßstäben gemessen als Menschen ohne Presse-Ausweis. Alles hat zwei Seiten.

        • kessfried, schrieb am

          Auch zum thema pressefreiheit empfehle ich einen blick in „zettels raum“. Ein „schönes“ beispiel ist hier der „mord“ an dem holländischen schiedsrichter und unsere politisch korrekte berichterstattung.

        • Grimnir schrieb am

          1. Für mich ist Pressefreiheit kein Privileg, sondern das Recht auf freie Meinungsäußerung angewendet auf Presseorgane. Das Fehlen einer „inneren“ Pressefreiheit kann ich nicht erkennen, da jeder angestelte Journalist das Recht hat, sich (z.B. als Blogger) selbständig zu machen oder den Arbeitgeber zu wechseln wenn er sich von seinem Redakteur gegängelt fühlt.

          2. Warum ist die Schule ein Feindbild?
          Literaturtipp: Frieda Norka: „Rückkehr ins Kinderseelen-KZ“
          Im Unterschied zu z.B. Journalisten können sich Schüler nicht selbständiig machen, da wir eine Schulpflicht haben. Leider versuchen die Staatsgäubigen diese Probleme immer auf dieselbe Weise zu „lösen“. Sie übersehen dabei aber, dass durch Zwangsmaßnahmen der Hass der Anders-Denkenden auf das System und seine Mitläufer nur noch weiter gesteigert wird. „Freiheit“ ist ein Begriff, der leider (nicht nur) von der Piratenpartei IMHO viel zu wenig thematisiert wird.

          3. Der Spiegel ist nur der Überbringer der schlechten Nachrichten. Ich halte es nicht für zielführend, die Presse zum Sündenbock zu machen.

      • kessfried, schrieb am

        In hh ist gestern ein polizist von einem psychisch kranken schwer verletzt worden.

        • Grimnir schrieb am

          Buchtipp:
          Manfred Lütz:
          Irre – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde
          ISBN: 3579068792

          • kessfried, schrieb am

            Danke für den tip. Am 13/12 gabs bei spon einen artikel über den fall mollath „Warum der justitzskandal keiner ist“. Lesenswert vorallem für diejenigen denen schon wieder alles klar ist.

              • kessfried, schrieb am

                Ich habe mich mit diesem fall bisher 0 beschäftigt, muß dir aber sagen der link überzeugt mich nicht wirklich (habs allerdings auch nicht zuende gelesen). Hier gehts doch mehr um kritik um der kritik willen. Lehnst du jeden artikel ab in dem du den eindruck hast der journalist weiß, wenn er den text zu schreiben beginnt, was er mit dem artikel aussagen will ? Das ist der erste kritikpunkt des schreibers und so gehts dann weiter……

  14. Andreas von Hessling schrieb am

    Ich stimme den Piraten zu. Psychater koennen dazu verwendet werden, um jemanden fuer unmuendig zu erklaeren wenn er nicht den Vorstellungen der Eltern und nicht den Vorstellungen der Gesellschaft entspricht.

    Andreas

  15. Perestroika schrieb am

    Asperger-Syndrom: Noch ein Thema was auf Grund der hohen innerparteilichen Betroffenheit zu einem weiteren Kernkompetenzthema der Piraten werden kann. Wobei „weiteres“ suggeriert es wäre schon ein anderes Thema da.

  16. kessfried, schrieb am

    Was halten die piraten eigentlich von der“ identitären bewegung“ ?
    Werden die auch ausgegrenzt ?
    Kennt ihr deren agenda ?

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