Menschenrechte enden nicht am Stadiontor

Bild: Tobias M. Eckrich

Die Piratenpartei Deutschland begrüßt die friedliche Protestaktion 12:12 der deutschen Fußballfans gegen die unverhältnismäßigen Forderungen, die die Deutsche Fußball Liga (DFL) in ihrem Papier »Sicheres Stadionerlebnis« erhebt. Insbesondere die Forderungen nach Ganzkörper- und Nacktkontrollen, Gruppenhaftung für alle Stadionbesucher, Kollektivstrafen sowie die Aburteilung von pauschal verdächtigten Fans sind völlig überzogen und zeigen, dass die DFL jegliches Augenmaß verloren hat.

Hierzu äußert sich Frank Herrmann, Abgeordneter der Piratenfraktion Nordrhein-Westfalen und Mitglied im Innenausschuss des Landtags NRW wie folgt:

»Diese deutschlandweit einmalige Aktion zeigt, dass das Tuch zwischen den Fans und der DFL bereits zerschnitten ist. Ich sehe es als Aufgabe der Politik an, den echten Dialog zwischen beiden Lagern wieder herzustellen. Eingeschränkte Persönlichkeitsrechte, Verstöße gegen den Datenschutz und die bisher angewandte Law-and-Order-Politik führen in eine Sackgasse.«

Wir teilen die Auffassung der AG Fananwälte, dass die geforderten Maßnahmen größtenteils rechtswidrig sind und einen massiven Eingriff in die Grundrechte unbescholtener Bürger darstellen. Wir fordern die Beteiligten DFL und DFB auf, auf diese Maßnahmen zu verzichten und das eigene rechtsstaatliche Verständnis zu überdenken.

Wir beobachten mit großer Sorge, dass Fußballfans immer häufiger als Versuchsobjekt für überwachungsstaatliche Maßnahmen wie der Erprobung von Nacktscannern und neuen Kamerasystemen mit automatischer Gesichtserkennung herhalten müssen. Wir fordern die Politik auf, die Unschuldsvermutung wieder in die Stadien Einzug halten zu lassen.

»Der Trend zu immer stärker werdenden Repressionen hat die Probleme in den Fanszenen letztlich nur verstärkt«,

sagt Heiko Herberg, Mitglied des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus Berlin.

»Anstatt weiter gegen die Fans zu kämpfen, sollten DFL und DFB, sowie die Innenminister endlich auf die Fans zugehen und versuchen die Probleme mit ihnen gemeinsam zu lösen.«

Die Piratenpartei beschreitet diesen Weg bereits jetzt und veranstaltet im Landtag von Nordrhein-Westfalen regelmäßig Fanhearings, bei denen sich die Abgeordneten der Piratenfraktion NRW mit den direkt betroffenen Fans treffen.

Quellen:
[1] Pressemitteilung der „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ zum Maßnahmenkatalog „Sicheres Stadionerlebnis“ der DFL:
http://fananwaelte.de/Aktuelles/Aktuelles5/1,000000979538,8,1

[2] Pressemitteilungen der Piratenfraktion im Landtag NRW zum 1. und 2. Fanhearing
https://blog.piratenpartei-nrw.de/fraktion/files/2012/06/2012-09-04-PM-Fanhearing.pdf
https://blog.piratenpartei-nrw.de/fraktion/files/2012/06/2012-10-23-PM-Fußballfans.pdf

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Kommentare

4 Kommentare zu Menschenrechte enden nicht am Stadiontor

  1. Karsvo schrieb am

    Der Fußball ist sicher

    Sollte dieser Maßnahmenkatalog umgesetzt werden, würde Otto Normalbürger direkt erleben, was Überwachungsstaat bedeutet. Das ist dann nicht mehr weit weg, abstrakt oder betrifft nur andere. In unserer Gesellschaft, die gelernt hat, bei unangenehmen Wahrheiten wegzuschauen, ist das leider immer noch nötig, damit die große Masse in Allerwertesten in Bewegung setzt statt wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren.

    „Was man zusammendrücken will, muß man sich erst ausdehnen lassen.“

    • Hans Hase schrieb am

      Die Mehrheit der Leute ist doch für die Überwachung, weil sie sich dann ja so viel sicherer fühlen. Die unkritischen Massenmedien tun zudem ihren Teil damit die Leute erst gar nicht wissen was abgeht, denn über solche Vorhaben wird gar nicht erst berichtet.

  2. disi schrieb am

    Zu den Niederlanden:
    Ich finde es schlimm, wenn jugendliche Spieler einen Vater/Aushilfs-Linienrichter zu Tode pruegeln.
    Zu Deutschland:
    Ein Appell an Fans und Polizei. Man kann sowieso nicht jede Straftat verhindern und die Polizei wirkt wenig deeskalierend auf die Fans ein.
    Wenn ich als normal denkender Mensch lese es sind kein Alkohol und Feuerwerkskoerper erlaubt waehrend des Spiels, dann halte ich mich doch daran? Was geht nur in den Koepfen dieser Leute vor?

    • kessfried, schrieb am

      Die jugendlichen waren marokaner. Schau mal in zettels raum da kannst du es nachlesen. Sollen wir aber nicht wissen. Wir die bürger müssen ja erzogen werden von unseren medien. Wir könnten ja sonst auf falsche gedanken kommen.

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