Leistungsschutz-Unsinn: Bundesregierung stärkt Contentindustrie

Bild: Tobias M. Eckrich

Zum Beschluss der Bundesregierung, die Schutzdauer für Rechte an Musikaufnahmen von 50 auf 70 Jahre zu erweitern, nimmt Bruno Kramm, Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei Deutschland, wie folgt Stellung:

»Die Verlängerung des Leistungschutzrechtes blockiert die Weiterentwicklung bestehender Werke, den freien Zugang im Sinne der Allgemeinheit und die universelle Verfügbarkeit von Schöpfungen. All dies sind wesentliche Faktoren für unseren kulturellen Reichtum und unentbehrlich für den Fortschritt unserer Gesellschaft. Darüber hinaus führt die Ausweitung der Schutzrechte zu einer deutlichen Benachteiligung des kulturwirtschaftlichen Standorts Deutschland und Europas gegenüber internationalen Content-Oligopolen.«

Mit dem heutigen Beschluss setzt die Bundesregierung eine aus dem Jahre 2011 stammende EU-Richtlinie in deutsches Recht um.

»Das Argument, Musiker würden von dieser Verlängerung der Schutzfristen profitieren, ist an den Haaren herbeigezogen, da hieran vor allem die Verwerter verdienen, die nun Katalogrechte noch länger behalten und auswerten. Darüber hinaus erleben die meisten Künstler einen Zeitraum von 70 Jahren nach Veröffentlichung gar nicht mehr. In den meisten Verträgen ist die Auswertung an die gesetzlichen Schutzfristen gekoppelt, daher ist die Nachverhandelbarkeit durch diese Ausweitung in keiner Form gegeben, ganz im Gegenteil«, ergänzt Kramm.

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Kommentare

13 Kommentare zu Leistungsschutz-Unsinn: Bundesregierung stärkt Contentindustrie

  1. Gast schrieb am

    Ein Beitrag nach längerer Zeit auf der Homepage der Piratenpartei, der mich endlich wieder mal nicht aufregt… (in dem Sinne danke an den Verfasser des Beitrags).
    Trotzdem würde ich in Zukunt um zwei Gefallen bitten:

    1. Setzt keine Überschriften, die an BILD-Zeitung denken lassen, wie es hier durch den Ausdruck „Unsinn“ der Fall ist.
    2. Es ist schön, dass Behauptungen in diesem Beitrag zumindest ansatzweise begründet sind („Das Argument, Musiker würden von dieser Verlängerung der Schutzfristen profitieren, ist an den Haaren herbeigezogen, da hieran vor allem die Verwerter verdienen, die nun Katalogrechte noch länger behalten und auswerten.“). Allerdings ist in diesem Fall die Begründung („da hieran vor allem die Verwerter verdienen“) streng genommen nichts weiter als eine weitere Behauptung ist…
    Fügt doch an solche Behauptungen/Begründungen doch ausführlichere, aufklärende Zeilen hinzu (oder alternativ einen dazu geeigneten Artikel).

    • Steven Kollmorgen schrieb am

      Ich stimme meinem Vorredner inhaltlich zu. Ein erweitertes Recherchieren sollte nur wenige Minuten in Anspruch nehmen und gibt den Lesern einen kurzen Überblick. Wichtig bei Kurzmeldungen sind relativ objektive Äußerungen. Da wir uns hier auf der Seite der Piratenpartei Deutschlands befinden, wäre es angebracht Unmutsäußerungen zurückzufahren, auch wenn es offensichtlich ist, dass die Basis diese teilt.

    • Anonymous schrieb am

      Sehe ich genauso. Was soll solch eine Polemik, wenn die Piraten doch immerhin noch bei 5 Prozent sind sollte man sich nicht auf so ein Niveau herabbegeben. Erinnert mich ein bisschen an irrational populistische Aussagen der Linkspartei, oder noch schlimmer: DKP.

  2. PromAuk schrieb am

    Content… was?
    wie kann einen Partei Politik für das Volk machen, wenn sie nicht mal die Sprache spricht?
    Die PP ist eine Internet Partei geblieben und das ist ihr Problem.

  3. blanca spott und kessfried, schrieb am

    Gilt das leistungsschutzrecht auch für reden ?
    Herr steinbrück hat in der pleite komune bochum auf einer wohltätigkeitsveranstaltung eine rede im wert von 25.000 euro gehalten. Er war so fokussiert, daß er nicht einmal gemerkt hat, daß er auf einer wohltätigkeitsveranstaltung ißt.
    Da muß ihm doch ein leistungsschutzrecht zustehen. Findet ihr nicht ?

    • Gast schrieb am

      Reden und LSR? Ausschließen kann man das nicht, jedenfalls nicht von vorherein, vielleicht für die Gegenwart, aber sicher nicht für die Zukunft. Das Presseerzeugnis (Rede) braucht einen beliebigen Träger. Es kommen dafür die Luft, das Mikro, die Kabel, evtl. Verstärker, die Lautsprecher, Dolmetscher und die Hörgeräte (als eigenständige technische Übersetzer und Speichermedium):
      http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/RegE_LSR.pdf?__blob=publicationFile
      $87f
      „(2) Ein Presseerzeugnis ist die redaktionell-technische Festlegung journalistischer Beiträge im Rahmen einer unter einem Titel auf beliebigen Trägern periodisch veröffentlichten Sammlung, die bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlagstypisch anzusehen ist und die nicht überwiegend der Eigenwerbung dient. Journalistische Beiträge sind insbesondere Artikel und Abbildungen, die der Informationsvermittlung, Meinungsbildung oder Unterhaltungdienen. “
      Die Luft als solche beinhaltet Teilchen, die im Gegensatz zum Vakuum, Schall(wellen) weitergeben können und schon jetzt in gewisser Weise „Datenträger“ sind:
      1. Schlägt man einen Eisenstab mit genug Wucht gegen einen Widerstand, richten sich die Teilchen aus, das Eisen wird magnetisch. Ähnliches Verfahren wurde bei der Kassette zur Datenspeicherung verwendet. Warum nicht auch die Luft bei einer Rede? Rundfunkwellen gelangen auch ins Universum, falls wir je schneller fliegen können, also diese Wellen unterwegs sind und wir sie einholen und empfangen können, schlägt das LSR zu.
      2. „storing it in the form of DNA“
      http://arstechnica.com/science/2012/08/bases-for-bits-a-book-is-written-as-dna/
      Ein solcher DNA Strang kann problemlos die Rede beinhalten [und als Trägerteilchen der Luft (n-fach, als „Flyer“) beigemengt werden].
      Das LSR spricht nur von der Existenz und nicht von der Abrufbarkeit geschweige denn der Barrierefreiheit zur erneuten Wiedergabe.

  4. Bernhard schrieb am

    Eine Schutzfrist in derselben Länge wie ein Patent wäre m.E. angebracht, denn warum soll eine ‚künstlerische Erfindung‘ länger geschützt werden wie eine ‚technische Erfindung‘ ?

    • disi schrieb am

      Das kuenstlerische Werk laesst sich laenger vermarkten und damit Geld verdienen. Die Waschmaschine von 1940 wird heute niemand mehr nachbauen wollen.

      Was mich immer wundert, es steht doch im Paragraphen 70 Jahre nach Tod des Urhebers? Warum wird immer von Veroeffentlichung gesprochen oder ist das ein PR Trick?

      • disi schrieb am

        Aehm habs gefunden: http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/dauer-urheberrecht.html
        Da steht noch §85 UrhG 50 Jahre nach Veroeffentlichung des Tontraegers fuer die Verwertungsindustrie, das wurde wohl auf 70 Jahre geaendert.
        Sprich diese Verlaengerung hat garnichts mit dem Urheberrecht des Kuenstlers zu tun *denk
        Wenn ich ein Lied schreibe, habe ich bis zu 70 Jahre nach meinem Tod das Recht es zu kopieren, veroeffentlichen, meine Rechte verkaufen, GEMA kassieren usw.
        Wenn eine Plattenfirma mein Lied in ein Album aufnimmt, haben die nun 70 (vorher 50) Jahre einen Kopierschutz auf diese Konstellation der Musikstuecke. Da hat der Kuenstler ja nichts mit zu tun, der wurde schon von der Plattenfirma bezahlt.

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