Russische PIRATEN üben differenzierte Kritik am Urteil gegen »Pussy Riot«

Bild: Tobias M. Eckrich
Die Piratenpartei Russland befragte ihre Parteibasis, um zu einer Bewertung der Geschehnisse um die Punkband Pussy Riot zu kommen. Der Vizevorsitzende Stanislav Shakirov nimmt nun im Namen seiner Partei sehr differenziert Stellung:
»Das Gerichtsurteil zeigt sehr anschaulich, wie schnell die russische Bürokratie in kritischen Situationen wieder in totalitäre Aktionsmuster verfällt und sich somit langsam und stetig selbst demontiert. Wenn ein Staat so hart auf eine symbolische Aktion reagiert, zerschlägt er sich am Ende selbst. Was gestern ein dummer Streich war, ist heute zu einem künstlerischen Akt überhöht worden. Zwei Jahre Arbeitslager und ein drohender Sorgerechtsentzug sind als Strafe für diese Aktion eindeutig zu viel und vollkommen unangemessen. Es ist offensichtlich, dass die Performance von Pussy Riot nicht kriminell war, es ist noch nicht einmal klar, ob sie überhaupt als Ordnungswidrigkeit gewertet werden könnte.«
Auch auf die Oppositionsbewegung in Russland muss nach Ansicht von Shakirov mit sehr wachsamem und kritischem Auge geschaut werden.
»Was wir hier beobachten, ist ein Spiel zwischen Kreml und einzelnen, sehr auf öffentliche Aufmerksamkeit bedachte Gruppen. Leider schaden solche plakativen Aktionen der so notwendigen und wichtigen Arbeit der Opposition in Russland. Ein Affront gegen Putin sollte nicht mit einem Affront gegen die russische orthodoxe Kirche beginnen, da es die Gellschaft, und auch die Opposition, spaltet. Wir hoffen darauf, dass der Einspruch gegen das Urteil Erfolg haben wird, die Mitglieder von Pussy Riot ihre Freiheit erlangen und wir uns wieder den wirklich wichtigen Fragen der russischen Politik zuwenden können«, so Shakirov.

Flattr this!


Für Kommentare gelten die hier einsehbaren Regeln.

Kommentare

7 Kommentare zu Russische PIRATEN üben differenzierte Kritik am Urteil gegen »Pussy Riot«

  1. Archi schrieb am

    Hab gerade mein russisch erneuert, hat aber nicht viel genützt.

  2. Anonymous schrieb am

    Ahoi,
    gefällt mir gut, wie unsere russischen Piraten das sehen. Die Strafen sind völlig überzogen. So was hatten wir in der Deutschland auch schon 2 mal. III. Reich und DDR. Zur Freiheit gehört auch, dass man anderen ihre Freiheit lässt. Einen orthodoxen Gottesdiensts muss sich es sich nicht gefallen lassen, von einer vulgären und pornographischen Anarcho Truppe – und nichts anderes machen „Pussy Riots“- stören zu lassen. Was PR gemacht haben, ist eine Diktatur der Meinung und damit sind sie kein bisschen besser als das Putin Regime. Und dafür dürfen sie im Gulag Kohlen schaufeln.

    • gottesanbeter schrieb am

      okay, wenn ich irgendwann mal eine kirche betreten sollte – dann passe ich auf, dass mir keine kirchenkritischen aussagen über die lippe rutschen, weil ich ja damit umgekehrt das recht auf meinungsfreiheit des klerus tangierte, der als mein hausherr die hoheit darüber hat, welche ansichten in ordnung sind und was man denken darf.

      wiederstand gegen willkürherrschaft muss sich natürlich an richtlinien des rechtsstaates halten, wer kann sowas nur anzweifeln.

      natürlich ist es wiederum keine meinungsdiktatur, wenn vertreter der kirche in der fußgängerzone oder auf meinem grundstück missionieren wollen, schon verstanden

    • kritiker schrieb am

      es scheint, als hätten manche (fühl dich angesprochen), die – womöglich aus bürgerlich-dogmatischer Erziehung heraus, aber auf jedenfall aus prinzip – gegen die provokanten PR wettern, nicht nur die bedeutung libertärer Werte vergessen, die in dieser partei mal stärker gelebt wurden (von bürgerrechten bis zur Trennung von Kirche und Staat) und als würden sie zusätzlich für die sekte ääh die brüder des imaginären freunds, an den wir alle glauben sollen, besondere maßstäbe anlegen, die dann auch mal die einschränkung der persönlichen freiheit als legitim erachtet.

      was die nachbarreligion Judentum angeht, gilt Kritik daran historisch gesehen für unserem christlichen deutschen Michel sogar schlimmer – in einer Synagoge bloß zu husten, dürfte vermutlich schon als Antisemitismus durchgehen.
      aber gegen die gängigen islamischen vorstellungen einer staatsreligion protestieren viele pro-christliche dann wiederum nur zu gerne. der Islam ist übrigens ebenfalls eine Nachbarreligion, na sowas auch.

    • Thomas Dregen schrieb am

      Falsches Verständnis von negativem Freiheitsrecht – neben dem widerlichen und unsensiblen Vergleich des heutigen und früheren Russlands mit dem III.Reich, dem ich zwar keine Relativierung Nazideutschlands vorwerfe, aber dafür ein Stammtischniveau, das mir beim Lesen mancher Kommentare mal abgesehen von den hier angesiedelten Trollen häufiger begegnet. Vieles ist einfach nur dumm und ich erwidere erst gar nichts – hier ist das noch nicht der Fall.
      Doch zur negativen Freiheit, die immer wieder pseudorhetorisch missbraucht wird:
      Die Welt hat kein Recht darauf, von meiner Meinung in Ruhe gelassen zu werden (oder in „Freiheit“, wie du bizarrerweise sagst) im Sinne von „ich darf sie nicht äußern“.

      Negative Freiheit regelt lediglich, dass ich deren Meinung tolerieren muss (und nicht etwa dazu aufrufe, Christen zu verfolgen).
      Im Gegenzug müssen sie aber auch meine Meinung tolerieren, die vielleicht Inakzeptanz für deren Ideen offenbart. Aber es kann nicht sein, dass eine bestimmte Meinung davor geschützt werden soll.

    • Freedom schrieb am

      Ich bin der Meinung, dass es „Pussy Riot“ doch selbst überlassen sein sollte auf welche Art und Weise Sie gewaltlosen Protest und freie Meinungsäußerung betreiben möchten. Wenn man außerdem die enge Verbindung zwischen Putin und der orthodoxen Kirche in Russland betrachtet, erscheint mir der Ort der Aktion als durchaus nachvollziehbar.Was soll das mit der Diktatur der Meinung?

  3. anonymous schrieb am

    Wir schauen alle auf russland. Das schockierende ist aber, dass die justiz in unseren europäischen demokratien (auch bei uns) und den usa genauso weit vom rechtsstaat entfernt ist. Ganz davon abgesehen, dass eine aktion wie von pussy riot hierzulande einen riesigen skandal darstellen würde. Doch hier traut sich ja noch nichtmal jemand dazu…

Es können keine neuen Kommentare mehr abgegeben werden.

Weitere Beiträge: