Neue Geschäftsmodelle für Künstler im digitalen Zeitalter

Bild: Tobias M. Eckrich

Das Ziel der Piratenpartei ist ein liberales Urheberrecht, das mit nur wenigen staatlichen Eingriffen auskommt. Dadurch sollen sich auch im Internet marktwirtschaftliche Geschäftsmodelle und Preise ohne die ständige Überwachung und Kriminalisierung der Verbraucher durchsetzen können. Vielfach sind bereits jetzt Geschäftsmodelle erfolgreich, die auf der digitalen Vernetzung aufbauen und den Verbrauchern ermöglichen, jederzeit und überall auf Kulturgüter zuzugreifen und selber am Kulturaustausch teilzunehmen.

Die wohl bekanntesten dieser neuen Geschäftsmodelle bieten kostenlose Internetbrowser, E-Mail-Konten, Suchmaschinen, Online-Karten und weitere – teilweise werbefinanzierte – Dienste, mit denen sogar große Konzerne Geld verdienen. Zunehmend an Bedeutung gewinnt das Crowdfunding, welches erst durch die wachsende Vernetzung der Menschen möglich wurde und dessen Potenziale zusammen mit dieser größer werden.

Die Piratenpartei möchte hiermit eine Diskussionsgrundlage zu tragfähigen Geschäftsmodellen im digitalen Wandel vorstellen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Modellen, welche die freie digitale Verfügbarkeit im Internet bereits gewinnbringend nutzen oder von dieser nicht oder kaum betroffen sind.

Zusammenfassung

Komfortable Downloadangebote und Zahlungsmöglichkeiten, bei denen die Einnahmen größtenteils an die Urheber fließen, sind der Weg der Zukunft. Jedes der hier vorgestellten Geschäftsmodelle lebt von der Bekanntheit und Verbreitung des Werkes sowie dem Willen der Verbraucher, dafür auch zu zahlen – auch bei einer Lockerung des Urheberrechts im nichtkommerziellen Bereich. Klassische Modelle wie der Buchverkauf, Konzerte oder Kino sind deshalb kein Auslaufmodell, da sie sich sehr gut mit neuen Finanzierungswegen ergänzen. Das enorme Wachstum des Kulturgütermarktes der letzten zehn Jahre spricht auf jeden Fall dafür. Würde das Rad der Zeit zurückgedreht und das Internet und die modernen technischen Geräte eingeschränkt, müsste auch mit einer Marktschrumpfung auf das Niveau von vor zehn Jahren gerechnet werden.

Viele der neuen Geschäftsmodelle bieten den Nutzern eine kostenlose Vorschau des (geplanten) Werkes. Oft können und wollen zahlungsmotivierte Nutzer auch an den Werken mitarbeiten. So kann jeder Urheber leicht neue Internetmärkte erschließen und eigene Fankreise pflegen und erweitern. Dabei kann es immer wieder von Vorteil sein, einzelne Werke oder Teile daraus kostenlos zu verbreiten, um damit zahlungswillige Unterstützer für größere Projekte zu finden. Außerdem können gewerbliche Zweitnutzungen von Werken zunehmen, die den Urheber direkt beteiligen. Dabei lässt sich jedes Geschäftsmodell mit Werbeeinnahmen begleiten, wie seit Beginn des Internets üblich.

Geschäftsmodelle

Schema: Übersicht der Geschäftsmodelle

Werbefinanzierung:

Dieses Geschäftsmodell ist nicht neu, finanzieren sich doch die meisten Druckerzeugnisse und TV-Sender durch Werbung. Im Internet zeigt beispielsweise Google das Potenzial von werbefinanzierten Geschäftsmodellen. Das Modell Google ist sogar so erfolgreich, dass nun auch Verlage und Verwertungsgesellschaften per Leistungsschutzrecht an den Milliardengewinnen teilhaben wollen. Begleitende Werbeeinnahmen sind natürlich auch für einzelne Autoren und besonders für Plattformen naheliegend.

Verkauf von knappen Gütern (nicht einfach kopierbare Produkte und Dienstleistungen):

Dieses Geschäftsmodell ist ebenfalls sehr alt. Lange bevor Datenträger alltäglich wurden, bildete es die Einnahmequelle in vielen kreativen Bereichen – beispielsweise in Form des Verkaufs von Konzert- und Kinokarten. Auch Lesungen oder Merchandising-Produkte mit Motiven aus beliebten Werken zählen dazu. Im Softwarebereich wird das Geschäftsmodell oft genutzt, indem ein Programm kostenlos zur Verfügung gestellt wird, der professionelle Kundendienst aber einen kostenpflichtigen Zugang verlangt. Beispielsweise bietet die Zeitschrift PC Games Hardware kostenlos täglich aktuelle Artikel online an und zeigt dazu an auffälligen Stellen Werbung für zwei knappe Güter, die sie verkauft: Print-Abos sowie von der Redaktion selbst zusammengestellte Komplett-PCs.

Vermarktung des Künstlers statt des Kunstwerks:

Beim so genannten „Idol-Marketing“ handelt es sich um eine Variante der Vermarktung knapper Güter. Denn während viele Werke nicht mehr knapp sind, ist der Künstler immer noch einmalig und nicht kopierbar. Beim „Idol-Marketing“ strebt der Künstler eine maximale Verbreitung seiner Werke an, um sich dadurch selbst bekannt zu machen. Wenn er eine entsprechende Bekanntheit erreicht hat, verdient er Geld durch TV-Auftritte, Werbeverträge oder eine Kombination der anderen hier aufgeführten Modelle (z. B. Live-Konzerte). Ein Beispiel für erfolgreiches Idol-Marketing ist der US-Musiker Cee Lo Green, der zwar relativ wenig Musik verkauft, aber dennoch erfolgreich Geld verdient – unter anderem in der Jury der US-Castingshow „The Voice“.

Freemium (über ein Basisangebot hinausgehende, kostenpflichtige Dienste):

Dies ist ein häufig auf Social Payment aufbauendes Geschäftsmodell, das es jedem Interessierten erlaubt, einen Dienst gratis zu nutzen, oft mit begleitender Werbung. Stamm- und Vielnutzer werden als zahlende Kunden umworben, indem Zahlungen mit Werbefreiheit, zusätzlichen Möglichkeiten und Prämien belohnt werden. Dieses Modell ist bei vielen Onlinespielen üblich und dort unter dem Namen „Free to Play“ bekannt. Ein Anbieter für Freemium ist beispielsweise VODO. Dieses Geschäftsmodell liegt auch dem Refinanzierungsansatz der Serien „Pioneer One“ und „Zenith“, dem Film „The Yes Men Fix The World – P2P Edition“ und der Online-Zeitung FT zugrunde.

Social Payment: Kleinabgaben oder „Pay what you want“:

Nach diesem Geschäftsmodell werden einfache, freiwillige und direkte Zahlungsmöglichkeiten zwischen Konsumenten und Urhebern angeboten. Die Nutzer haben so die Möglichkeit, den Urheber unkompliziert und zügig für seine Leistung zu vergüten. Bekannte Beispiele für Social-Payment-Dienste sind Flattr, Kachingle und VODO. Auf diese Weise finanzieren sich beispielsweise Wikimedia, das Online-Radio Chaosradio Express, der Film „Us Now“ und das Softwareprojekt Freenet, welches sogar über fest angestellte Programmierer verfügt. Beim „Pay what you want“ entscheidet der Nutzer selbst, wie viel er für ein Werk zahlen möchte. Einige Künstler – z. B. der Jazz-Musiker Jason Parker – berichten, dass sie nach der Umstellung auf „Pay what you want“ im Schnitt höhere Preise erzielten als vorher beim klassischen bezahlten Download.

Crowdfunding: Vorfinanzierender Verkauf der (Erst-)Veröffentlichung:

Urheber können sich ihre Werkschöpfung von Konsumenten vorfinanzieren lassen („Crowdfunding“) statt von einzelnen großen Produzenten, die ihnen meist einen sehr engen Rahmen setzen. Häufig wird dieses Geschäftsmodell mit den oben genannten Freemium-Ansätzen kombiniert. Ein Beispiel dafür bietet die Projektfinanzierungs-Plattform Kickstarter mit dem Film „Blue Like Jazz“, bei dem verglichen mit der Zielsetzung von 125.000 Dollar das Dreifache eingenommen wurde. Dieser Ansatz kann mit einer finanziellen Erfolgsbeteiligung der Projektförderer einhergehen, was aber eher unüblich ist (in diesem Fall spricht man von „Crowdinvestment“).

Nachfinanzierender Verkauf der (Erst-)Veröffentlichung:

In diesem Geschäftsmodell werden geistige Werke von den Nutzern „freigekauft“. Jeder Interessierte entscheidet selbst anhand einer freien Teilveröffentlichung des Werkes (beispielsweise eines Trailers oder einer Demo-Version), ob und wie viel er bezahlen will. Das Werk wird in seiner Gesamtheit erst veröffentlicht, wenn ein vom Urheber vorgegebenes Einnahmeziel erreicht ist. Ein Anbieter dieses Geschäftsmodells ist beispielsweise SellYourRights. Ein auf diese Weise verkauftes Werk ist das Musik-Album „One Night“ der Band Desert Next Door.

Verwertungsunternehmen und -gesellschaften für die kommerzielle Rechtewahrnehmung:

Nicht jeder Künstler hat selbst die Möglichkeit, seine kommerziellen Rechte umfassend zu vermarkten und durchzusetzen. Aus diesem Grunde sind Verwertungsunternehmen wie Verlage, Labels und Publisher als Dienstleister ein wichtiger Faktor. Wesentlich ist dabei die Verhandlungsposition der Urheber bei der Aufteilung der Einnahmen. Dabei sorgen Rechte der Urheber auf Mehrfachverwertung sowie das Zurückfallen der Rechte vom Verwerter an den Urheber bei Nicht-Ausübung und nach Ablauf eines festgelegten Zeitraums für zusätzliche Einnahmen. Verwertungsgesellschaften wie GEMA oder VG WORT bündeln Einzelrechte und verkaufen sie an kommerzielle Anbieter wie Rundfunksender, Diskotheken, Bibliotheken oder Internet-Streamingdienste wie Spotify oder YouTube. Die Einnahmen werden an die Urheber ausgeschüttet. Wesentlich dafür sind angemessene Lizenzkosten z. B. für Clubs und Diskotheken, ein gerechter Verteilungsschlüssel der eingenommenen Tantiemen, geringe Verwaltungskosten, Mitspracherechte in der Verwertungsgesellschaft und die Möglichkeit, differenziert zu entscheiden, welche Werke wie vermarktet werden.

Öffentliche Gelder zur Förderung von Künstlern und zur Erfüllung des Bildungsauftrags:

Zur Unterstützung der freien Entfaltung einzelner aufstrebender Künstler, insbesondere in Bereichen, die nicht im Mainstream der bisherigen Verwertung liegen, besteht die Möglichkeit und die gesellschaftliche Verantwortung zur Förderung. Dies kann beispielsweise über Stipendien und Förderpreise erfolgen. Für Werke wie filmische Dokumentationen, die zwar nicht im Fokus der kommerziellen Verwertung stehen, jedoch einen hohen gesellschaftlichen Nutzen haben, sind direkte Finanzierungen über öffentliche Gelder notwendig. Allein der öffentlich-rechtliche Rundfunk verfügt über ein jährliches Gesamtbudget von mehr als neun Milliarden Euro. Diese Gelder müssen dem Bildungsauftrag entsprechend verteilt werden, nämlich als Ergänzung und nicht in Konkurrenz zum privaten Rundfunk. Auch lassen sich öffentliche Gelder für die Erstellung freier Lehr- und Lernmaterialien abrufen, welche beliebig verbreitet und weiterentwickelt werden können, oder auch für Portale zur Begutachtung (Review) und zum barrierefreien Anbieten wissenschaftlicher Artikel.

Politische Unterstützung moderner Geschäftsmodelle

Moderne Geschäftsmodelle wie Crowdfunding haben häufig das Problem einer langen Anlaufzeit. Da einige Branchen die Entwicklung moderner Geschäftsmodelle aber lange verschlafen haben, besteht Bedarf, diese Anlaufzeit zu verkürzen.

Der Staat hat in einem solchen Fall die Möglichkeit, zu Subventionsinstrumenten zu greifen. Ein Subventionsinstrument für Crowdfunding, der sog. „Crowd-Bonus“, könnte z. B. folgendermaßen aussehen: Der Staat und die etablierten Urheber (vertreten über die Verwertungsgesellschaften) bilden einen Topf mit Fördermitteln. Förderungswürdige, über Crowdfunding finanzierte Kulturprojekte, die festgelegte Kriterien erfüllen, erhalten auf den per Crowdfunding gesammelten Betrag einen prozentualen Bonus, der nach oben beschränkt ist.

Damit die Subvention ihre Wirkung entfaltet und nicht zum Ersatz für echte Einnahmen wird, sollte die Subvention zeitlich befristet sein. So kann auch die Größe des Fördertopfes im Laufe der Zeit sinken. Ein solches Instrument ist natürlich nicht nur für Crowdfunding, sondern auch für andere neue Geschäftsmodelle einsetzbar.

 

Beispiele aus verschiedenen Kulturgüterbereichen

Allgemein

Erfolgreich finanzierte Projekte finden sich beispielsweise in der Topliste des Portals Kickstarter. Crowdfunding ist jedoch nicht nur auf diese Bereiche beschränkt – auch Mode, Fotografie und Theater werden so finanziert. In Deutschland wächst seit 2010 mit Startnext eine junge Crowdfunding-Plattform mit bisher 222 erfolgreichen Projekten heran. Ein Überblick über deutschsprachige Finanzierungsportale findet sich im t3n-Artikel „Deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen auf einen Blick“.

Für 2012 wird erwartet, dass in den USA durch das drei Jahre alte Kickstarter mehr Geld in Kunst und Kultur fließt als durch die 1965 gegründete staatliche Kulturförderung National Endowment of Arts. Crowdfunding im Ganzen soll von 1,5 Mrd. Dollar im Jahr 2011 auf 2,8 Mrd. Dollar im Jahr 2012 zunehmen.

Schriftwerke:

Fast alle Tageszeitungen besitzen ein breites werbefinanziertes Online-Angebot und werben dabei für Abonnements der umfangreicheren und hochwertigen Druckausgabe. Gedruckte Bücher verkaufen sich ebenfalls sehr gut, sie haben einen Sammelcharakter und lassen sich nur aufwendig privat kopieren, jedoch kaum in der Qualität, wie sie Verlage erreichen. Der Verkauf von E-Books kann eine wesentliche Ergänzung zum Verkauf der physischen Produkte darstellen. Geschäftsmodelle zur Kombination des physischen Druckwerks mit der digitalen DRM-freien Kopie könnten den Gesamtverkaufswert erhöhen.

Neue Geschäftsmodelle, die vom digitalen Wandel profitieren:

  • Online-Lexikon Wikipedia (Finanzierung: Plattform: Social Payment – Inhalte: ehrenamtliche Arbeit)
  • Kostenlos nutzbare digitale Fachbuchausgaben: z. B. O’Reilly OpenBooks (Finanzierung: Printausgaben und sauber aufbereitete Downloads in Formaten wie PDF)
  • Kickstarter generiert bereits ähnlich starke Umsätze für Graphic Novels wie Marvel und DC.
  • Digitale Eigenpublikation (Self-Publishing), meist in Verbindung mit Amazon – Autoren erzielen dort bis zu 70 Prozent der Gewinne, Beispiele: J. A. Konrath führt ein ausführliches Blog dazu, Mike Stackpole, David Gaughran, Bob Mayer, Dean Wesley Smith, Amanda Hocking, Oliver Potzsch ([1], [2], [3] ).

Musik:

Durch den digitalen Wandel sank der Verkauf von CDs mit der Einführung von Kopierschutzmaßnahmen in den Jahren 2000 bis 2003, blieb seitdem jedoch konstant, während digitale Verkäufe zunahmen. Moderne Abspielgeräte setzen ausschließlich auf digitale Formate und bieten wesentlich größere Speichervolumen als CD-Rohlinge und somit eine längere Spieldauer und größere Musikauswahl über Playlisten. Digitale Musikstücke können auf Grund ihrer geringen Größe sehr einfach und schnell weltweit offline über Smartphones, USB-Sticks/-Festplatten sowie online über E-Mail und soziale Netzwerke getauscht werden. Aus diesem Grund ist der Musikmarkt auch messbar vom digitalen Wandel betroffen. CDs sind als Medium für Musik in vielen Bereichen kaum noch tragfähig, viele Kunden sind von dem Verhalten der Musikindustrie maßlos enttäuscht und der Verkauf der digitalen Kopie ohne Zusatzleistungen ist somit nur noch zu geringeren Preisen möglich.

Eine wesentliche Einnahmequelle für Musiker sind daher Livekonzerte. Für diese ist die Bekanntheit der Künstler ein entscheidender Faktor, da so das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage den Ticketpreis und damit die Gesamteinnahmen bestimmt. Durch die größere Reichweite vieler Künstler mit der Verbreitung im Internet sind die Konzerteinnahmen stark gestiegen: 16,6 Mrd. Dollar (2006), 18,1 Mrd. Dollar (2007),  19,4 Mrd. Dollar (2008), 20,8 Mrd. Dollar (2009), 22,2 Mrd. Dollar (2010), 23,5 Mrd. Dollar (2011). Künstler mit großer Reichweite können so jährlich über 100 Mio. Dollar einspielen: U2 – 160 Mio. Dollar, Taylor Swift – 126 Mio. Dollar, Lady Gaga – 109 Mio. Dollar.

Neue Geschäftsmodelle, die vom digitalen Wandel profitieren:

  • Musikportal: Jamendo mit 800.000 Nutzern und 35.000 Alben von über 19.000 Musikern (Finanzierung: Plattform: Werbung – Inhalte: Social Payment)
  • Internetradio Last.fm mit 80 Mio. Werken, 7 Mio. für Internetradio zum Streaming, 150.000 kostenlose MP3-Downloads (Finanzierung: Werbung, werbefreie Abonnements mit Extra-Diensten, Verkauf von CDs, Downloads und Konzertkarten)
  • Streaming-Portale: Spotify, Simfy (Finanzierung: Flatrate-Gebühr und Werbung)
  • Musik- und Merchandise-Direktverkauf: Bandcamp (Finanzierung: Downloadverkauf und Social Payment)
  • Die erfolgreiche CC-Musikerin Zoe.Leela (Finanzierung: Social Payment und Verkauf von Kopien von CC-Werken in Online-Musikportalen)
  • Kickstarter-finanzierte Public-Domain-Aufnahmen älterer Kompositionen: Musopen, Open Goldberg Variations u. a.
  • Musik- und Informationsportal: Musik klarmachen zum Ändern (Finanzierung: Plattform: ehrenamtliche Arbeit – Inhalte: Social Payment, Crowdfunding)

Film/TV:

Kinofilme finanzieren sich zum Großteil über den Ticketverkauf im Kino, so spielte z. B. „Avatar“ mit Produktionskosten von 237 Mio. Dollar im Kino mehr als das Zehnfache ein (2,78 Mrd. Dollar). Hinzu kommen die Einnahmen durch die Verkäufe von DVD- und Blu-Ray-Sammelboxen und der Verkauf der TV-Rechte (Finanzierung: Verkauf knapper Güter, Kinokarten, Sammelboxen; Fernsehwerbung). Serien finanzieren sich zum überwiegenden Teil über Fernsehwerbung und zunehmend auch über den Verkauf von DVD-/Blu-Ray-Sammelboxen (Finanzierung: Fernsehwerbung, Verkauf knapper Güter).

Neue Geschäftsmodelle, die vom digitalen Wandel profitieren:

Software:

Software finanziert sich überwiegend über konkrete Auftragsarbeiten und Supportverträge mit Unternehmen. Bereiche, die nicht von Unternehmen oder nur unzureichend abgedeckt werden, profitieren häufig von sehr großem ehrenamtlichen Engagement versierter Softwareentwickler, die freie Software bis zum offenen Source-Code und meist auf offenen Standard-Dateiformaten aufbauend entwickeln.

Neue Geschäftsmodelle, die vom digitalen Wandel profitieren:

  • Betriebssysteme: Linux, z. B. Ubuntu (Finanzierung: ehrenamtliche Arbeit und Merchandise-Artikel)
  • Office: Libre Office, Open Office (Finanzierung: ehrenamtliche Arbeit und Social Payment)
  • Grafik/Bildbearbeitung: GIMP (Finanzierung: ehrenamtliche Arbeit und Social Payment)
  • Video: VLC Media Player (Finanzierung: ehrenamtliche Arbeit)
  • Internet-Software: Browser wie Firefox , E-Mail-Clients wie Thunderbird (Finanzierung: Werbung und Einbindung von Suchmaschinen)
  • Datenbanken: MySQL (Finanzierung: kommerzielles Dual-Licensing und Support)
  • Social-Network-Plattformen: Twitter, Facebook, XING (Finanzierung: Werbung, Freemium)
  • Online-Bildergalerie-Software: Flickr, Picasa (Finanzierung: Werbung, Freemium)
  • Content-Management-Systeme (Blog-Software): WordPress, Drupal (Finanzierung: Social Payment, Freemium)

Videospiele:

Videospiele finanzieren sich zu einem wesentlichen Teil über den Verkauf von CD-/DVD-/Blu-Ray-Sammelboxen und Merchandise-Artikeln wie T-Shirts, Spielfiguren, Karten und Lösungsbücher. Mit der Videospielkonsole Ouya , welche das bisher erfolgreichste Kickstarter-Projekt darstellt und statt erhoffter 950.000 Dollar sogar über 8,5 Mio. Dollar erzielte, soll ein neuer Weg für Konsolenspiele beschritten werden. Der Hersteller setzt auf ein freies Betriebssystem (Android 4.0), bietet ein freies Software Development Kit (SDK) an und verlangt keine Bewerbungsverfahren oder Gebühren von Entwicklern. Zudem sollen alle Spiele eine frei spielbare Basisversion enthalten.

Neue Geschäftsmodelle, die vom digitalen Wandel profitieren:

  • „Double Fine Adventure“ (Finanzierung: Crowdfunding)
  • „Wasteland 2“ (Finanzierung: Crowdfunding)
  • „Shadowrun Returns“ (Finanzierung: Crowdfunding)
  • „Pay what you want“-Modelle von zunehmenden Indie-Bundles, wobei es jedem selbst überlassen ist, auch nur Centbeträge zu zahlen. Das neue „Humble Indie Bundle“ scheint mit 5 Mio. Dollar erneut Rekorde zu brechen.
  • Self-Publishing mittels Digital Distribution auf Plattformen wie Steam oder Good Old Games, wo etwa 70 Prozent der Einnahmen direkt an den Entwickler gehen. Beispiele für erfolgreiche Indie-Spiele: Terraria, Torchlight (über eine Million Verkäufe), Dear Esther, Legend of Grimrock, Super Meat Boy. Auch viele Studios mittlerer Größe wie Double Fine, Tripwire Interactive, das schwedische Frictional Games oder das finnische Remedy Entertainment publizieren inzwischen auch selbst. Die Finanzierung ist teilweise möglich durch Einrichtungen wie den „Indie Fund“.
  • „Minecraft“ (Finanzierung: DRM-freie Independent-Direktvermarktung)
  • „Free to play“-Geschäftsmodelle, die auch zunehmend von großen Publishern und Entwicklerstudios wie SONY Online Entertainment, Crytek oder auch Electronic Arts aufgegriffen werden. Dabei ist das Produkt kostenlos spielbar, kleine Zusatzinhalte oder Vorteile im Spiel müssen jedoch bezahlt werden (Finanzierung: Microtransactions und Werbung). Beispiele dafür:
  • Werbebasiertes Spielen, auch in diesem Bereich sind Projekte erfolgreich, z. B. GamersGate Void, dabei wird vor dem Spielen ein Werbespot präsentiert. Andere Spiele wie Arthoria schalten während des Spiels Werbung (Finanzierung: Werbung).
  • Werbefinanzierte Online-Lösungen wie spieletipps.de oder komplettloesung.de (Finanzierung: Werbung)

AG Urheberrecht unter Federführung von René Heinig

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Kommentare

22 Kommentare zu Neue Geschäftsmodelle für Künstler im digitalen Zeitalter

  1. Anonymous schrieb am

    Software: weiteres „Pay-what-you-want“ Geschäft das dadurch erst entstand:

    http://www.losttype.com/

    „The Lost Type Co-Op is a Pay-What-You-Want Type foundry, the first of its kind.
    The Lost Type Co-op is a collaboration between Tyler Galpin and Riley Cran. It was founded with the intention of providing unique and quality fonts based on a pay-what-you-want model. All designers get 100% of the donations their font receives.“

    Vllt. ein guter Punkt zusätzlich, da viele Designer Sorge tragen könnten ob solche Modelle funktionieren. Es betrifft ja nicht nur Künstler und Musiker.

  2. BGEler schrieb am

    Werbefinanziert ? Das Internet ist schon jetzt viel zu werbe verseucht, zumal man mit Werbung im Netz kaum etwas verdient. Wie wäre es mit Grundeinkommen, dann kann sich jeder Künstler frei vom kommerziellen Verwertungszwang selbst entfalten anstatt sich andauernd selbst vermarkten zu müssen.

    • Annonymus26 schrieb am

      Ein Ad-Block hilft und warum darf keiner was durch Werbung finanzieren.? ^^
      Wenn man nichts mit Werbung verdienen würde, würde es keine keine Werbung geben.
      Deshalb Totschlag-Argument.

      • Chris schrieb am

        Ganz einfach:
        1. Werbung ist eine unnötige Verschwendung von Resourcen, Energie, Geld, Arbeitsleistung, Rechenleistung, Bandbreite, … (aus volkswirtschaftlicher und umweltpolitischer sowie „gesamtgesellschaftlicher“ Sicht)
        2. Werbung ist ein Mittel, um Medien zu beeinflussen (Abhängigkeit von Werbeverträgen)
        3. Werbung ist manipulativ – Manipulation von Menschen dürfen wir nicht dulden!
        4. Betrifft größtenteils digitale Dienste: Die Werbeindustrie sammelt gigantische Datenmengen über freie Bürger – das steht im Konflikt mit der persönlichen Freiheit des einzelnen bzw. seines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung

  3. Stephan schrieb am

    Eine Liste von alternativen Geschäftsmodellen plus Beispielen. Sehr schön. Besser als imemr nur neues Urherberrecht zu sagen.

    Zwei Kleine Anmerkungen:
    – Chaosradio Express heit nur noch CRE um sich vom CCC abzugrenzen.
    – Ubuntu als Beispiel ist entwas unpassend, da es seit dem Start zum größten Teil immernoch vom Millionär und Gründer Mark Shuttleworth finanziert wird.

  4. Archi schrieb am

    Ich sags mal kurz

    Viele Wähler der Piraten sind noch sehr jung,
    manche älter, wollen nur Veränderungen.

    Der Artikel ist zu lang und zu unübersichtlich.
    Wirklich sehr gut,
    aber nicht für die Allgemeinheit.

    Ich glaube nicht, dass sie diesen Artikel verstehen.
    Ich glaube auch nicht, dass sie alle Links anklicken.

    Sie wollen nur eines wissen _
    Was darf ich in Zukunft, wie und womit.

    Er ist überqualifiziert für das Publikum hier.

    • urxvt schrieb am

      Nicht alle Leser sind blöd …
      Der Artikel ist übersichtlich und sehr informativ.
      > Sie wollen nur eines wissen:
      > Was darf ich in Zukunft, wie und womit.
      Demokratie erfordert, dass die Wähler in die Lage versetzt werden, politische Entscheidungen
      zu bewerten und zu verstehen. Ich glaube, besonders die Wähler der Piratenpartei wollen nicht ständig
      entmündigt werden – jedenfalls setzt sich die Piratenpartei stark für aktive Mitwirkung ein.

  5. Anonymous schrieb am

    Unsaubere Recherche, fürchte ich. Natürlich kann man noch mehr schrottige eBooks auf den Markt werfen, ein Lektor verhindert sowas aber. Kostet auch ein paar tausend Euro, die vorfinanziert werden müssen, genau wie der Grafiker für das tolle Titelbild, ohne das meist niemand ein Werk ansieht.

    Daneben wird einfach dem Urheber aufgebürdet, auch noch Kompetenz in Verkauf und anderen Bereichen erwerben zu müssen, nur damit der Konsument besseren Zugang erhält.
    Von der immer noch ungeklärten Behandlung der rechte ausländischer Künstler mal ganz zu reden…

    • Dex schrieb am

      Das Ding ist aber, dass es z.B. in den USA und zunehmend in der UK usw. bereits sehr gut klappt, hier ist eine Liste von über 200 Autoren die bereits jetzt mehr als 50.000 Bücher Digital verkauft haben, etwa 40 davon sogar über 200.000 Bücher, und das sind sicherlich nicht mal alle, nur die bekanntesten:
      Im Vergleich zu den Altmodischen Verwerten kriegen Sie dann auch noch teilweise 70% der Erlöse aus dem Verkauf ihrer Bücher selbst, während sich Kunden über einen niedrigen Preis erfreuen.

      Und in den US stellen 25-30% aller Buchverkäufe bereits jetzt eBooks dar, bis 2016 wird über 50% vorgesagt.
      Mag sein dass das mit dem Wachstum evtl. in Deutschland langsamer vonstattengeht (ist ja nichts besonderes oder neues hier, im Moment dümpelt Deutschland etwa auf dem Level von 2009 in den USA vor sich her, und mit so wundertollen Gesetzen wie der Buchpreisbindung wird sich das auch nur langsam ändern), deswegen sollte man sich den Weg nicht verbauen mit Gesetzen und Vorschriften, die vor allem die Verwerter stärken und den Autoren nicht zugutekommen.

      Laut Amazon gibt es jetzt bereits schon mehr als 1000 Autoren, die allesamt mehr als 1000 Bücher im Monat Digital verkaufen, und das wird sich sehr wahrscheinlich nur weiter rasant positiv ändern, Ungleich wie sehr sich alte Verlage und Verwerter dessen erwehren wollen.

      • Camo schrieb am

        Die 70% gibt auch Amazon nicht immer raus, nür bei Büchern, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine davon ist ein Preis zwischen $2,99 und $9,99. Erfüllt ein Buch diese Voraussetzungen nicht, erhält man nur 35%. Warum das so eingeschränkt ist, darf sich jeder selbst überlegen. Dazu kommt aber noch, dass der Preis für diese höheren Tantiemen nicht gerade niedrig ist. All das, was normalerweise ein Verlag macht, muss der Verfasser nun selber tun. Lektorat beauftragen, Werbung und im Endeffekt das direkte Ansprechen jeder einzelnen Buchhandlung und das Verhandeln darüber, ob das Buch ins Programm aufgenommen wird. Das erledigt Amazon nämlich nicht. Sie drucken nur und versenden. Dafür nehmen sie dann 30-65% der Verkaufspreises. Der Verlag nimmt mehr, leistet aber auch eine ganze Menge mehr. Aber das fällt bei den Vergleichen immer gerne unter den Tisch, zumal man dann nicht mehr die Verwerter generell so verteufeln kann.

        Und ja, einige Autoren haben mit digitalen Verkäufen viel verkauft. Wurde nie abgestritten. Das sind aber Ausnahmen oder bereits bekannte Namen. Die Gegenbeispiele, wo das nicht klappte, sind von der Anzahl um ein Vielfaches höher. Und das liegt nur zum Teil an der schlechten Qualität. Self-Publishing ist ein recht weites Feld, das zum Teil recht starke Kritik einstecken muss, die aber berechtigt ist. Hat gute Seiten, sicher, es gibt auch Perlen darunter, aber kombiniert mit dem (ebenfalls gern unterschlagenen) Geschäft mit gekauften Bewertungen wird das Finden dieser Perlen immer schwerer und der Bodensatz ist das, was primär wahrgenommen wird. Kann man mit Werbung gegensteuern, aber Zeit für Werbung geht von der Zeit ab, in der man das nächste Werk schreibt. Je mehr der Aufgaben beim Verkauf der Verfasser selber erledigt oder erledigen muss, desto weniger Zeit bleibt für Kreativität. Interessanterweise wird der Teil der Gleichung entweder nicht wahrgenommen oder verdrängt, weil er nicht ins Bild passt.

  6. Matthias Ulmer schrieb am

    Die Liste der zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten ist gut, kreativ und für viele sicher in dieser Form auch neu und anregend. Im Kern geht es aber um das Ablösen der normalen Finanzierung durch andere Finanzierungswege. Und dabei werden zwei grundsätzliche Ziele verfolgt: Inhalte sollen frei verteilt werden (deshalb benötigt man ja auch alternative Finanzierungen) und eine Umverteilung von Verwerter auf Autor soll erzwungen werden. Beide Ansätze sind natürlich das Gegenteil von liberal, sie sind Eingriffe in die Grundfreiheit. Und auch Ihre Vorschläge sind weit von liberalen Konzepten entfernt:
    Eingriff in die Organisation der Verwertungsgesellschaften, Einschränkung der Vertragsfreiheit von Urhebern und Verwertern, Eingriff in die Verhandlung von Lizenzgebühren, Eingriff in die Verhandlung der Verteilungsschlüssel, Erstellung staatlicher Lehr- und Lernmittel, direkte öffentliche Steuer-Finanzierung, Stipendien, Förderpreise, Subventionsinstrumente. Das alles ist das klassische Instrumentarium des reglementierenden, ausufernden Fürsorgestaats.
    Dabei wollen das was Sie anbieten heute weder die Verwerter noch die Urheber, sondern nur manche Konsumenten. Die staatliche Reglementierung der Produktionssphäre zur geplanten Versorgung der Konsumenten ist auch nicht liberal, nicht wirklich. Das ist tiefe Vergangenheit, die sich weder als innovativ noch als nachhaltig oder wohlstandsfördernd erwiesen hat. Gut, die Ideen klangen immer schön und edel. Aber ein Blick auf die Ergebnisse ist uns heute ja möglich. Dabei muss man nicht einmal nach Nordkorea fahren.

    • LordSnow schrieb am

      „Im Kern geht es aber um das Ablösen der normalen Finanzierung durch andere Finanzierungswege.“

      Nein, geht es nicht, bitte den Text nochmal genau lesen!

      Die letzten 10-15 Jahre Digitale Revolution haben gezeigt, dass viele „alte“ Geschäftsmodelle mit leichten Anpassungen haltbar sind, die Menschen wollen eben nicht nur eine Datei auf der Festplatte, sondern auch Erlebnis und volle Regale mit optisch schön aufbereiteten physischen Werken. Dazu kommen noch neue Modelle, die auch mittlerweile alles andere als ein Nieschendasein fristen, siehe diverse Millionenprojekte bei kickstarter. Deutschland hängt der Entwicklung noch hinter, vor allem die deutschen Verwerter, die lieber statt kreativ in der Vermarktung zu sein bei der Politik auf neue und umfassendere Verbote hinwirken, so dass die Menschen ihre Kopiergeräte nicht mehr nutzen dürfen. Um das durchzusetzen soll dann sämtliche Kommunikation überwacht und gefiltert werden.

      Liberal ist der Versuch mit so wenigen Verboten, wie möglich auszukommen, und nicht das Privatleben aller Menschen zu überwachen und regulieren, damit irgendwelche Wirtschaftsunternehmen evtl. mehr Geld verdienen.

      Viele Grüße
      René

      • Thomas Elbel schrieb am

        Lieber René,
        das Problem ist, dass das Postulat einer „Veredelung“ der Analogprodukte (also z.B. das aufwändig gestaltete Papierbuch) wieder die kleinen und Debütanten unter den Tisch fallen lässt. Denn da so eine veredelte Variante selbstverständlich auch höhere Produktionskosten zur Folge hat, wird sie von den Verwertern aus ökonomischen Gründen (und nicht etwa aus Bosheit) vorrangig auf die Zugpferde angewandt werden. Eine solche Umwertung fördert also die Bestsellerautoren und tritt den Anfängern in den Hintern.
        Beste Grüße, Thomas

        • Rene schrieb am

          Lieber Thomas,

          wenn du einen Blick auf die Daten der Künstlersozialkasse wirfst, wirst du feststellen, dass gerade die kleinen unter den Künstler nach 10 Jahren digitalem Wandel besser (statt schlechter!) verdienen, wenn auch trotzdem nicht sehr gut. Deine These ist jedoch im Angesicht der statistischen Daten nicht haltbar: http://www.piratenpartei.de/2012/03/15/analyse-zu-urheberrecht-kunstler-verdienen-deutlich-mehr-als-vor-15-jahren/

          Wenn Newcomer (darum geht es dir primär?), aktiv von den Verwertern gefördert werden sollen müssten die Schutzfristen drastisch gesenkt werden. Denn nur mit kurzen Schutzfristen hätten die Verlage und Labels auch den ständigen Druck neue Künstler und Werke zu fördern, die sie zu Monopolpreisen verkaufen können. Siehe dazu auch die bisher umfassenste wissenschaftliche Analyse von Schutzfristen: http://www.heise.de/tp/artikel/33/33092/1.html oder als 30min Vortrag: http://www.youtube.com/watch?v=yrtV5m5FdFg

          Man darf aber in der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass es Nachwuchskünstler schon immer sehr schwer hatten, also egal wie das Urheberrecht aussah, denn irgendwo liegt es in der Natur der Sache, dass erstmal Reichweite vorhanden sein muss, um diese dann zu Geld zu machen. Der Vorteil heute ist allerdings, dass es neben den Verwertern mit dem Internet noch einen zusätzlichen Weg gibt, um Reichweite zu generieren. Den muss man nicht wählen, man kann auch weiterhin ausschließlich über Verwerter gehen, aber der implizite Zwang ist nicht mehr so hoch wie vor 10-15 Jahren. Und so kommt wohl auch die tendenzielle Steigerung der Einnahmen von Künstlern zustande.

          Viele Grüße
          René

  7. Yuriko Yushimata schrieb am

    Hallo,

    hier eine SciFi-Geschichte von mir zum Thema, leider habe ich nicht ausreichend Ahnung vom Programmieren, aber vielleicht gibt es ja Leute, die dies lesen & .. :)

    Der Text steht unter CC BY SA.

    Er drückt ein bisschen den Ärger aus, über die gesamte Diskussion. Vernachlässigt wird dabei fast immer, dass die weit überwiegende Mehrzahl der Kreativen keine Profis sind und dass gerade diese Kreativen, die kein oder kaum Geld verdienen meist die entscheidenden Neuerung einbringen (Ich verweise da auf die Geschichte der modernen Literatur und Kunst – auf Namen wie Poe, Kafka, Schwitters oder auf van Gogh). Außerdem leisten sie einen Großteil der Basisarbeit zur Verbreiterung der kulturellen Basis. Das Niveau ist dabei im Schnitt weder besser noch schlechter als im professionellen Bereich – oder will hier wirklich eine / einer behaupten der Moewig-Verlag, die Springer Presse, Bertelsmann u.a. würden nur nur lauter literarisch und / oder inhaltlich anspruchsvolle Werke vermarkten.
    Vermarktet werden sowieso keine Werke, sondern AutorInnen die zu Markenprodukten aufgebaut werden, mit Kunst oder Kultur hat das nur am Rande zu tun.
    Da geht es um Geld und nicht um Förderung von Kreativität oder Kultur!

    Für mich als in diesem Sinn Unprofessionelle ist das Internet erst mal vor allem eine Möglichkeit einem letztendlich fast monopolistisch agierenden Verlagskartell auszuweichen und überhaupt Öffentlichkeit zu erreichen Da Verlage heute alle spezialisiert sind und außerdem viele Verlage real Teile des selben Konzerns sind, sind die Publikationsmöglichkeiten für spezifische Genres meist auf wenige Verlage beschränkt. Die entscheiden dann auch nicht primär nach Qualität, sondern danach, ob der Autor / die Autorin gerade eine Lücke in ihrem Sortiment abdecken könnte oder ob einer ihrer Markennamen (AutorInnen) dies schon abdeckt. Im zweiten Fall erfolgt in jedem Fall eine Ablehnung (Kein Verlag macht sich selbst Konkurrenz). Die Ablehnung erfolgt auch automatisch, falls das Genre gerade nicht dem Zeitgeist entspricht.

    Früher führte das dazu, dass die abgelehnten AutorInnen entnervt aufgaben, heute publizieren sie im Internet. Ich würde mich nicht wundern, wenn versucht wird diese unliebsame Konkurrenz demnächst durch weitere Gesetze durch die Hintertür auszuschalten (Vielleicht gibt es demnächst eine Anmeldepflicht für neue Texte vergleichbar dem Saatgutregister mit entsprechenden Gebühren :( ).

    Grüße
    Yuriko Yushimata

    Hier die Kurzgeschichte:

    Mozart ist schon lange tot

    „Das hat doch nichts mit Kunst zu tun.“
    „Ach, und – meinst Du die Schlagerparade ist ein Ausdruck künstlerischer Hochleistungen?“
    „Damit kommt Ihr nicht durch.“
    „Zumindest wird es schwierig werden, danach das jetzige Urheberrecht aufrecht zu erhalten.“
    Raila schob ihren Freund genervt bei Seite, sie hätte Martti nichts von dem Plan erzählen sollen. Doch sie arbeitete jetzt schon mehrere Monate in der Gruppe Tahvo Turunen, einer den Piraten nahe stehenden Gruppe, benannt nach einem Studenten, der auf Grund von Musikdownloads zu 2,5 Jahren Haft verurteilt worden war.
    Und nun standen sie kurz vor ihrem Ziel.

    Sie hatten ein Programm entwickelt, das alle im Rahmen der in der europäischen Musik üblichen Tonabfolgen und der bekannten Tonleitern überhaupt möglichen Musikstücke von 1 Minute Länge bei normalem Schlagertempo automatisch generierte. Dabei hatten sie die bekannten Zusammenhänge zwischen Mathematik und Musik genutzt. Nur 12-Ton-Musik und einige Sonderfälle hatten sie nicht berücksichtigt.
    Sorgsam achteten sie darauf, ihre Tätigkeit nach außen zu verbergen.

    Danach hatten sie alle bereits unter Urheberrecht stehenden Stücke aussortiert – das war die größte Arbeit gewesen, und sie hatten Rechtsmittel gegen die Gesellschaft, die die Urheberrechtsinteressen der Konzerne vertrat, nutzen müssen, um die entsprechenden Auskünfte zu erhalten.
    Nun war das Programm seit mehren Wochen dabei, alle verbliebenen 1 minütigen Stücke in elektronische Musikstücke umzuwandeln und abzuspeichern einschließlich elektronischem Notenblatt und automatisierter Vergabe eines Musiktitels. Dank Cloud-Computing hatten sie ausreichend Rechenleistung akquirieren können.

    Heute um 0.00 Uhr würden sie alle diese Musikstücke im Internet veröffentlichen und alle diese Stücke unter Creative Commons Lizenz stellen (CC BY SA).
    Die Gesellschaft, die die Urheberrechtsinteressen der Konzerne vertrat, würde eine vollständige Version auf einer Festplatte erhalten zusammen mit Androhung rechtlicher Schritte bei Lizenzverstößen.

    Wer auch immer zukünftig neue europäische Musik veröffentlichen wollte, würde, solange er nicht auf Stockhausen stand, Teile dieses unter Creative Commons publizierten Repertoires verwenden müssen und damit gesetzlich verpflichtet sein, die Musik unter der selben Lizenz zu veröffentlichen.

    Heute um 0.00 Uhr war das Datum für das Ende des Urheberrechts für jedwedes in Rahmen der in Europa üblichen Tonleitern mögliche neue Musikstück.

    FIN

    PS: Eventuell reicht auch eine Stücklänge unter 1 Minute?

    Um CC durchzusetzen müssten ja nicht alle möglichen Stücke vorab unter CC stehen, sondern es müsste nur, in allen möglichen Stücken ein Urheberrecht relevanter Anteil vorhanden sein, der unter CC Lizenz steht. Da dieser Anteil in Gerichtsverfahren zum Teil sehr niedrig angesetzt wurde, müsste dies ja auch für Creative Commons Anteile und die entsprechenden Lizenzierungspflichten für das gesamte Musikstück genauso gelten.

    Die juristische Auseinandersetzungen, die vermutlich folgen würden, dürften die Absurditäten des Urheberrechts aufzeigen, selbst wenn sie zu Gunsten der Konzerne entschieden würden.
    Zwar könnten die Gerichte hier argumentieren, dass die notwendige Schöpfungshöhe, selbst die sogenannte ‚Kleine Münze‘, nicht erreicht ist, dies würde dann aber dauerhaft für alle diese Kurzstücke gelten und sie alle dauerhaft vom Urheberrecht freistellen.

    Dieses Argument würde natürlich eher für Stücke von mindestens 1 Minute sprechen, falls dies vom Rechenaufwand leistbar ist.

    Zumindest würde es lustig werden.

    • Thomas Elbel schrieb am

      Yuriko. Ich verstehe nicht, wie Du darauf kommst, die Gegner des freien Filesharings wollten Dir das Internet als Veröffentlichungsplattform wegnehmen. Das eine hat doch mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.
      Außerdem kannst Du in Amerika sehen, dass das Gegenteil der Fall ist. Verlage nutzen das Internet um gute Autoren zu finden, die ihnen im normalen Aussiebungsprozess (der notwendigerweise unzureichend und ungerecht ist) durch die Lappen gegangen sind. Siehe Amanda Hocking.

    • Camo schrieb am

      Auch hier ist zu beobachten, was ein sehr starker Trend in der Debatte zu sein scheint. Es geht primär um Musik. Mit der Veröffentlichung aller möglichen Musikstücke kommt „das Ende des Urheberrechts“. Eine irgendwie bedeutsame Aussage, zumal gern mit dem „Recht auf Zugang zum Wissen“ argumentiert wird. Dabei geht es nur um die Forderung nach Unterhaltung für lau, weswegen die Produzenten besagter Unterhaltung doch bitte sich mehr anstrengen sollen, damit der Konsument es um so bequemer hat, das Resultat der Arbeit auch noch umsonst erhalten zu können. Wie mir mal gesagt wurde, ist es ja viel zu kompliziert, bezahlen zu müssen, deswegen wird so viel getauscht.

  8. moody schrieb am

    Blicken wir mal in die Vergangenheit zurück. Da war es bei vielen absolut üblich, von einer LP eine Kassettenkopie zu erstellen und diese vielleicht auch seiner Freundin zu schenken. Vermutlich haben das seinerzeit auch alle heute leitenden Funktionen und Anwälte der sog. Musikverwerter getan und selbstverständlich für rechtens erachtet.
    Durch die heutigen Technologien ist der Missbrauch sehr viel einfacher und muss unterbunden werden, aber die Verhältnismässigkeit darf dabei nicht ausser acht gelassen werden.

    Das bisherige Urheberrecht hat überlebt und muss den aktuellen Technologien angepasst werden. Die Piratenpartei geht hier sehr moderne Wege, die Denkweise ist absolut korrekt.

    Ich empfehle für alle Interessierte als Lektüre das – unter Creative Commons Lizenz – verfügbare Buch von Prof. Lawrence Lessig – Free Culture (http://free-culture.cc/freecontent/).

  9. rodrigo schrieb am

    Gott, seid ihr alle dämlich. Es gibt keine ‚alternativen Geschäftmodelle‘, es gibt nur funktionierende und nicht funktionierende. Die funktionierenden bedingen, dass man für das, was man konsumiert, auch was bezahlt. Alles andere ist bullshit, bleibt bullshit. Ich werde erst wieder über so etwas nachdenken, wenn ich einen Großteil dessen, was ich in meinem alltäglichen Leben so brauche, auch über ‚alternative Geschäftsmodelle‘ ( = ich muss nix dafür zahlen ) bekommen kann Bis dahin – träumt weiter…aber bitte verschont die ohnehin schon armen Künstler mit Eurem Unsinn! Die haben es auch ohne euch nämlich schon schwer genug.

  10. Anonymous schrieb am

    Abgesehen davon, dass viele der sog. neuen Geschäftsmodelle gar nicht neu sind (was soll an Live-Auftritten neu sein?) benötigen auch diese Geschäftsmodelle ein starkes Urheberrecht. Denn wie soll z.B. ein Autor seine E-Books selbst vermarkten, direkt an Endkunden verkaufen, wenn diesen das Kopieren und weiter verbreiten von E-Books erlaubt wäre?

  11. Veit schrieb am

    Ich hoffe, dass sich die Socialpayment-Kultur weiter entwickelt, die noch in den Kinderschuhen steckt. Viele, die freiwillig ihrem Künstler in Form von Geld etwas zurückgeben könnten, tun es heute nicht; vermutlich, weil sie gewohnt sind, über die alten Vertriebswege zu zahlen und die neuen, u. a. die des Socialpayments, noch nicht sonderlich bekannt, geschweige denn etabliert sind. Ich weise auf die Möglichkeit, seinem freien Künstler etwas zu bezahlen, in der letzten Strophe folgenden Gedichts hin: http://gedichtbandlose-lyrik.de/urheberschafft

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