Gerichtsurteil verhindert freien Zugang zu Bildung

Bild: Tobias M. Eckrich

Die Piratenpartei verurteilt das aktuelle Urteil des OLG Stuttgart vom 4.4.2012 zum Thema Kopieren digitaler Daten zu Lehrzwecken auf das Schärfste. Dieses Urteil untersagt der Fernuniversität Hagen, Teile eines Lehrbuches zum Zwecke der Vermittlung von Lehrinhalten einer abgeschlossenen Gruppe von Studierenden zur digitalen Weiterverarbeitung verfügbar zu machen. Damit wird dem Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland ein erheblicher Schaden zugefügt.

Das Urteil ist ein Beispiel für die restriktive und entwicklungshemmende Auslegung von urheberrechtlich übertragenen Auswertungsrechten. Das Interesse der Allgemeinheit an Bildungsgütern hat Vorrang gegenüber wirtschaftlichen Partikularinteressen von Verlegern. Bildungsgüter dienen als Multiplikator von Wissen, Wirtschaft, Innovation und Kreativität und damit dem Allgemeinwohl der Gesellschaft.

»Wer an Bildung spart, spart an unserer Zukunft. Wir fordern die Mediennutzung bzw. die Lernmittelnutzung von Urheberrechtsabgaben zu befreien, um Bildungsmaterialien für jeden unkompliziert und einfach zugänglich gestalten zu können«, so Daniel Neumann, einer der federführenden Antragssteller der Urheberrechtsreform der Piratenpartei. Der Urheberrechtsbeauftragte Bruno Kramm der Piratenpartei ergänzt »Die seit Wochen selektiv und tendenziös geführte Debatte um Urheberrechte in der Unterhaltungsindustrie muss dringend ihre Verbreiterung in die Bereiche Bildung und Forschung finden, denn die freie Teilhabe an Wissen und Informationen muss primärer Fokus deutscher Bildungspolitik sein.«

Der §52a des UrhG (Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte) sollte ursprünglich jene Möglichkeit der Verfügbarkeit von Werken zu Unterrichtszwecken erweitern, wurde jedoch dann in seiner Intention durch die gezielte Lobbyarbeit der Verleger in den Rechtsausschüssen weitreichend geschwächt.

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Kommentare

74 Kommentare zu Gerichtsurteil verhindert freien Zugang zu Bildung

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  1. igor schrieb am

    Ein Verlag darf doch erwarten, dass für die Verwendung ihrer Werke bezahlt wird. Wenn die Herstellung von Lehrbüchern für die Verlage zum Verlustgeschäft wird, dann führt das mittelfristig doch nur dazu, dass bald kaum noch vernünftige Lehrbücher produziert werden, ganz gleich ob digital oder als gedrucktes Buch.

    • Itari schrieb am

      ist das nicht mit der Urheberrechtsabgabe auf digitale Medien und Geräte bereits beglichen? wofür zahlt man die sonst noch?

      • Sascha Zumbusch schrieb am

        Nein, dem ist NICHT so. Die urheberrechtlichen Abgaben werden von den Verwertungsgesellschaften eingesammelt und dann an die Mitglieder (in diesem Falle die Autoren) ausgeschüttet. Dies dient dazu, das zusätzliche Verwertungen von Inhalten nicht komplett am Urheber vorbeigehen.
        Die Verlage erhalten Vergütungen für DIESES EINE produzierte Werk (Buch). Wenn also aus dieser Produktion (Buch) kopiert wird, wird der Verlag geschädigt, der dem Autor für die Verwendung des geistigen Eigentums (Inhalt des Buches) ein Honorar in Form von Vorschuss und verrechenbare Tantiemen an den Buchverkäufen bezahlt hat.
        Man muss immer unterscheiden zwischen Urheberrecht (Autor, geistiges Eigentum, Inhalt) und Leistungsschutzrecht (Verlag, produzierter Ausdruck des Inhalts, Buch, Datenträger).
        Also: Kopierabgabe -> Autor, Buchpreis -> Verlag

    • Alex aka "IceFighter" schrieb am

      @Igor

      Hierbei geht es nicht um Gedruckte Lehrbücher sondern um deren Texte auf Medienträgern (z.B. als pdf).
      Es kann nicht sein, das Dateien, die ohne Aufwand und Kosten millionenfach dupliziert werden können auch noch Geld Kosten. Für Bücher ist es etwas anderes, da hier Arbeits- sowie Materialaufwand entsteht der für den Herstellenden Kosten verursacht.

      • igor schrieb am

        Hallo Alex, das war mir klar, dass es um digitale Güter geht, aber der initiale Aufwand, die Abstimmung, das Schreiben, Layouten und Designen, Korrekturlesen, Werbung und Vermarktung (irgendwie muss ja die Öffentlichkeit von der Existenz der Publikation überhaupt erfahren), all diese Arbeiten bleiben auch bei digitalen Lehrbüchern gleich. Auch diese Arbeit muss bezahlt werden. Natürlich kann man PDFs günstiger anbieten, weil man Druckkosten und Logistik spart, aber ganz umsonst kann man es nicht erwarten, da Autoren, Co-Autoren, Designer, Lektorate, Dolmetscher und andere Beteiligte selbstverständlich auch Geld zum Leben brauchen.

        • Ulrike schrieb am

          Interessanterweise sind aber PDFs wie Kapitel aus wissenschaftlicher Literatur nicht billiger! Ganz im Gegenteil, es werden dafür z.T. exorbitante Preise verlangt!

          • Volker Ben schrieb am

            Wie schön, dass ein Vertreter der Piratenpartei „davon ausgeht“, dass eine Ersterwerbung stattfand. Sie gehen doch auch sonst von nichts als gegeben aus, warum hier? Außerdem: Wie sollen Autoren und auch Verleger noch in die Lage versetzt werden, Publikationen zu erstellen und (gerade bei wissenschaftlichen Werken) weiter zu überarbeiten, wenn Sie nicht angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden. Wissen fällt weder vom Himmel, noch wird es in überprüfbarer und zuverlässiger Weise durch Communities „erzeugt“. Selbst wenn das Engagement von Communities zur Veröffentlichung von Werken (welcher Art auch immer) führt, was ja durch Wikipedia eindrucksvoll belegt wird, so ist dass doch ein Ergebnis erheblicher Investitionen der Gesellschaft in die Schaffung der Wissensbasis.
            Und die Wikipedia-Autoren können diesen von der Gesellschaft bezahlten Wissenserwerb nur deshalb kostenfrei weitergeben, weil sie diese Arbeit nur nebenbei als Hobby, zur Selbstverwirklichung etc. leisten. Finde ich toll und ist ab und an mal möglich – aber wohl kaum ein tragfähiges Modell für die Gesamtgesellschaft.

            Generell ist die Stellungnahme der Piratenpartei zum Gerichtsurteil mal wieder von Unwissenheit und völlig mangelndem Durchdringen einer wichtigen Problemstellung geprägt.

        • Daniel Neumann schrieb am

          @igor

          Wir gehen natürlich von der regulären Anschaffung der Bücher, die von Schulbuchverlagen produziert werden etc., durch die Bildungseinrichtungen und ggf. (je nach Bereich) durch die Lernenden aus.

          Literatur muss zudem regelmäßig erneuert, neu aufgelegt oder komplett neu verfasst werden – insofern werden dort regelmäßige Ersterwerbungen ohnehin weiter stattfinden.

          Grüßle Daniel „DanielSan“ Neumann
          (@The_DanielSan) – danielsan@piratenpartei-nrw.de
          Urheber und Verfasser des Bundesprogramms zum Urheberrecht der Piratenpartei Deutschland

      • Alex aka "IceFighter schrieb am

        Nochmal hallo Igor.

        Klar, diese Kosten nimmt den Unternehmen keiner. Und Lehrbücher werden auch weiterhin in Buchform hergestellt und verkauft. Gerade Schulen werden diese noch eine ganze Weile nutzen.
        Jedoch bedenke die Situation eines Studenten, der, selbst wenn er einen Nebenjob hat (was auch nur dann geht, wenn die Vorlesungen nicht so deppert fallen, dass man keinem nachgehen kann) er nicht wirklich viel Geld hat.
        Verlangst du nun für einen Download, so wie er Momentan ist, das gleiche Geld wie für ein Buch, finde ich es nicht gerecht. Schließlich bleiben die Kosten beim Downloader hängen, wenn er sich das auf Papier druckt und nicht beim Verlag. Der hat dafür nur einmal die Kosten und dann klingeln beim denen nur noch die Kassen, da sie außer der Bereitstellung des Downloads auf irgendwelchen Servern keine Kosten haben.
        Immo gehört das geregelt. Ich sehe es nach wie vor nicht ein, für ein Lehrbuch 70 Euro hinzublättern und für einen Downlaod das selbe zu zahlen.

        • igor schrieb am

          Da bin ich ganz bei Dir. Auch ich finde nicht, dass ein PDF das gleiche kosten sollte wie ein gedrucktes Buch. Das hatte ich ja auch geschrieben. Ich sage nur: „ganz umsonst kann es nicht sein“. Ich glaube auch nicht, dass Verlage für digitale Versionen die gleichen Preise fordern würden wie für die gebundene Ausgabe. Das geht auch aus dem Artikel nirgends hervor.

    • Tobias schrieb am

      Hier sagen sie, dass wir die deutsche Forschung und Bildung zugunsten der Interessen der Verleger ruinieren sollen.

      Vor ein paar Monaten haben Sprecher der Amerikanischen Verlage ausgesagt, dass die für den Fortbestand der Verlagsindustrie nötigen Forderungen die gesamte Volkswirtschaft ruinieren können. Und das dies so sein sollt.

      Erst letzte Woche hat der Vorsitzende der Amerikanischen Autorengilde ausgesagt, dass Autoren bereit sein müssen um Verleger und Buchhändler vor der Konkurrenz durch Direktverleger zu schützen.

      Persönlich sehe ich das bestehende Verlagssystem nicht als wichtigstes Bestandteil der Menschlichen Zivilisation. Wenn die Verlage nur mit derartig abstrusen Forderungen weiterexistieren können, sollten sie durch neue ersetzt werden.

  2. Realist schrieb am

    Ein Grund warum ich in der Schweiz studiere, hier bekomme ich alle notwendigen Texte Digital zur Verfügung gestellt. An vielen Deutschen UNIs müsste ich mir diese kaufen oder ewig auf ein vergriffenes Exemplar in der Bibliothek warten.

    Das heutige Urheberrecht in Deutschland ist in hohem Maße Bildungsverhindernd da es den Zugriff auf wichtige Informationen nicht gestattet.

    • sepp schrieb am

      Vergleich mit anderen Ländern finde ich gut damit der normale Bürger mal kapiert das es woanders sehr wohl funktioniert mit dem freien Zugang zu wissen. Viele Leute glauben nämlich ernsthaft alles was uns aufgetischt wird und das es der einzige Weg ist.

    • Arnold Buntin schrieb am

      Wenn man sich denn das Leben in der Schweiz leisten kann…
      Außerdem vergessen: In der Schweiz werden Studiengebühren zwischen 500 und 2000 Franken erhoben. Teilweise werden auch Kosten für Ausländer erhoben. Der Spitzenwert liegt dann bei 4000 Franken. beruufsberatung.ch veranschlagt die Kosten für ein Jahr Studium in der Schweiz auf 17.000 bis 28.000 Franken. Darin enthalten sind die Studiengebühren, erorderliche Versicherungen und Lebenshaltungskosten.
      Ich glaube da rechnen sich eher die Kosten für Bücher und Downloads.

  3. agtrier schrieb am

    Mal sehen, wann die ersten Klagen auch gegen die Lehrmittelapparate in den Universitäten kommen. Ich tippe auf: „bald“, wer hält dagegen?

    ag.

  4. Vik1ng schrieb am

    „Ein Verlag darf doch erwarten, dass für die Verwendung ihrer Werke bezahlt wird“
    Das Problem ist jedoch, dass Verlage die Situation von Schülern und Studenten ausnutzen, diese sind nämlich oft gezwungen sich ein bestimmtes Werk zu beschaffen, da sie es einfach für Unterricht oder Vorlesung benötigen. Teilweise brauche ich diverse Bücher sogar für Prüfungen und in der Bib gibt es davon nicht genug, dann bin ich dazu gezwungen es zu kaufen! Ähnliches könnte hier z.B. bei Übungen der Fall sein oder bei Schülern dann bei Hausaufgaben.

    Hier gibt es einfach keinen freien Markt und die Buchpreisbindung macht das ganze noch schlimmer…

  5. Wolfgang schrieb am

    Sicher sollte das Erstellen und Aktuellhalten von Lehrmaterialien bezahlt werden. Ich bin sogar der Meinung, daß es gut bezahlt werden sollte. Da sollten Fachleute der Fachgebiete ran und Pädagogen. Dies sollte aber eine „Auftragsarbeit“ für den Staat sein mit dem Ergebnis, daß danach dieses Material danach frei verwendet werden darf !!!
    Jeder darf es dann drucken lassen, kopieren, elektronisch vervielfältigen …

    • wallburg10 schrieb am

      Erkläre mir bitte, warum ich von meinen Steuergeldern Dein gesamtes Studium finanzieren soll? Wenn Du genug Geld verdienst, gibst Du mir dann wieder etwas ab? Meine Tochter studierte in Österreich, wir zahlten damals bereits Studiengebühren als in Deutschland nicht einmal die Politiker noch an Studiengebühren dachten. Wie wäre es wenn Deine Eltern das Lehrmaterial bezahlen würden, dann blieb es in der Familie.

    • wallburg10 schrieb am

      Mein Komentar ist natürlich für Wolfgang gemeint.

  6. Peter Jakobs schrieb am

    Ich halte Euer Argument, für die Bildung müsse das Urheberrecht bzw. das Verwerterrecht ausgehebelt werden für abstrus.
    Richtig ist: Bildung ist wichtig und ein hohes Ziel für die Gesellschaft.
    Richtig ist auch: Bildung soll soweit als möglich unabhängig vom sozialen Hintergrund verfügbar sein, also keine untragbaren Kosten für den Schüler oder Studenten verursachen.
    Aber: warum sollten die Kosten für die Erstellung und Pflege von Unterrichtsmaterialien auf die Urheber und Verwerter abgewälzt werden? Die Gesellschaft hält die oben angeführten Ziele für richtig und wichtig, dann stehen wir alle, die Gesellschaft eben in der Pflicht, diese Kosten zu tragen.
    Anders ist es, zumindest mir, nicht einleuchtend.

    pj

  7. Christoph schrieb am

    Hei, geht es nicht ein wenig kleiner? Die Uni kann, wenn sie unbedingt den Studierenden die Arbeit der Literaturrecherche abnehmen will ( früher gehörte das einmal zum Kern eines Studiums, Literatur selber zu beschaffen), dem Verlag das Recht auf kostenlose Bereitstellung von Inhalten abkaufen. Wahlweise können die Studierenden auch einfach das Buch kaufen oder eine Fernleihe machen. Dass das Ganze eine Beeinträchtigung von Wissenschaft und Bildung sein soll, glaubt Ihr doch selber nicht. Irgendwann ist auch mal gut mit Eurem Kampf für kostenlosen Genuss.

    • igor schrieb am

      Diesen Ansatz finde ich gut und richtig. Mit welchem Recht nimmt sich diese (private) Uni die Freiheit, die Arbeit anderer kostenlos zu nutzen, wenn sie sich die eigene mit ca. 13.000,- € je Studiengang bezahlen lässt (für gerade mal vier Semester, siehe FAQ der Website Fernuni-Hagen)? Auch dieses Fernstudium ist doch eigentlich „nur“ digital, daher müsste man also konsequent sein und sagen, wenn die PDFs kostenlos sind, dann sollte es das Studium auch sein. Ich unterstelle mal, dass die Arbeit der Professoren dort nicht unbedingt aufwändiger ist als die Arbeit der Verlage deren Material dort ohne Genehmigung kostenlos genutzt wurde.

      • Tikky schrieb am

        Hi Igor,

        die FernUni Hagen ist eine staatliche Uni http://fernuni-hagen.de/universitaet/profil/ . Für den Master musst du mittlerweile an den meisten Unis einen Haufen Geld hinlegen. Auch an den staatlichen Präsenzunis. Da sind 13.000 noch harmlos. Das hat also nix damit zu tun. Für die Bachelorstudiengänge bezahlst du nur die Materialkosten und du bekommst das Ganz in Papierform. Also bitte genauer recherchieren.
        Tikky

  8. Monique schrieb am

    Sicher muss für die Leistung der Verlage bezahlt werden: Da gehören Autorengehälter (die nur eine ganz utnergeordnete Rolle spielen) genauso dazu wie Redaktion, Layout und Drucklegung. Dagegen haben Lehrer sicher nichts, auch nicht die SchülerInnen und Eltern, da nur so hochwertige Produkte erstellt werden können. Das Problem, um das es hier geht, liegt an einer anderen Stelle: Ein an einer Schule eingeführtes Buch, das sowohl von der Schule bzw. dem Schulträger und den Eltern legal erworben wurde, darf nicht einmal in Auszügen (Bildmaterial!) eingescannt und z.B. im Unterricht verwendet werden. Sicher hätten die genannten Personen nicht einmal etwas gegen einen etwas höheren Preis einzuwenden, wenn dafür diejenigen, die Bild- oder Textmaterial z.B. an active boards im Unterricht verwenden, endlich entkriminalisiert würden!

  9. Chris Bernecker schrieb am

    Muss sich wirklich so viel ändern? Ein Buch wird gekauft und hundertfach in der Bibliothek gelesen oder ausgeliehen.

    Warum soll dieses Prinzip nicht auch bei einer PDF Datei Anwendung finden?

  10. domoddes schrieb am

    Im Moment siehts an Unis sogar so aus: Stellen werden abgebaut, Wissenschaftler und Mitarbeiter sitzen auf halben Stellen und retten sich von Projekt zu Projekt – natuerlich von privaten Traegern finanziert, die dann die Rechte an den wissenschaftlichen Arbeiten haben. Allerdings gibt es kaum andere Interessenten an diesem Wissen als die Unis selbst. Die duerfen dann schoen dafuer bezahlen, weil sie ja gute Wissenschaftler ausbilden will/soll. Diese wiederum bekommen an der Uni aber keine Stelle…

  11. Alex schrieb am

    Ich wäre auch froh, wenn hier mal ein bischen der Ball flachgehalten würde. Natürlich es wünschenswert, dass die Studenten kostenlos an das Material kommen, aber wenn der Verlag für die immer häufig in digitaler Form vorliegende Fassung seines Lehrmaterials kein Geld mehr erwarten darf, dann wird es künftig auch kein sehr hochwertiges Material mehr geben.
    Hier ist also für die Zukunft das Land (oder gar der Staat) und in diesem Fall die Uni gefragt, eine Lösung zu finden, die die Verbreitung des Materials erlaubt ohne das die Studenten dafür zahlen müssen ode rzumindest so, dass ein kleiner Betrag dafür ausreicht.

  12. OscarBlue schrieb am

    Das es hierbei nicht nur um freiem Zugang zu Lehrmitteln geht, bitte ich zu bedenken. Die Fernuniversität Hagen ist ein kommerzielles Unternehmen, welches regelmäßig kostenpflichtige Dienstleistungen erbringt. Die vielfache Weitergabe von Kopien aus einem Lehrbuch werden den Studierenden (in irgend einer Art) in Rechnung gestellt, d.h. die Fernuniversität Hagen erwirtschaften mit den Kopien einen Gewinn. Auch unter dem Deckmantel einer gewünschten Lernmittelfreiheit für Lernende und Studierende (die ich sehr befürworte) – sollte die Fernuniversität Hagen hier für das Nutzen fremder Lehrbücher einen entsprechenden Obolus zahlen.

  13. Makil schrieb am

    @igor
    Das es es sich bei der Fernuni Hagen um eine private Uni handelt, halte ich für ein Gerücht.
    „Die FernUniversität in Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland. Ihr Sitz befindet sich in Hagen in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist sie, auch unter Nichtberücksichtigung von Akademie- und Weiterbildungsstudierenden, die größte deutsche Universität. Da bestimmte Fächer, insbesondere Medizin, nicht sinnvoll als Fernstudium angeboten werden können, ist die Fernuniversität keine Volluniversität.
    Die Abschlüsse der Fernuniversität sind reguläre Hochschulabschlüsse. Sie verleiht Bachelor-, Master- und Diplom-Grade. Alle Fakultäten der Universität besitzen das Promotions- und Habilitationsrecht. Außerdem bietet die Fernuniversität in Hagen Teilstudien für die berufliche oder persönliche Weiterbildung.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Fernuniversit%C3%A4t_in_Hagen
    Es gibt aber in der Tat Kosten die auftreten – vor allem für die Lernhefte die einem zugesendet werden.
    http://www.fernuni-hagen.de/studium/gebuehren/semesterkosten/index.shtml

    • igor schrieb am

      Oh ja, das war wohl ein Trugschluss meinerseits. Aus dem folgenden hatte ich geschlossen, es müsse eine private Veranstaltung sein:

      Das Hagener Management Studium ist ein Weiterbildungsangebot, welches sich im Gegensatz zu einem Regelstudium an einer staatlichen Hochschule vollständig selbst finanzieren muss. Sämtliche angebotenen Leistungen werden durch die Teilnahmeentgelte getragen. Hierzu gehören sowohl die Erstellung der Studienmaterialien, die individuelle Betreuung der Studierenden als auch die gesamte Organisation.

      Wenn die Uni also staatlich ist, wieso muss sich dann das Fernstudium selbst finanzieren? Das leuchtet mir nicht ein. Aber eigentlich macht es für mich auch gar keinen so großen Unterschied, ob sie privat oder staatlich ist. Tatsache ist, dass die Studenten des Fernstudiums hohe Gebühren zahlen. Zum Einen fallen die Kosten für Bücher dann auch nicht mehr so stark ins Gewicht, zum Anderen könnte man erwarten, dass die Uni mit Hilfe dieser Gebühren in der Lage wäre, Lizenzen für Lernmaterial zu erwerben, bzw. legale digitale Kopien des Lehrmaterials zu erwerben und den Studenten zur Verfügung zu stellen.
      Ich habe mir während meines Studiums auch Bücher kaufen müssen. Für mich war das eine Selbstverständlichkeit. Ich habe das als eine Investition gesehen, da man als Akademiker später oft auch entsprechend mehr verdient und die Kosten für Lehrmaterial in der Regel schon nach wenigen Monatsgehältern wieder drin sind.

      • DocMontresor schrieb am

        Fernuni Hagen und „Hagener Institut für Managementstudien e.V.“ sind zwei verschiedene Institutionen. Bitte genauer recherchieren. Ein Studium an der Fernuni Hagen kostet 1500-2500 Euro (Bachelor) und 600-1300 Euro (Master). Hier nachzulesen: http://www.fernuni-hagen.de/studium/gebuehren/gesamtkosten/masterstudiengaenge.shtml. Inwiefern sich da ein Verein mit den Federn der Fernuni zu schmücken versucht, ist nicht ersichtlich (nicht ein einziger Link auf der Seite führt zur echten Fernuni Hagen, sondern es wird nur das Fernuni-Logo verwendet wird, ob legal oder nicht).

        • DocMontresor schrieb am

          Es ist doch ersichtlich: das „HIMS e.V“ ist ein privater Zusammenschluss von Professoren. Zitat: „Sieben Universitätsprofessoren der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der FernUniversität in Hagen mit langjähriger Erfahrung in Wirtschaft und Weiterbildung führen dazu die weiterbildenden Studienangebote durch.“ Diese Studienangebote sind privat und dementsprechend teuer.

  14. Tbo schrieb am

    freie bildung schön und gut. aber dafür gibts wikipedia und viele andere seiten. zudem sollten die profs in der lage sein, die thematik ihrer fächer selbst rüberzubringen oder skripte und erläuterungen selbst zusammenfassen. außerdem gibts ja noch immer die möglichkeit einer studentenbibliothek.
    Viele Möglichkeiten also, an die nötigen Infos ran zu kommen – die Piraten sollten vielleicht eher an einem Punkt ansetzen, an dem auch Erfolgsaussichten bestehen ;)

  15. @Froschkoenig84 schrieb am

    Hallo erstmal,

    ich bin die tragische Kombination aus Realist und Pirat, dafür im Voraus ein vorsichtiges „Sorry“…

    Na ja, hier ließe sich bestimmt eine Übereinkunft aushandeln. Wenn man es wirklich anstreben hätte wollen. Aber prinzipiell stimme ich zu, ein Verlag (der nicht durch staatliche Fördermittel oder teils-privaten Spenden subventioniert wird) hat einen Anspruch auf eine Entgeltung.

    Jedoch stellt sich mir die Frage, ob die Definition „geistiges Eigentum“ auch auf Lehrmaterialien zutrifft. Nach momentanen Recht schon, hier wäre aber eine Überlegung auf höchster Ebene erstrebenswert.

    Andererseits gibt es auch viele handelsübliche Romane, die Bildung in form von wissenschaftlichen Artikeln enthalten. Hier fiele jedes Modell auf die Nase, da eine Trennung kaum möglich ist. (Beispiel: Terry Pratchett, in vielen seiner Bücher, wird die Fantasystory mit jedem zweiten Kapitel durch eine wissenschaftliche Analyse unterbrochen)

    Wie dem auch sei. Ich empfinde es als traurig, dass jeder für Bildung die Hand aufhält. Wenn Lehrer ihren Schülern die Brotzeit aus der Tasche ziehen und nur gegen Eiersalat, Gemüse oder Salamibaguette unterrichten, würde man sie über Nacht wohl aus dem Dorf jagen, damit sie nicht auf die Idee kämen, den Hühnerstall leerzuräumen. Leider aber verhält sich die gesamte restliche Gesellschaft unseren Schülern gegenüber. :( Verlage, ebenso wie Bildungsbeauftragte (Ausnahmen selbstverständlich ausgenommen).

    Ware Bildung, Handelsgut, Ökonomie. Ich warte noch immer darauf, dass Bildung versteuert wird. (Hier bildet eine vermeindliche Lösung ganz neue Probleme der Unattraktivität.)

    ___
    auf bald, …
    ***der Frosch (nap-star)

  16. Alyama schrieb am

    Wenn ich das schon lese…klar, Studenten haben ja tausendundeine Möglichkeit sich Bücher anderweitig zu beschaffen, wenn sie die unbedingt fürs Studium brauchen.

    Was ist mit Auszubildenden? Ich hab zu Beginn meiner Ausbildung Schulbücher im Wert von 140 Euro gekauft weil ich es MUSSTE. Sonst hätte ich im Unterricht nicht mitarbeiten können und hätte keine Chance auf eine normale Prüfungsvorbereitung gehabt. Das ganze Spielchen habe ich 6 Monate später dann nochmal hinter mich gebracht, aufgrund eines Schulwechsels.

    Und jetzt erzähl mir noch ein einziger, dass Schulbücher halt nunmal Geld kosten und jeder die Möglichkeit hat, sich das zu leisten! Nebenbei bemerkt bekomme ich Leistungen nach SGB II während der Ausbildung, aber das interessiert bei der Anschaffung von Schulbüchern keinen Menschen.

    • @Froschkoenig84 schrieb am

      Ich hab meine erste Ausbildung 2002 begonnen und damals 10 EUR Papiergeld gezahlt, alle paar Wochen einen Stoß Lernmaterialen erhalten und die meisten Werke in digitaler Form (PDF’s) erhalten. Die meisten Lehrer haben sich ihre eigenen – bücherfüllenden – Lernmaterialien zusammengestellt mit einigen ergänzenden Quellen zu öffentlichen Wiki-Einträgen oder anderen damals zumindest kostenfreien Lernportalen.

      Ich habe bis auf zwei Bücher/Hefte im Jahr also alle Infos umsonst bekommen. Ich hab 3x 10 EUR Papiergeld, 2x 25 für ein berufschulinternes Werk und schließlich 30 EUR für ein prüfungsvorbereitendes (aber optionales und freiwillig bestelltes) Buch. Also hat mich die Ausbildung 2002-2005 nur 85 EUR für Lernmaterial (das ich dann auch noch von der Steuer absetzen konnte) gekostet. In der selben Zeit habe ich mir darüber hinaus 19 Fachbücher gekauft und zahlreiche Bücher via vergünstigten (Ausbildungsvertrag) Bücherreiausweis zugelegt, um mich privat weiterzubilden.

      Klar, ich konnte mir während dieser Zeit weder Auto noch eine eigene Haustür leisten, aber ich habe mich im zweiten Lehrjahr (2003) nebenberuflich selbständig gemacht. Und das obwohl ich später noch eine ergänzende, verkürzte zweite Ausbildung absolviert habe. :/ Nein, ich war sicher nicht reich, aber über meine Ausbildungskosten konnte ich mich nicht beschweren. Außerdem meinte mein damaliger Chef stets zu mir, er würde mir mit Spesen- oder Weiterbildungskostenentgeltung (Werbungskosten) notfalls auch unter die Arme greifen.

      Ich möchte dich nicht kritisieren oder deine Ausgaben anzweifeln. Lediglich ein Beispiel geben, dass es auch anders geht und die Meinung vertreten, dass es niemals einen angemessenen Preis für Bildung geben kann.

      ___
      auf bald, …
      ***der Frosch (nap-star)

      • Alyama schrieb am

        Naja, die Welt ist leider nicht schwarz oder weiß.

        Ich führe einen eigenen Haushalt, trotz Ausbildung. Weil das von mir als alleinerziehender Mutter erwartet wird. Du wirst unter den Umständen vllt verstehen, dass für mich 140 Euro für Bücher _zuviel_ sind. Zumal das nicht optional war, sondern verpflichtend. Diese Bücher müssen von jedem Schüler angeschafft werden. Die 2. Schule hatte andere Vorstellungen was Bücher anging, also mussten andere Bücher angeschafft werden. Wie einfach wäre es gewesen, so ein Buch als Schule anzuschaffen und den jeweiligen Ausbildungsjahrgängen runterzureichen, aber das ist unerwünscht, weil es immer immer immer die neueste Ausgabe sein muss. So ein Irrsinn, wirklich.

        Mir ist vor allem wichtig, dass Bildung für jeden frei zugänglich sein muss. Ohne Ausnahme. Selbst (bzw erst Recht) für sozial massiv benachteiligte Menschen.

  17. Climateatheist schrieb am

    Das Urteil geht in Ordnung, die PP demonstriert einmal mehr ihre „Schnorrermentalität“. Sowohl Bücher als auch PDF’s kosten Arbeitszeit-/aufwand und deshalb Geld. Es gibt zu Hauf Verlage (u.a. Springer/Stuttgart), die Uni’s Komplettpakete zur Zeitschriften/Buch-Nutzung einschl. Download anbieten. Ansonsten steht es den offenbar zu faulen Lehrkörpern der Fernuni Hagen jederzeit frei, ohne Copy&Paste eigenständige, frei distri-buierbare Skripten/Bücher im PDF-Format zu verfassen. Aber wohl exakt dafür ist sich der offenbar viel zu gut bezahlte Lehrkörper noch zu schade. Auch die PP’s könnten kostenlose Bücher schreiben, aber wenn man deren „Partei-Logik“ so verfolgt, wird deren Qualität vermutlich so miserabel sein, dass diese Werke niemand lesen will.

  18. Teerboiler schrieb am

    Wer über dieses Urteil urteilen möchte, sollte sich über den Fall informieren. Die „abgeschlossene Gruppe von Studierenden“ bestand aus mehr als 4.000 Studierenden, die „Teile eines Lehrbuches“ umfassten 91 Seiten. Die Universität hat also das Buch einmal gekauft und dann allen Studierenden dieses Faches zugänglich gemacht. Wenn das alle Universitäten so machen, verkauft sich ein Uni-Lehrbuch in Zukunft noch 105-Mal (Zahl der Universitäten in Deutschland). Wenn ein Exemplar 40 Euro kostet, erhält der Verlag 4.200 Euro pro Buch. Die Frage ist, wie viele Autoren bereit sind, für so wenig Geld ein Uni-Lehrbuch zu schreiben, wobei natürlich die Kosten für Druck und Vertrieb noch abzuziehen sind. Ich vermute: Niemand. Dadurch würde dem Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland einen erheblichen Schaden zugefügt werden.

    • Silverhair schrieb am

      Vielleicht sollte man sich als Verfechter von Abgaben für Lehrbücher mal klarmachen, das Lehrbücher nichts anderes sind als „Zitatensammlungen“ von vielen tausenden kleinen Wissensinhalten, die vollkommen andere meistens erstellt haben! Die Autoren der Verlage tragen hier meistens nur das veröffentlichte Wissen von „Urhebern, Erfindern, Wissenschaftlern etc.“ zusammen, und machen darum einen neuen Rahmen, der sicherlich seinen Nutzen hat ,aber der seibe Basis eben in der meisten sogar nicht „Lizensierten Verwendung“ von geistigen Inhalten von vielen hundert anderen besteht!

      Und Lehrbücher enthalten in einer „Buchwelt“ meistens zu 95% nur Inhalte , die seit Jahrzehnten letztlich „alt“ sind – der Änderungsaufwand der hier reklamiert wird ist so gering – das die Verlage dafür meistens nur noch Teilzeit Autoren Jobs vergeben – da ist einfach nichts wesentlich neues immer enthalten , sondern mal hier und da ein paar Zeilen zu ändern!

      Verlage verwerten bei Lehrbüchern eben kein „selbsterschaffenes“ sondern „fremderschaffenes“ – und dieses Zusammentragen ist Basis der gesamten Wirtschaft und Wissenschaft – die Notwendigkeit für eine Gesellschaft Wissen weiter zu geben ist hier um ein vielfaches höher als jede Monetäre Geldeinnahme denken!

      Finanziell wäre es durchaus ein leichtes für einen Staat mal ein paar tausend Werksaufträge zu vergeben für das zusammentragen von Urheberrechtsfreien Lehrinhalten – und diese dann allen Menschen zur Verfügung zu stellen – genau das ist nämlich Aufgabe des Staates „gemeinsames auch gemeinsam verwertbar zu machen“! Das dann die Verlage allerdings mit ihrem „Geschäftsmodell“ von Verwertung und Aneignung von fremden Wissen pleite wäre – das wäre eben Pech!

      Wissen ist wie Wikipedia , und könnte so auch durchaus betrieben werden – alle erschaffen für alle – ein „Gesellschafts-Geschäftsmodel“ eben, und kein Individual-Bereicherungsmodell weniger!

      Nebenbei. Der Gesamte Lehrmittelbetrieb von Grundschule bis zur Uni kostet den Steuerzahler jedes Jahr so zwischen 10-20 Mrd. Euro .. und das in der Mehrzahl der Fälle für Inhalte – die eigentlich sich seit über 100 Jahren in ihrer Basis nicht geändert haben .. Sollte man drüber nachdenken ob dieses Wissen einem alleinverwertungsanspruch von einzelnen geopfert wird!

  19. Max schrieb am

    Dafür das es oft genug heißt das Deutschland gut ausgebildete Leute braucht ist die Situation an Schulen und Unis teilweise absurd.
    Ich finde eine Aktion wie sie in Polen gerade angeschoben wurde wirklich klasse.
    Man könnte auch von den Dozenten verlangen das ihre Vorlesungsunterlagen als CC-BY zur Verfügung gestellt werden müssen da sie von öffentlichen Mitteln bezahlt werden.

  20. Pingback: Verrückte Bildungspolitik | König von Haunstetten

  21. gast schrieb am

    Mir wäre es lieber, wenn die Piraten etwas weniger Polemik betreiben würden.
    Es ist NICHT das Gericht welches den freien Zugang zur Bildung verhindert. Das Gericht prüft lediglich ob die geltenden Gesetze angewendet wurden oder nicht. Wenn etwas den freien Zugang verhindert dann sind es die Gesetze – aber die macht nicht das Gericht sondern der Gesetzgeber.
    Ein freier Zugang bedeutet auch nur, dass der Weg offen steht, es also keine Geheiminformationen sind die nur einer kleinen Gruppe zugänglich sind. Es steht jedem frei den Kaufpreis zu zahlen und so den Zugang zu erhalten. Ich bin sicher, dass weder der Verlag noch der Handel nein sagen würde, wenn jemand den Zugang zum Inhalt haben möchte (und dafür zahlt).
    Eine ganz andere Sache ist es zu überlegen wer die Rechnung zahlt (ob der Schüler, die Schule oder der Steuerzahler).

  22. someone schrieb am

    Polen hat für die Klassen 4-6 für umgerechnet 15 mio USD einen kompletten Satz Schulbücher produzieren lassen und unter Creative Commons-Lizenzen lizensiert. Das ist der richtige Weg. –> http://blog.fefe.de/?ts=b182ad2d

  23. Karsvo schrieb am

    DU HILFST MIR – DAFÜR HELF ICH DIR

    Was kommt denn als nächstes? Müssen bald die Bibliotheken eine Lizenzgebühr für jedes ausgeliehene Buch abführen? Gibt es dann 3 Preise für Bücher: Diejenigen für den privaten Zweck und diejenigen, die für kommerzielle Zwecke verwendet werden und diejenigen, welche verliehen werden dürfen?

    An diesen Beispielen wird deutlich, daß die Dinge so ad absurdum geführt werden.

    Es wird Zeit, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung zu beleuchten: Die Medien-Industrie darf sich über zahlreiche Privilegien durch die Politik freuen, weil die Politik die Medien braucht, um Wahlen zu gewinnen. DARUM geht es: NICHT um das Interesse der Bevölkerung, sondern um einen Tauschhandel: Kommerzielle Begünstigung für Macht.

    Es wird Zeit, den Menschen die Funktionsweise dieser unheilvollen Allianz zu erklären und ihnen zu erklären, daß sie selbst die Verlierer in diesem Kuh-Handel sind.

  24. ML schrieb am

    Stell dir einmal vor, du bist Lehrer. Und du hast didaktische Ideen, du kannst gut erklären, und du nutzt deine Freizeit, und schreibst über die nächsten 2 Jahre 5 Stunden am Tag an einem Buch. An einem Lehrbuch, ganz deins und etwas, womit du die Welt unterstützen willst, besser zu lernen und mit dem du dir auch etwas nebenher verdienen willst.

    Und dann kommt ein privates Unternehmen, Fernuni zufällig, kopiert es einfach und verteilt es untewr Kunden, die dafür Geld bezahlen – ohne dich zu fragen, ohne dir einen Anteil weiterzureichen. Und nutzt es als Mehrmaterial, um damit zahlenden Kunden Dinge auf eine Weise beizubringen, die du in deinen 2 Jahren mühevoll per Hand gesammelt hast.

    Wie geht es dir?
    Ganz großes Minus an Menschen, die tolerieren, dass diese 2 Jahre mühevoller Arbeit einfach geklaut werden.

    • Tikky schrieb am

      Hi ML,

      schade nur, dass ich als Autor von dem Buch nix davon habe – das Geld um das es geht, ist das Geld des Verlags.Soweit ich weiß hat der Verlag bzw. die Autoren bestehende Aufsätze zu einem neuen Buch zusammengefügt. Schade, dass die Autoren, die das zusammengestellt haben, ihre Rechte vollumfänglich an den Verlag abgetreten haben. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Berufungsgericht-legt-Intranet-Klausel-fuer-Lehrer-restriktiv-aus-1520615.html und http://bibliothekarisch.de/blog/2011/01/11/wiedermal-krach-ums-urheberrecht-alfred-kroener-verlag-vs-fernuniversitaet-hagen/

      • Julia schrieb am

        Selbstverständlich bekommen Autoren üblicherweise ein Honorar vom Verlag, der außerdem das volle Risiko trägt, falls das Buch doch nicht verkauft wird (z.B. eben deshalb nicht, weil es eine Uni kostenlos zur Verfügung stellt). Übrigens existierte ein Lizenzangebot des Verlages für die PDF, das die Uni ignoriert hat. Ihre eigenen Materialien stellen sie natürlich nicht kostenlos zur Verfügung, sondern lassen sie sich von den Studenten bezahlen. Hier tun außerdem alle so, als würde im Fachbuchbereich, und um den geht es hier, das große Geld verdient: das wird es nicht. Viele Fachbuchverlage haben schon aufgegeben, weil sie z.B. mit der Konkurrenz durch das Internet nicht mithalten können. Sicher ist Bildung ein wichtiger Wert und sollte erschwinglich sein – aber Essen ist auch lebenswichtig und niemand verlangt, dass es umsonst ausgeteilt wird. Wenn die Forderungen, die hier von einigen vertreten werden, durchgesetzt werden, wird es über kurz oder lang die Inhalte, über die hier diskutiert wird, nicht mehr geben, weil niemand von Luft und Idealismus leben kann: So einfach ist das. Übrigens verlangt ja auch niemand, dass z.B. Mercedes Benz die Pläne für seine Autos für alle offenlegt: Das ist dasselbe Punkt, von dem hier die Rede ist: geistiges Eigentum. Denkt mal drüber nach …

    • Karsvo schrieb am

      „Stell dir einmal vor, du bist Lehrer. Und du hast didaktische Ideen, du kannst gut erklären, und du nutzt deine Freizeit, und schreibst über die nächsten 2 Jahre 5 Stunden am Tag an einem Buch.“

      Das Buch wird in der Freizeit geschrieben, ABER die pädagogischen Ideen stammen aus der beruflichen Tätigkeit als Lehrer, für die der Lehrer vom Steuerzahler bezahlt wird. Und der Inhalt macht den wesentlichen Teil des Buchs aus und NICHT die Tipp-Arbeit für das Zusammenfassen. Wenn es um eine Erfindung ginge, dann würde das Recht für die Anmeldung der Erfindung zum Patent in diesem Fall beim Arbeitgeber liegen: Arbeitnehmer-Erfinder-Gesetz.

      Und darum geht es hier: Für seine eigene Arbeit möchte man sich bezahlen lassen aber für das Eigentum anderer, das man selbst unter eigenem Namen mit verkauft, und das sogar den wesentlichen Teil ausmacht, um das dann eine Hülle gebaut wird, führt man nichts ab? So werden die Dinge ad absurdum geführt.

      Deshalb brauchen wir eine rechtliche Neuregelung zum „geistigen Eigentum“. Deshalb: Piraten wählen!

  25. Karsvo schrieb am

    GPL

    Der Referenz ist zu entnehmen, daß es um „Meilensteine der Psychologie“ aus dem Kröner Verlag geht. Dieses Buch ist eine geschichtliche Zusammenfassung. Lediglich durch das Zusammentragen erhält dieser ein Urheberrecht. Aber selbst die zusammengetragenen Erkenntnisse haben längst nicht immer etwas mit Urheberrecht zu tun wie es z.B. bei einem Musikstück oder einem Roman der Fall wäre. Wissenschaftliche Entdeckungen unterliegen z.B. weder dem Urheberrecht noch können sie durch Patente geschützt werden. Das einzige, was im Urheberrecht geschützt werden kann ist gem. Wikipedia: „Das geschützte Objekt des Urheberrechts ist in allen Rechtsordnungen ein Werk der Kunst.“. Durch Schaffung solcher einer „Kunst“-Hülle um das frei verfügbare Wissen einer geschichtlichen Zusammenfassung entsteht erst der „Schutz“ für das gesamte Buch. Um dieser Praxis zu begegnen schlage ich vor:

    1. Das Zusammenfassen von Wissen ist aber auch grundlegender Bestandteil jeder Vorlesung. Vorschlag: Zukünftig die Zusammenfassung wieder in Vorlesungsskripten vornehmen.

    2. Definition einer Urheberwerks-Verwendungs-Bestimmung ähnlich zur GPL oder LGPL. Nennen wir es mal X. „Du darfst mein Urheberwerk NUR weiterverwenden , wenn das Werk in dem es verwendet wird, selbst der Bestimmung X unterliegt, SONST NICHT“ Die dadurch entstehenden Werke sind dann vergleichbar mit OpenSource. Es entstehen Stränge, die ausschließlich frei sind. WICHTIG: Gleichzeitig läßt sich so verhindern, daß kommerzielle Unternehmen dieses freie Wissen in ihre Werke einbauen und dann nicht nur mit ihrerer eigenen Wertschöpfung sondern auch unter dieser Urheberrechtshülle letzlich mit freiem Wissen Geld verdienen.

    3. Die Universität Hagen dürfte an der Entwicklung eines solchen Urheberrechtsmodells infolge der jüngsten Ereignisse ein großes Interesse haben. Vielleicht könnte man ein solches Modell mit denen zusammen entwicklen, denn eine Universität ist auch ein großer Urheber und schafft letztlich das Wissen, das dann von kmmerziellen Verlagen unter ihrem Urheberrecht veröffentlicht wird. So ist gleichzeitig gewährleistet, daß ein solches Urheberrechtsmodell tatsächlich in der Praxis etabliert werden kann.

  26. Georg Osburg schrieb am

    Natürlich sollen die Verlage für so ein Buch bezahlt werden. Aber warum ist es nicht möglich gerade einer Schule oder einer Uni ein Lizenzmodel zu verkaufen, das es erlaubt ein solches Werk in Teilen zu kopieren und an die Schüler zu verteilen?

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