Dänischer Polizist sperrt aus Versehen Google, Facebook und 8.000 weitere Seiten

Bild: Tobias M. Eckrich

Internetsperren funktionieren nicht. Das hat ein Vorfall bei der dänischen Nationalpolizei am Freitag dieser Woche gezeigt. So blockierte ein Mitarbeiter der Spezialeinheit für Hightech-Kriminalität (NITEC) aus Unachtsamkeit den Zugriff auf Google, Facebook und weitere 8.000 Webseiten. Wie Johnny Lundberg, Chef der NITEC, zugab, verschob der Beamte die Seiten schlicht in den falschen Ordner.

»Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, welche fatalen Auswirkungen das Instrument Internetsperre auf unser Recht auf freien Zugang zu Information hat. Wir können froh sein, dass es nur bei einem menschlichen Fehler und einem wirtschaftlichen Schaden geblieben ist. Eine freie Demokratie braucht solche autoritären Zensurmechanismen nicht«, so Bernd Schlömer, stellvertretender Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland.

Noch im November 2010 sprach Lars Underbjerg von der dänischen Polizei gegenüber Heise Online über die positiven Erfahrungen in seinem Land mit der Internetsperre. Die Kehrseite dieser vermeintlich positiven Erfahrungen haben wir am Freitag erlebt.

»Wir brauchen keine zusätzlichen Gesetze, sondern ein konsequentes Vorgehen gegen Straftaten im Netz. Das Löschen von Seiten mit rechtswidrigen Inhalten ist wesentlich wirksamer als die einfache Sperre. Dies setzt natürlich eine ausreichende Anzahl qualifizierter Ermittler bei den Behörden voraus«, so Schlömer weiter.

Bei Gesetzesinitiativen zu zusätzlichen Regelungen und Verfahren, um Rechtsverletzungen im Internet zu ahnden, griffen nationale und europäische Regierungen in der jüngsten Vergangenheit oft zu sehr scharfen Sanktionsmaßnahmen. Die Eigenheiten der Nutzung des Internets sowie das Recht auf freie Information werden dabei weitestgehend vernachlässigt. So auch bei der aktuell wieder verhandelten „Intellectual Property Rights Enforcement Directive“ (IPRED) gegen Urheberrechtsverletzungen im Netz.

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Kommentare

9 Kommentare zu Dänischer Polizist sperrt aus Versehen Google, Facebook und 8.000 weitere Seiten

  1. Dominik schrieb am

    Coole Sache, aber heißt das bei der neuen Homepage sind alle alten Kommentare weg?
    -.-

    • Martin Haug schrieb am

      Es funktionieren noch alle alten Links und da sind dann auch noch die alten Kommentare bei. Nur werden sie vermutlich nicht mehr groß gelesen.

      • Gedankenverbrecher schrieb am

        Kann man die Kommentare eventuell in das neue System einpflegen?
        Wäre meiner Meinung nach sinnvoll um einerseits die Diskussion nachvollziehen zu können und sich jetzt nicht mit ständigen ‚Die Piraten haben meinen Kommentar zensiert‘-Posts rumärgern zu müssen?

        Btw die neue Seitenaufmachung ist hübsch, aber ich fand die Baum-Darstellung der Kommentare vorher übersichtlicher.
        Vielleicht hab ich mich auch nur noch nicht an das neue Bild gewöhnt…

        Gruß
        Gedankenvebrecher

        • Martin Haug schrieb am

          Nein, zumindest bezweifle ich, dass die IT das so schnell hinbekommt, dass die Kommentare noch aktuell sind. Es wäre sicherlich weniger ein Problem, wenn wir noch das selbe CMS hätten, aber da wir von Drupal auf WordPress gewechselt sind…

          • Gedankenverbrecher schrieb am

            Danke für die Antwort.

            Schade dass das nicht so leicht geht, wie ich mir gedacht hätte…

            Aber kann man evtl die Links auf die alten Seiten / Kommentare irgendwo prominent platzieren?
            Bzw wie finde ich die ‚Links zu den alten Seiten‘?

            Gruß
            Gedankenverbrecher

  2. Timo schrieb am

    Sowas kann doch nicht ernsthaft aus Versehen passieren..!?

  3. Henning schrieb am

    Die Frage muss lauten: Was hat die dänische Polizei für eine Liste, auf der neben 8000 weiteren Adressen google und facebook stehen? Zu welchem Zweck würde die Mühe unternommen, diese 8000 Adresse zusammenzutragen? Warum existiert diese Liste überhaupt?

    Das ist die wichtige Frage dabei, IMHO.

    • Tom schrieb am

      Vielleicht hilft eine Gegenfrage: Warum üben Polizeieinheiten verschiedener EU-Staaten seit 2006 jedes Jahr gemeinsam in Berlin das gemeinsame Vorgehen gegen Volksaufstände?

  4. Pingback: Online-Piraterie: Der Content-Krieg - Berlinpiraten

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