23. April 2009
Trotz eines großflächigen Widerstands von Experten und Bürgern hat das Europäische Parlament heute morgen in erster Lesung die Verlängerung des Tonträger-Schutzes von 50 auf 70 Jahre beschlossen. Die Piratenpartei kritisiert diese Ausweitung energisch, da sie nicht den Interessen der Allgemeinheit gerecht wird.
Ziel der Richtlinie ist angeblich, die soziale Situation ausübender Künstler zu verbessern. In einer früheren Erklärung war zu lesen, dass die verlängerte Schutzdauer verhindere, "dass ausübende Künstler, die im Alter von 20 Jahren Platten aufgenommen haben, bei Erreichen ihres 70. Lebensjahres einem plötzlichen Einkommensausfall gegenüberstehen."
"Wie hier ein 'plötzlicher Einkommensausfall' entstehen kann, konnte bisher nicht nachgewiesen werden," wundert sich Christian Hufgard, Betreiber des Musik-Portals http://musik.klarmachen-zum-aendern.de. Als Kompromiss hat man sich also nun auf 70 Jahre geeinigt, und somit die Schonfrist der Plattenfirmen - denn die sind die eigentlichen Nutzniesser - um 20 Jahre verlängert. Mit einem ähnlichen Vorgehen wurden in den USA bereits mehrfach Schutzfristen verlängert, die entsprechenden Gesetze werden oft auch als 'Lex Disney' bezeichnet."
Andreas Popp, Spitzenkandidat der Piratenpartei in der anstehenden Europawahl riecht Lobbyarbeit: "Alle Branchenkenner wissen, dass eine Verlängerung der Rechte aufgrund von Buy-Out-Verträgen nur den Musikverlagen, aber nicht den Künstlern zu Gute kommen. Dies wurde auch schon in vielen Gutachten bestätigt. Interessiert hat es anscheinend niemanden. Ein entsprechender Änderungsantrag, durch den die Gelder nur an die Künstler gehen sollten, wurde schließlich sogar abgelehnt."
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