Drogen- und Suchtpolitik

Drogen- und Suchtpolitik
Drogenpolitik
Die deutsche Drogenpolitik setzt seit 40 Jahren fast ausschließlich auf das Mittel der Prohibition und verfolgt damit das unrealistische Ziel einer drogenfreien Gesellschaft. Aus einschlägigen Studien als wenig sucht- und gesundheitsgefährdend bekannte Stoffe bleiben verboten, während zugleich gefährlichere Substanzen wie Alkohol und Tabak in der Gesellschaft akzeptiert werden, ebenso Pharmaprodukte mit hohen Suchtpotential. Es wird an Gesetzen festgehalten, die wenig wirkungsvollen Jugendschutz beinhalten, die tatsächliche Gefährlichkeit nicht berücksichtigen, Polizei und Gerichte überlasten, sowie die Bürger Jahr für Jahr Milliarden an wirkungslos eingesetzten Steuergeldern kosten.
Neue Drogenpolitik
Die Piratenpartei Deutschland steht für eine repressionsfreie Drogenpolitik und will ein Ende der gescheiterten Prohibition. Wir lehnen die heutige, wissenschaftlich nicht haltbare Unterscheidung in legale und illegale Stoffe ab und fordern die objektive Bewertung und Handhabung aller psychoaktiven Substanzen alleine anhand ihres Gefahrenpotentials. Die derzeitige nicht faktenbasierte Bevormundung Erwachsener beim verantwortungsvollen Umgang mit Rausch- und Genussmitteln widerspricht der Grundüberzeugung der PIRATEN und unserem Verständnis einer mündigen Gesellschaft. Die bisherige Kriminalisierung der Konsumenten muss beendet und der damit verbundene Schwarzhandel durch kontrollierte Erwerbsstrukturen ersetzt werden. So ergeben sich dann Rahmenbedingungen, die – anders als heute – viele Probleme beseitigen, die alleine auf Grund von gefährlichen Beimischungen und mangelnder Hygiene entstehen.
Regeln, helfen und leiten statt strafen
Prävention muss ehrlich und sachlich sein, um nachhaltig überzeugen zu können.
Notwendige Regelungen im Rahmen einer neuen Drogenpolitik bedürfen der Einbeziehung aller Beteiligten und Betroffenen zur Gestaltung ideologiefreier und realitätsorientierter Konzepte. Gesetze, Verordnungen und Abgaberegelungen dürfen nur zum Schutz vor tatsächlichen Gefahren erlassen werden, nicht auf Grund ideologischer oder wirtschaftlicher Argumente. Ein barrierefreier und unzensierter Zugriff auf alle Informationen auch zu jeglichen Drogen ist jedem Bürger zu gewährleisten.
Jugendschutz
Die PIRATEN sprechen sich ausdrücklich für sinnvolle und notwendige Gesetze oder Verordnungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aus. Jeder soll sich der Verantwortung bewusst sein, Kinder und Jugendliche umfassend und faktenbasiert über die Gefahren des Rauschmittelkonsums zu informieren. Ein wirksamer Jugendschutz kann nachweislich nicht durch Reglementierung und Verbote erreicht werden. Statt dessen muss ein offener, sachlicher Umgang mit dem Thema in Form umfangreicher Aufklärung in Schulen und Freizeiteinrichtungen gesetzliche Regelungen ergänzen. Ein bereits im Kindesalter gezielt vermitteltes selbstbestimmtes Verhalten ist der beste Weg diesen Herausforderungen und Reizen charakterstark zu begegnen.
Forschung und Medizin
Die PIRATEN befürworten die Erforschung derzeit illegaler Stoffe zu therapeutischen Zwecken. Eine weitere Blockade wissenschaftlicher Arbeit lediglich aufgrund dogmatischer Argumente ist nicht länger hinnehmbar. Patienten sollen in der freien Wahl der Behandlung nicht eingeschränkt werden. Welche Substanzen zur Behandlung verwendet werden können, soll alleine Sache des geschulten, behandelnden Arztes und des aufgeklärten Patienten sein. Dabei muss umfassend über die Gefahren aller verwendeten Mittel aufgeklärt werden.
Ein freiheitlich selbstbestimmter Umgang steht nicht im Widerspruch zu Schutz, Prävention und Aufklärung.
Suchtpolitik
Von alters her sind Rausch und Sucht Bestandteil jeder Kultur. Diese Tatsache erfordert es, sich vorurteilsfrei mit dem Konsum von Genussmitteln und dessen Folgen auseinanderzusetzen, um mit einer pragmatischen Suchtpolitik Schaden von der Gesellschaft abzuwenden.
Die bisherige, repressive, vorwiegend auf Abstinenz abzielende Drogenpolitik ist offensichtlich gescheitert: Sie schuf einen Schwarzmarkt, der weder Jugend- noch Verbraucherschutz kennt und die Rechte von Nichtkonsumierenden ignoriert.
Die Piraten folgen einer auf wissenschaftlichen Fakten beruhenden Suchtpolitik. Basis dieser Suchtpolitik sind:
Umfassende, ideologiefreie Aufklärung
Jede Lust und Begierde kann zu einer Abhängigkeit führen. Dieser Kontrollverlust über die eigenen Bedürfnisse soll durch frühestmögliche Prävention vermieden werden. Grundlage risikobewussten, hedonistischen Verhaltens ist das Wissen über Wirkung, Nebenwirkung und mögliche gesundheitliche Schäden nicht nur von illegalisierten Genussmitteln, sondern von allem, was in irgendeiner Weise zur Sucht führen kann. Dieses Wissen muss von Kindheit an vermittelt werden.
Eigenverantwortung und Genusskultur
Nur wer seine Bedürfnisse zu reflektieren und Gruppenzwang zu widerstehen gelernt hat, kann selbstbewusst und selbstbestimmt genießen. Genuss und Rausch sind Bestandteil unserer Gesellschaft und erfüllen grundlegende, soziale Funktionen. Der Respekt vor der freien Entscheidung des Individuums und das Vertrauen in seine Vernunft und seine Begabung zur Lebensfreude ist die Voraussetzung zur Etablierung einer Genusskultur, die den Rausch als schöpferische Möglichkeit zu nutzen versteht.
Jugend- und Verbraucherschutz
Der Konsum und der Erwerb von Genussmitteln muss legalisiert werden. Andernfalls ist der Staat nicht in der Lage, regulierend einzugreifen. Durch die Prohibition stiehlt sich der Staat fahrlässig aus der Verantwortung und überlässt seine Bürger einem unkontrollierbarem Schwarzmarkt ohne Jugend -und Verbraucherschutz. Legalisierte Genussmittel könnten endlich einer staatlichen Qualitätskontrolle unterliegen. Beim Erwerb von Genussmitteln soll künftig ein Beipackzettel zur Verfügung stehen, der über Art und Dosis als auch über Hilfsangebote informiert.
Hilfe für Risikokonsumenten
Nicht jeder kann mit Genussmitteln verantwortungsvoll umgehen. Abhängige und Abhängigkeitsgefährdete brauchen unser Verständnis und niedrigschwelligen Zugang zu allen Ebenen der Suchthilfe. Die Piraten werden schadensminimierende Sofortmaßnahmen wie Spritzenabgabe und Drug Checking ermöglichen. Der flächendeckende Ausbau des Netzes an Beratungs- und Hilfseinrichtungen wird nicht nur die größte Not lindern, sondern Angehörige und Co-Abhängige miteinbeziehen. Krankenkassen und Gesundheitssysteme werden so entlastet.
Schutz von Nichtkonsumierenden
Staatliche Reglementierung sollte sich darauf beschränken, Verhalten zu sanktionieren, das Dritten schadet. Der Staat muss die Freiheitsrechte aller Bürger achten. Allgemeine Drogentests am Arbeitsplatz lehnen die Piraten ab. Sie sind auf gefährliche Berufe und Tätigkeiten zu begrenzen. Ebenso dürfen drogenpolitische Scheuklappen die medizinische Versorgung von Schmerzpatienten nicht beeinträchtigen.
Diese fünf Punkte sind die Grundlage einer Suchtpolitik, in deren Mittelpunkt der verantwortungsbewusste Mensch und kein illusorisches Abstinenzziel steht. Betrachtet man dann noch die Milliarden, die durch die Einstellung der Strafverfolgung eingespart und die Milliarden, die durch eine angemessene Besteuerung von Genussmitteln erwirtschaftet werden können, kann man davon ausgehen, dass diese pragmatische Suchtpolitik detailliert umgesetzt werden kann.





Kommentare
6 Kommentare zu Drogen- und Suchtpolitik
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Jetzt hoffen wir das sich wenigstens diese Partei an ihre Grundsätze hält wenn sie es schafft etwas großes zur Politik beitragen zu können nicht so wie die Grünen die viel versprechen und die Drogenpolitik als aller erstes von ihrer Liste streichen.
Das ist das, was die Politik auch heutzutage nicht verstanden hat.
Ein sehr guter Ansatz.
Das Problem ist ja eigentlich nur, das Leute wie Merkel und andere Gegner keine Ahnung haben, da sie 1) sowas als “Teufelszeug” kennengelernt haben, und 2) aufgrund des Verbotes auch nicht die leiseste Vorstellung haben, was Überhaupt die Wirkung ist.
Allerdings befürchten Politiker wohl, die vielen erwachsenen Wähler zu verlieren, wenn sie sich gegen so eine durch Vorurteile behaftete Entscheidung hervorheben…
Aber es geht doch genau um diesen Punkt.
Bevor eine Legalisierung von Cannabis eine reelle Chance in Deutschland oder auch lediglich Berlin als Pilotprojekt hätte, muss erst einmal eine sachhaltige und vor allem anständige Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Cannabis ist kein Teufelskraut oder ähnliches. Es wird in der Pharmaindustrie schon heute in unzähligen, legalen Medikamenten eingesetzt. Nicht überraschend wenn man bedenkt wie sich die Wirkung von THC äußert.
Es wirkt Stimmungsaufhellend (Depressionstherapie), ist ein natürliches Schmerzmittel, wirkt Leidens lindernd bei vielen Krankheiten. z.B. Aids, Leute in Chemotherapien, Karzinomen, Tourette-Syndrom,…
Zudem ist es auch ein Appetitanreger.
Durch eine Legalisierung von Cannabis würde der gesamte Schwarzmarkt einfach wegbrechen, da dieser weder mit den niedrigen Preisen von Legal und großflächig angebauten, noch mit der “reinen” Qualität staatlich kontrolliert angebauten Cannabis konkurrieren könnten.
Eben dieses wegbrechen wäre der größte Schritt zum Jugendschutz da der Dealer sich nicht für das Alter seiner Kunden interessiert
Ebenfalls würde gewährleistet werden das der Endverbraucher kein mit toxischen mitteln gestrecktes “gras” bekommt sondern nur “sauberes”.
Die Legalisierung von Cannabis würde sowohl den Schwarzmarkt und die Beschaffungskriminalität eindämmen, als auch einen großen Sieg für den Jugendschutz und den Schutz der Endverbraucher bedeuten.
Eindämmung des Schwarzmarktes:
Durch die Legalisierung von Cannabis in Deutschland und den staatlich zertifizierten Anbau würde selbst nach Erhebung einer Steuer, ein Endpreis entstehen, mit dem der Schwarzmarkt nicht mithalten könnte. Ebenso würde die Beschaffungskriminalität rapide zurückgehen wenn Cannabis im „Laden an der Ecke“ legal erhältlich wäre.
Jugendschutz:
Derzeit ist es bittere Realität, dass es Jugendliche gibt, welche bereits mit 13 Jahren regelmäßig Cannabis konsumieren. Das ist ebenso einfach zu erklären wie es zu ändern wäre. Den Dealer an der Straßenecke interessiert es wenig wie alt seine Kunden sind, solange er dabei ein Geschäft macht. Durch Legale „Shops“ könnte weitestgehend gewährleistet werden das Cannabis nur an Erwachsene Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland abgegeben wird. (Verhinderung von „Drogen Tourismus“)
Schutz der Endverbraucher:
Staatlich kontrolliert Angebautes Cannabis würde sicherstellen das eben dieses nicht gemischt mit anderen Substanzen an den Endverbraucher verkauft wird.
Falls bei diesem stand fragen und Interesse bestehen, bitte einfach per e-mail melden