Piratenpartei gegen den Abmahnwahn

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 1. Dezember 2009

cc by Piratenpartei DarmstadtDie Abmahnindustrie gewinnt in Deutschland immer mehr an Einfluss. Für Rechteinhaber ist es mittlerweile gewinnbringender, Geld durch Abmahnungen zu verdienen, als durch den Verkauf ihrer Werke. Kritiker dieser rechtlich teilweise sehr bedenklichen Geschäftspraktiken werden von den Verantwortlichen ebenfalls abgemahnt. Doch der Widerstand wächst. Interne Firmendokumente über die Arbeitsweisen der Abmahner sind im Internet öffentlich geworden, in Darmstadt wurde ein Flashmob gegen die Firma DigiProtect organisiert und von dem Newsportal gulli.com wurde Strafanzeige gegen die auf Abmahnungen spezialisierte Kanzlei Kornmeier & Partner erstattet.

Die Piratenpartei Deutschland, deren Parteiprogramm Bürgerrechte und freie Informationsbeschaffung im Internet als zentrale Punkte beinhaltet, sieht es als ihre Pflicht an, über die momentan gängigen Abmahnpraktiken zu informieren. Die gesammelten Fakten über die Firma DigiProtect und die Kanzlei Kornmeier & Partner werden in einem Artikel auf der Webseite der Partei detailliert dargestellt [1]. Dieser wird unter Umständen zu einer Abmahnung und einem Prozess gegen die Piratenpartei führen [2].

Es ist zwingend nötig, neue Modelle für das Urheberrecht im digitalen Zeitalter zu schaffen, bei denen die Kunstschaffenden gerecht entlohnt werden und gleichzeitig das Recht auf freie Nutzung der erworbenen Werke gestärkt wird. Dazu gehört zum Beispiel die Privatkopie. An den neuerdings üblichen Massenabmahnungen verdienen nur die Rechteindustrie und fragwürdig motivierte Rechtsanwälte. Die Künstler und die Konsumenten beißen in den sauren Apfel. Der Gesetzgeber muss dieser Praxis schnellstmöglich einen Riegel vorschieben.

Auch die Methoden, mit denen sich Abmahnvereine die Daten ihrer Opfer beschaffen und die im besten Fall hart an der Grenze der Legalität sind, müssen unterbunden und der Bürger vor einer de facto Kriminalisierung durch die Rechteinhaber geschützt werden.

»Die Rechteverwerter (EMI, BMG, Sony Music, Universal Music, Warner Music, GEMA etc.) versuchen gerade eifrig, durch Manipulation der Politik aus dem Internet ein total-überwachtes Medium zu machen. Der Fall Kornmeier und DigiProtect veranschaulicht die perfiden Strukturen hinter dem Abmahnwahnsinn. Die Urheberrechtsgesetze machen es möglich und die andauernde Litanei über das "geistige Eigentum", welches zu schützen sich der Staat nun als hehres Ziel auf die Fahnen geschrieben hat, soll diesen Auswuchs des gelebten Faustrechts rechtfertigen«, sagt Thorsten Wirth, Vorstandsmitglied der Piratenpartei Deutschland. »Die Uneinsichtigkeit dieser Konzerne wird auch ihr Untergang sein. In dem All-to-All-Medium Internet gewinnt der, der es annimmt wie es ist und nicht versucht, es seinen veralteten Geschäftsmodellen anzupassen. Es gibt Beispiele, wie iTunes und Amazon, die aufzeigen, wie im Internet Geld zu verdienen ist, ohne die Kundschaft zu verklagen. Wir werden die Machenschaften der Verwertungslobby in Zukunft noch genauer im Auge behalten.«


Quellen:

[1] http://www.piratenpartei.de/09-11-30-Deutsches-Recht-gilt-auch-fuer-Rechtsanwaelte
[2] http://www.telemedicus.info/article/1593-Piratenpartei-vs-Abmahnanwaelte.html


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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Nicht ganz

Die Rechnung ist leider doch nicht ganz so einfach. Du hast ja schon richtig gesagt (v.a. in deinem vorherigen Post), dass viele Jugendliche Musik aus dem Internet laden, die sie eigentlich gar nicht interessiert und die es ihnen auch nicht wert ist, dafür zu bezahlen.

Zitat:
"Die Leute saugen doch zum größten Teil gar nicht mehr, weil sie Musik hören wollen sondern weil man das eben so macht. Den Krempel gibts doch im Internet umsonst, warum soll ich also bezahlen, denken sie sich. Saugen ist ganz normaler Alltag geworden und hat nichts mehr mit dem Ziel des anspruchsvollen Konsums zu tun.

Und genau das ist das Problem! Es geht nicht mehr um echtes Musikhören, es geht nur darum wer die dicksten Eier (die meisten Mp3's) für die nächste Party mitbringen kann."

Man muss also davon ausgehen, dass diese Leute gar nicht bereit wären, für diese Musik tatsächlich zu bezahlen. Angenommen, diese Songs wären nicht gratis im Internet verfügbar - denkst du, sie würden die CDs kaufen?

Kein Kopierschutzmechanismus, keine Abmahnwelle und auch kein anderes noch so raffiniertes Mittel auf dieser Welt wird die Absatzzahlen dieser Musik erhöhen können, die ja offensichtlich sowieso niemand bezahlen will. Nach deiner Darstellung gibt es die Nachfrage nach dieser Musik nur solange, wie sie auch kostenlos zu haben ist. Wenn man es schaffen würde, dass diese kostenlosen Download-Möglichkeiten wegfallen, wäre auch das Interesse an diesen Musiktiteln weg und es gäbe keine gesteigerte Nachfrage nach CDs.

Langer Rede, kurzer Sinn:
Illegale Downloads wirken sich eben nicht eins zu eins auf die CD-Nachfrage aus.

Die Nachfrage nach kostenlosen Downloads ist nicht unbedingt eine Nachfrage nach der Musik, die man lädt. (Ich denke, das ist auch das, was du in deinem Post sagen wolltest.) Es ist also absurd zu sagen, dass höhere CD-Preise den Umsatzverlust durch illegale Downloads abdecken sollen, weil es diesen Umsatzverlust nur auf dem Papier gibt, wenn man davon ausgeht, dass jeder "Sauger" auch ein potenzieller CD-Käufer sein könnte.