ACTA - ein geheimes Abkommen bedroht die Grundrechte und die Freiheit des Internets

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 20. November 2009

Gläserner Bürger / 'http://www.flickr.com/photos/piratenpartei/3882884176/in/set-72157622153821978/' (cc by Lars Trebing)Das EU-Parlament hat sich kürzlich auf eine "abgestufte Erwiderung" bei Copyright-Verletzungen im Internet geeinigt: Rechtsstaatliche Prinzipien wie die Unschuldsvermutung und das Recht auf Privatsphäre seien zu respektieren. Seit Anfang 2008 verhandeln jedoch die USA, die EU, Japan und acht weitere Staaten unter strenger Geheimhaltung darüber, wie der Umgang mit Urheberrechtsverletzungen völlig neu geregelt werden soll. Das dabei entstehende ACTA-Abkommen (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) sieht tiefe Einschnitte in die Freiheit des Internets und die Privatsphäre der Nutzer vor.

Die Piratenpartei Deutschland kritisiert nicht nur den Inhalt des Abkommens scharf, sondern auch die Art und Weise, wie es geheim ausgearbeitet wird: Die bereits bekanntgewordenen Details müssen sorgfältig geprüft werden. Nicht nur Verletzer des Urheberrechts, sondern auch ganz normale Nutzer des Internets werden von den geplanten neuen Regeln betroffen sein.

Ein breites Netzwerk aus Bürgerrechts-, Entwicklungshilfe- und Bibliotheksverbänden sowie Bündnisse aus Schwellen- und Entwicklungsländern haben jüngst einen breiteren Zugang zu Wissen und Kultur gefordert. Auch haben sich die Mehrheitsverhältnisse in der "World Intellectual Property Organization” (WIPO) geändert, die für die geistigen Monopolrechte zuständig ist. Das ist ein Grund, warum jetzt begonnen wurde, neu zu verhandeln. Die Deutungshoheit soll wieder zugunsten der Lobbyverbände der Rechteindustrie verschoben werden.

Das ACTA-Abkommen soll unter anderem Urheberrechtsverletzungen im Internet bekämpfen. Es umfaßt Regelungen, die weit über das nationale Urheberrecht hinausgehen. Es will die Haftung Dritter ausweiten und das Haftungsprivileg für Internet-Provider einschränken. In dem Dokument werden neue Maßnahmen bis zur Sperrung von Internetanschlüssen aufgelistet; es ist unter der Federführung des USA entstanden.

Das Abkommen zielt unter anderem auf die Internet Service Provider. Diese sollen entweder für illegale Inhalte haften, die durch ihre Kunden bereitgestellt oder heruntergeladen werden, oder diesen Nutzern die Zugänge sperren. Die Provider werden daher gezwungen, den gesamten Datenverkehr ihrer Kunden zu überwachen. Damit verletzen sie sowohl deren Privatsphäre als auch das in Deutschland geltende Post- und Briefgeheimnis. Jeder Internetnutzer wird unter Generalverdacht gestellt und überwacht.

Durch die strikte Geheimhaltung der Inhalte des ACTA-Papiers soll die öffentliche Diskussion vermieden werden. Während die Interessenvertreter der Rechteinhaber an dem Vertragswerk mitschreiben, werden der Internetwirtschaft und den Nutzergruppen nur Ausschnitte zugänglich gemacht, die an rigide Verschwiegenheitsabkommen gekoppelt sind.

»Ein Abkommen von derartiger Tragweite darf nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt und über Nacht in Kraft gesetzt werden«, so Thorsten Wirth, Vorstandsmitglied der Piratenpartei. »Die Piratenpartei sieht hier massive Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte eines jeden Bundesbürgers sowie die potentielle Beschneidung des Grundrechts auf Information. Auch sind Fragen des Datenschutzes und der Überwachung des Internets ungeklärt. Die totale Überwachung jeglichen Internetverkehrs und die Kriminalisierung eines jeden Internetnutzers stehen in krassem Widerspruch zu geltendem Recht und dürfen nicht durch die Hintertür des EU-Rechts heimlich aufgezwungen werden.«

Die Piratenpartei Deutschland fordert und unterstützt den freien Zugang zu Informationen sowie die Unverletzlichkeit der Privatsphäre und den Schutz des Briefgeheimnisses. Die Bundesregierung muß sich dafür einsetzen, die genauen Inhalte des Abkommens und den aktuellen Verhandlungsstand offenzulegen und auf europäischer und internationaler Ebene den Stopp der ACTA-Verhandlungen verlangen.


Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlich für den Versand dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Wenn jemand Jahre damit

Wenn jemand Jahre damit verbringt, aus einzelnen Molekülen und deren bestimmter Kombination etwas Neues zu schaffen, dann lässt er sich dieses Neue schützen. Nicht, weil die Welt so böse ist sondern weil er die ganzen Jahre investiert hat und sich diese Investition für ihn dankbar zeigen sollte, indem er seine grandiose Idee verkauft. Und er würde zu Grunde gehen, wenn jeder andere die Idee auch sofort vermarkten dürfte, der nicht einen Tropfen Schweiß hineingesteckt hat.

copyright ist nichts philosophisches, es ist etwas rechtliches. Und in einem Punkt gebe ich dir Recht. Selbst die Rechtsprechung definiert keine klaren Grenzen, wann man ein Urheberrecht verletzt. Schon mit zwei Riffs oder erst beim Dritten, wenn dieser in Kombination mit dem letzten so ähnlich klingt wie der Mittelteil des Urheber Songs? Wenn du den "Unterschied" nicht erkennst, dann befasse dich bitte mit dem Urheberrecht und dessen Definitionen. Diese sind zum größten Teil plausibel und eben nicht immer mit Philsophie zu erfassen.

Um es philosophisch auszudrücken könnten wir uns Aristoteles bedienen:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Und man lässt sich das Ganze schützen, nicht sie Summe seiner Grundbausteine. Das wäre bei einer CD zum Beispiel das Cover, die Fotos darin, die Texte, die Melodien, die Art und Kombination der Instrumente, Mikros, Kompressoren, Pulte und Amps die man im Studio verwendet hat. All dies bildet ein Ganzes, für das sich jede Menge Leute lange Zeit arrangiert und eingesetzt haben. Und das möchten sie nicht einfach verschenken sondern evtl. ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Und deshalb gibt es das copyright

Und wenn ich mich auf die Straße stelle und Musik mache, will keine GEMA Geld von mir. Das will sie erst, wenn ich durch die öffentliche Darbietung meiner Musik selbst Geld von der GEMA bekommen will. Kein Musiker ist verpflichtet, einen Vertrag zu unterschreiben!

Übrigens: Man kann sich auch kaputt philosophieren. Ohne das böse zu meinen! :-)