Pressemitteilung - Veröffentlicht am 12. November 2009
In Münster wurde in diesen Tagen unter Mitwirkung der Piratenpartei ein erster Schritt zu einer neuen Art der Politik vollzogen. Sechs der acht im Stadtrat vertretenen Parteien schlossen sich zu einem losen Bündnis zusammen. SPD, Grüne/GAL, Die Linke, ÖDP, UWG und Piratenpartei verfügen auch unter Berücksichtigung der doppelten Stimme des CDU-Oberbürgermeisters über die Mehrheit im Rat der Stadt – gegen CDU und FDP.
Marco Langenfeld, Münsteraner Ratsmitglied aus den Reihen der Piratenpartei: »Wir wollen Münster zeigen, dass man auch ohne eine Festbindung Politik machen kann. Themenbezogene Zusammenarbeit fördert das Wohl der Stadt. Unsere Ziele sind vor allem sozialpolitischer Natur, aber wir werden Münster auch kulturell voranbringen.«
Dem Parteienbündnis liegt nicht das enge Korsett eines Koalitionsvertrages zugrunde. Dafür sind die Positionen zu weit voneinander entfernt. Starre Verpflichtungen gegenüber den anderen Parteien bestehen nicht. Die jeweiligen Ratsmitglieder können so rein themenbezogen ihre politischen Positionen vertreten und Antworten auf anfallende Fragen und Probleme finden. Dies ermöglicht den jeweiligen Ratsmitgliedern der sechs Parteien eine sachorientierte Politik, bei der pragmatische Lösungen zählen. Machtorientierung, wie sie sonst regelmäßig als Folge klassischer Koalitionsüberlegungen und -verhandlungen zu sehen ist, findet hier keinen Platz.
Die Piratenpartei sieht das Bündnis in Münster als einen ersten großen Fortschritt bei der Etablierung einer modernen Politik, die sich um Inhalte und Problemlösungen statt um Machterhalt und Posten kümmert. Dabei engagiert sich die Piratenpartei für einen offenen, vernetzten Politikstil und einen transparenten Staat und verzichtet auf lobbyistisch beeinflusste Hinterzimmerabsprachen.
Der am vergangenen Samstag von den NRW-Piraten zum Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2010 gekürte Nico Kern sieht weiteres Potential in diesem Modell. Für den 37-jährigen Rechtsanwalt muss die Zusammenarbeit nicht auf den Stadtrat in Münster beschränkt bleiben: »Wir laden vor diesem Hintergrund auch an anderen Orten und auf anderen Ebenen zur Zusammenarbeit ein, auch außerhalb von Stadt- und Gemeinderäten. Ein offener Dialog mit verschiedenen Interessengruppen wie Parteien oder Nichtregierungsorganisationen hilft, praktische Lösungen zu finden.«
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Landespressestelle Nordrhein-Westfalen der Piratenpartei Deutschland
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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar
Kommentare
Replik
Wie die FDP sich in der Regierung verkauft und ob sie eine gute Arbeit macht wird man sehen. Momentan sehe ich erst mal Sacharbeit, und das finde ich nach den vielen Schattengefechten und ideologischen Attacken, die auf einen "politischen Gegner" abzielen und dem Wähler imponieren sollen, angenehm. Als Bürger dieses Landes sind mir Leute, die ihre Arbeit tun, lieber als solche, die allüberall einen "politischen Gegner" sehen und bekämpfen.
Zum Zweiten: Linke Extremisten werden durch eine politische Zusammenarbeit hoffähig gemacht, und dagegen muss man die Lehren aus der deutschen Vergangenheit ziehen. Sie verteilen mir deshalb ein Denk- und Redeverbot, bezichtigen mich gar der Unverschämtheit, und dagegen verwehre ich mich.
Ich rede über die SEDPDSLinke, und Sie kommen plötzlich mit CDU und der katholischen Zentrumspartei daher. Dadurch, dass man mit dem Finger auf andere zeigt wird die eigene Schuld nicht getilgt. Es lenkt vom eigentlichen Problem ab, und das soll es wohl auch.
Ich gehe trotzdem mal auf Ihre Vorbehalte ein. Die katholische Zentrumspartei löste sich auf Druck der Nazis 1935 auf, Politiker der Partei waren danach im Untergrund gegen die Nazis aktiv, wer erwischt wurde landete im KZ. Die CDU bildete sich 1945 als katholische sozialistische Partei, ihr Gründungsaufruf ging zu großen Teilen von ehemaligen Verfolgten, Flüchtlingen und KZ-Opfern des Faschismus aus. Zu den ersten Mitgliedern der CDU gehörten viele der 10 Jahre vorher aufgelösten Zentrumspartei, andere ehemalige Zentrumsmitglieder gründeten die Zentrumspartei neu. Was soll also das ideologische Feindbild? Natürlich waren in allen Parteien, in CDU und SPD genauso wie in der SED (auch wenn letztere in ihrem Selbstbild wider besseres Wissen etwas anderes behauptet) auch Akteure und Kollaborateure des Faschismus. Man brauchte in der DDR aber nur, wie Baron von Ardenne, für die Russen an der Atombombe weiterzuforschen, schon war die Vergangenheit im Faschismus kein Problem mehr.
Nun zu den strukturellen Verbindungen zum Faschismus, die ich zwar nicht behauptet, die sie mir aber unterstellt haben. Was von Ihrer Seite wohl eher als Polemik und Denkverbot gedacht war, trifft trotzdem einen wahren Kern.
Von den 20er bis zu seinem Ende 1953 und weit darüber hinaus himmelten die westlichen Linken den Massenmörder Stalin an. Zwar kamen zahlreiche linke und jüdische Flüchtlinge, die etwa vor den Nazis aus Naivität in die Sowjetrepublik flüchteten, bei Säuberungen oder in Arbeitslagern um, aber das interessierte damals wie heute kaum jemanden. Man pflegt unter Linken eine gewisse Blindheit vor der eigenen Geschichte.
Im Gegensatz zu Habermas, der in seinem "Historikerstreit" als Linker für das ehemals linke Idol Stalin spricht und eine strenge, aber willkürliche Grenze zum Faschismus zieht, finde ich diese Grenze irrelevant. Antisemitismus, Gleichschaltung, Führerkult, Militarisierung, Überwachung, Arbeitslager, Massenmord. Das nimmt sich in meinen Augen wenig bis nichts. Das sehen aber insbesondere jene, deren Vorläufer Stalin nahestanden, anders.
Aus der stalinistischen Richtung wurde die sozialistische, in der Sowjetunion aus Scham und Überzeugung, in der DDR vorrangig durch Weisung. Die Kette führte im Osten von der SED über die PDS zur Linken, im Westen wurde sie über Splittergruppen weitergetragen. Aufgearbeitet wurde sie nicht. So konnte sich eine Frau Wagenknecht, seit 1989 SED-Mitglied aus Überzeugung, ehemals als Stalin-Anhängerin bekennen und sitzt trotzdem, über ihren Parlamentssitz hochdotiert, im Vorstand der SEDPDSLinken.
Ich wiederhole meinen grundsätzlichen Standpunkt nochmals: Mit extremistischen Parteien wie MLPD, SEDPDSLinke, Republikanern, DVU oder NPD sollte man, als Erfahrung aus der Geschichte, aber auch aus Rücksicht auf deren Opfer, nicht zusammenarbeiten.