Die Piratenpartei zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 9. November 2009

Berlin 1989 / wikimedia.org (cc by Lear 21) Lehren aus zwei Unrechtsregimen nicht vergessen – Bürgerrechte stärken statt aushöhlen

Am 9. November 2009 jährt sich zum zwanzigsten Mal der Tag des Mauerfalls, der als Symbol für das Ende eines der beiden großen Unrechtsregime des 20. Jahrhunderts auf deutschem Boden steht. Die Piratenpartei drückt anläßlich des Datums ihren großen Respekt vor dem Mut und den Taten aller aus, die mit ihren großen und kleinen Beiträgen zum Fall des Ost-Berliner Unrechtsregimes beigetragen haben. Unsere besondere Achtung gilt dem friedlichen Verlauf dieser Revolution, die gezeigt hat, dass es keiner Gewalt bedarf, um für Bürgerrechte, Selbstbestimmung und Freiheit zu kämpfen.

In diesen Tagen loben viele Politiker die historischen Ereignisse und die Rolle der Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR. Gleichzeitig werden aber bereits seit langem von denselben Politikern Initiativen gestartet und Gesetze verabschiedet, mit denen Bürgerrechte systematisch nach und nach zurückgedrängt werden und die die Freiheit des Einzelnen zunehmend bedrohen. Die Vorratsdatenspeicherung, die Abhörzentrale - vom letzten CDU-Innenminister Wolfgang Schäuble mit dem betont harmlos klingenden Namen "Zentralstelle für Kommunikationstechnlogien" in Köln eingerichtet - und die Umgehung der Einschaltung von Gerichten bei der Sperrung von Internetinhalten, die im Rahmen des Zugangserschwerungsgesetzes durchgesetzt werden soll, sind nur einige traurige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit dafür, wie Rechtsstaat und Bürgerrechte immer wieder ausgehebelt werden. Weitere Anschläge auf die Bürgerrechte und die Freiheit sind im kleinen wie im großen Stil geplant, sei es die geplante Aussagepflicht von Zeugen gegenüber der Polizei oder das internationale ACTA-Abkommen.

Die Piratenpartei ruft anläßlich der Bedeutung des historischen Tages vor 20 Jahren dazu auf, die Lehren aus zwei Unrechtsregimen nicht zu vergessen und die unmenschlichen Taten von Organisationen wie der Gestapo oder der Staatssicherheit auf deutschem Boden nicht zu verharmlosen.

Auch das seit dem 11. September 2001 oftmals nur als Deckmantel genutzte Argument steigender terroristischer Gefahren und die gezielt geschaffene Kultur der Angst dürfen nicht dazu führen, dass Staaten in unverantwortlicher Weise in die Freiheit des Einzelnen, in die Trennung der Gewalten und in die Bürgerrechte eingreifen. Freiheit ist das höchste Gut unserer Gesellschaft. Sie darf nicht leichtfertig im Rahmen eines politischen Aktionismus aufs Spiel gesetzt werden, der auf Machterhalt, Einschüchterung und Kontrolle ausgerichtet ist. Wir rufen daher die Bürger der Bundesrepublik Deutschland auf, sich gegen die zunehmende Einschränkung ihrer grundgesetzlich gesicherten Rechte zu wehren. Gleichzeitig fordern wir die Regierenden auf, die Rechte und die Privatsphäre des Bürgers zu achten und zu stärken, statt den Weg der schleichenden Entrechtung weiterzugehen.


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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Also das ist wirklich müßig.

Also das ist wirklich müßig. Natürlich kannst du alles radikalisieren: Folterungen, Hinrichtungen, Tote in Gefängnissen, völkerrechtswidrige Angriffskriege - das alles vereint das sog. 3. Reich mit den USA. Und? Nach deiner Logik mußt du dann auch die Konsequenzen ziehen und die USA als Unrechtsstaat bezeichnen.

Imo sind diese undifferenzierten Aussagen allesamt nichts wert, denn sie geben keine Antworten und sind bloßes ideologisches Gewäsch und sie verhindern eine vernünftige Geschichtsaufarbeitung.

Der 17. Juni 53 hat gezeigt in welchem Zustand sich die DDR befand. Es war ein Armutszeugnis für die Regierungen der Sowjetunion und der DDR. Fehlende Demokratie und zunehmende wirtschaftliche Probleme führten zu Mißstimmung in der Bevölkerung. Wo der Westen den Marshallplan bekam, hatte die DDR Reparationszahlungen in enormer Höhe zu leisten, die die Volkswirtschaft stark schwächten. Grundnahrungsmittel waren knapp, überhaupt war die Versorgungslage katastrophal.

In diesem Umfeld wurde 1953 demonstriert.

Nun muß man wissen, daß sich die DDR - Führung einer permanenten Bedrohung durch den Westen ausgesetzt sah. Und es war ja in der Tat schwierig. Der Westen war attraktiver, die Abwanderung und auch Abwerbung der Bevölkerung, vorallem auch der wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten, war ein substanzielles Problem. Trumans Containment-Politik war eine Kampfansage an den Osten. Der kalte Krieg wurde zunehmend schärfer. Und eines war klar. Die Sowjetunion konnte unter diesen Bedingungen die DDR nicht einfach aufgeben, ohne sich selbst bloßzustellen.

Man muß das wissen um zu verstehen, warum die Sowjetunion damals das Kriegsrecht ausrief und den Aufstand blutig niederschlug. Das der RIAS zusätzlich Versammlungsorte verkündete und zu weiteren Streiks aufrief heizte die Stimmung weiter an und wurde von Seiten des Ostens natürlich als reine Provokation gewertet. Das Ganze war ein trauriger Auswuchs des kalten Krieges.

Im übrigen gab es im Zuge des Aufstandes Opfer auf beiden Seiten. Nicht nur Demonstranten sind gestorben, auch einfache HO-Leiter (z.B. Hagendorn) wurden gelyncht, weil sie SED Mitglieder waren[1]. Auch das ist eine Seite des Aufstandes, die heutzutage gerne vergessen wird.

Jedenfalls ist es ein großer Fehler diese besonderen Ereignisse zu Verallgemeinern und daraus zu schlußfolgern, dass generell jeder Andersdenkende in der DDR sofort weggesperrt oder hingerichtet wurde. Das trifft einfach nicht den Kern und so war es nicht. Die Wahrheit ist vielschichtiger, als es BILD und andere Medien gerne hätten.

[1] http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=27390301&top=S...