Pressemitteilung - Veröffentlicht am 2. November 2009
Die Piratenpartei Deutschland lehnt das Vorhaben der Regierungskoalition ab, Zeugen zu Aussagen gegenüber der Polizei zu verpflichten.
Einer der hartnäckigsten Rechtsirrtümer ist, dass Polizisten das Recht haben, Zeugen auch gegen deren Willen zu vernehmen. In Wahrheit ist niemand gezwungen, gegenüber der Polizei eine Aussage zu machen oder einer polizeilichen Zeugeneinbestellung Folge zu leisten. Verpflichtend sind nur Vorladungen von Richtern und Staatsanwälten. Das deutsche Rechtssystem sieht Polizisten als Ermittlungsbeamte mit reinen Protokollbefugnissen. Das hat einen guten Grund, denn spontane Aussagen aus der Situation heraus sind oft unüberlegt und können zu fatalen Folgen führen.
Dem juristisch ahnungslosen Bürger ist jedoch unbekannt, dass er vor der Polizei gar nicht auszusagen braucht, zumal ihm der Fernsehtatort an jedem Sonntag anderes suggeriert. Für die Ermittlungsarbeiten ist es ja auch nützlich, Druck aufzubauen und Aussagen zu entlocken. Das deutsche Recht gibt dem Zeugen aber ganz bewusst die Möglichkeit, seine Aussage in Ruhe zu überlegen, sich gegebenenfalls mit einem Anwalt zu beraten oder sich gar von einem Anwalt begleiten zu lassen.
Das will die schwarz-gelbe Koalition ändern. Im Koalitionspapier findet sich die folgende Passage: »Wir werden eine gesetzliche Verpflichtung schaffen, wonach Zeugen im Ermittlungsverfahren nicht nur vor dem Richter und dem Staatsanwalt, sondern auch vor der Polizei erscheinen und – unbeschadet gesetzlicher Zeugenrechte – zur Sache aussagen müssen.«
Die Piratenpartei wendet sich gegen dieses Vorhaben. John Martin Ungar, Dortmunder Direktkandidat der Piraten für die nordrhein-westfälische Landtagswahl 2010: »Sollte das tatsächlich Gesetz werden, hätten wir eine Amerikanisierung des deutschen Polizeirechts. Eine Polizei, die sich wie die Herren im Lande aufführt, wollen wir in Deutschland aber nicht.«
Auch Richard Klees, politischer Geschäftsführer der NRW-Piraten, verurteilt diese Beschneidung der Zeugenrechte: »Sicherheit und Fahndungserfolge entstehen nicht durch die Einschränkung der Freiheit. Sollte die Bundesregierung mit diesen Plänen ernst machen, fordern wir alle Demokraten zum Protest auf.«
Quelle:
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/10/25/von-der-polizeiwache-in-die-ordnungshaft
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar
Kommentare
Dünnpfiff!
Leute, wieviele Staatsanwälte sollen sich denn mit Zeugenbefragungen aufhalten?? Wieviele Staatsanwälte dürfen dann eingestellt werden, wenn die Polizei, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Befragungen durchführt, nutzlos wird?? Hunderttausende neue Stellen sind es, die dann nötig wären. Es ist doch dummes Zeug. Die Polizei befragt immer die Zeugen im AUFTRAG der Staatsanwaltschaft. Wenn man pingelig ist, dann kann man das natürlich ablehnen. Die Staatsanwaltschaften haben nicht die Zeit, bei jedem blöden Unfall die Zeugen zu befragen. Jau! Toll. Wir haben die Kohle ja. Staatsanwälte sind heute schon vollkommen überlastet! Es ist daher Usus, die Polizei in Einsatz/Ersatz zu bringen. Und auch Aussagen kann man sich im Vorfeld gut überlegen, egal ob bei der Polizei oder vor der Staatsanwaltschaft. In Vorladungen als Zeuge steht übrigens sowieso keine Rechtsbelehrung, daß man dort gar nicht zu erscheinen hat, wenn man es nicht will. Es ist also alles nur ein Krampf oder eher als Blähungen abzuhaken. Man muß sich selber juristisch bilden oder einen Anwalt aufsuchen, auch als Zeuge. Jura ist schließlich nicht umsonst das längste und schwierigste Studium. Das muß sich lohnen, also jammert nicht, sondern zahlt gefälligst an Dr. jur..