Veröffentlicht am 22.09.2009
Wie am Montag, dem 21.09., bekannt wurde, hat die FDP im Rahmen der Koalitionsgespräche mit der CDU in Sachsen einer verstärkten Überwachung der Internet-Telefonie zugestimmt. Die Piratenpartei lehnt diese und ähnliche Vorstöße, die unsere Bürgerrechte einschränken, entschieden ab. Die Piraten rufen insbesondere die Jungen Liberalen dazu auf, bei der Wahl am 27.9. ihre Stimme einer Partei zu geben, für die Bürgerrechte nicht zur Verhandlungsmasse bei Koalitionsvereinbarungen gehören.
Laut einem Bericht des Verlages „heise“ verspricht die schwarz-gelbe Regierung, "bestehende Eingriffsmöglichkeiten bei der Telefonüberwachung auch auf Internet-Telefonie" auszudehnen. Die dazu eingesetzte Technik ist nach Angaben von heise.de vergleichbar mit der für heimliche Online-Durchsuchungen.
Die Piratenpartei verurteilt diese Forderung scharf. "In ihrem Parteiprogramm behauptet die FDP, sich dafür einzusetzen, dass der Staat von den ihm zur Verfügung stehenden Eingriffs- und Überwachungsbefugnissen 'nur in engen Grenzen Gebrauch machen' darf", erklärt Nicole Hornung, Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei. "Doch zwischen dem, was die FDP sagt und dem, was sie tut, besteht nicht zum ersten Mal ein Unterschied wie Tag und Nacht".
Auch ihr Vorstandskollege und hessischer Spitzenkandidat der Piratenpartei Thorsten Wirth äußert sich zu den geplanten Grundrechtseingriffen: "Schon die bestehenden Überwachungsgesetze, an deren Errichtung die FDP in vielen Fällen mitgewirkt hat, stellen die Bürger in unserem Land ungerechtfertigt unter Generalverdacht. Es ist gut, dass Maßnahmen wie der Große Lauschangriff mittlerweile auch innerhalb der FDP, vor allem bei den Jungen Liberalen, als Fehler erkannt und zugegeben worden sind. Doch die Parteispitze interessiert sich offenbar nicht ausreichend für die Wünsche ihrer eigenen Wähler."
Entsprechend zieht Wirth ein düsteres erstes Fazit für die erst seit wenigen Wochen in Sachsen regierende schwarz-gelbe Koalition: "Gerade noch wirbt die FDP in Online-Videos damit, dass sie als einzige Partei zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre wieder zurücknehmen werde. Und noch während dieses Wahlversprechen gegeben wird, plant sie statt deren Umsetzung lieber noch weiter gehende Grundrechtseingriffe. Wer Bürgerrechte wählen will, muss die Piraten wählen", bringt es Thorsten Wirth daher auf den Punkt.
Links:
Schwarz-Gelb in Sachsen will Internet-Telefonie besser überwachen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/145642
FDP zum Thema Bürgerrechte: http://www.fdp-bundespartei.de/webcom/show_article.php?wc_c=1412&wc_id=104
Ziele der Piratenpartei: http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/ueberwachung
Das Wahlwerbevideo der Jungen Liberalen zu Bürgerrechten: http://www.youtube.com/watch?v=MT0e2XMtV3U
Die Reaktion der Piratenpartei darauf: http://www.youtube.com/watch?v=JKW7LvhtWmU
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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Kommentare
So komisch ist das nicht,
So komisch ist das nicht, finde ich.
Schon die Worte "Kontrolle" und "Überwachung". Diese Worte zeigen wie sehr die Grenzen verschwimmen.
Ein Krimineller braucht nicht "kontrolliert" oder "überwacht" zu werden.
Üerwachen und Kontrollieren bedeutet: "Ich traue dem da nicht!" - und "der da" ist der Bürger.
Aus dieser Haltung des grundsätzlichem Misstrauens resultierte die Stasi.
Wie man lesen kann nimmt die Anzahl der überwachten Telefonate immer mehr zu, der Innenminister will den Verfassungschutz "stärken" wie er das nennt. Es wäre interessant zu wissen, wieviele "mehr" Erfolge es durch das "mehr" an Überwachung gegeben hat.
Und auch schon mal daran gedacht, das dieses "immer mehr" an Übewachung dazu führen wird auch Unbeteiligte "abgehört" werden, und evtl. selber ins Visier der Fahnder geraten.
Was passiert mit "nicht relevanten" Daten? Werden diese gelöscht?
Oder werden sie gespeichert, weil man "ja nie weiß, ob nicht vielleicht doch"....?
Zum anderen:
Glauben Sie im ernst, das Terroristen so dumm sein werden am Telefon ganz offen über Anschlagspläne zu plaudern? Das sind keine "dummen Halbwilden" sondern hochintelligente Täter.