Veröffentlicht am 16.09.2009
Die Piratenpartei Deutschland lädt zu einer Pressekonferenz, um wesentliche Forderungen für den Fall einer Regierungsbeteiligung vorzustellen. Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines neuen Ministeriums, um zentrale Ziele des Wahlprogramms umzusetzen.
Zu den Hintergründen des Konzepts
Die derzeitige Struktur der Bundesregierung und ihrer Ministerien erfüllt in weiten Teilen nicht die Anforderungen an eine moderne Administration in einer globalisierten Netzwerkgesellschaft. Der aktuelle Zuschnitt der Ministerien ist vor allem Folge von parteipolitschem Geschacher und folgt selten einem nachvollziehbaren Konzept.
Zukünftige Bundesregierungen werden sich auf Dauer einer umfassenden Neuordnung der Bundesministerien nicht verschließen können.
Die Piratenpartei Deutschland fordert als ersten Schritt die Einrichtung eines Ministeriums für die Wissens- und Informationsgesellschaft, das alle hierfür relevanten bundespolitischen Aktivitäten bündelt. Damit sollen die Defizite in der Entwicklung der IT- und Medienkompetenz in Staat und Gesellschaft beseitigt werden.
Das neue Ministerium soll sich aus Abteilungen und Referaten aus 13 Bundesministerien zusammensetzen. Im Zuge der Schaffung dieses Ministeriums werden bestehende Ministerien zusammengelegt oder aufgelöst werden.
Zur Einladung
Im Rahmen der Pressekonferenz werden die Pläne zur Ausgestaltung des Ministeriums erläutert. Des Weiteren werden in der Entwicklung befindliche neue Demokratiekonzepte (“Liquid Democracy”) für die
Informationsgesellschaft vorgestellt.
Zeit:
Montag, den 21.9.2009, 10:00 - 11:00, Einlass ab 9:30
Ort:
Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
Ablauf:
9:30 Einlass
10:00 - 10:05 Begrüßung und Einführung
(Nicole Hornung, Mitglied des Bundesvorstands)
10:05 - 10:10 Vorstellung “Liquid Democracy”
(Florian Bischof, Spitzenkandidat und Mitglied des Vorstandes im
Landesverband Berlin)
10:10 - 10:20 Vorstellung des Ministeriums (Pavel Mayer, Christopher Lauer, Bundesgeschäftsstelle)
10:20 - 11:00 Fragen der Presse
Informationsmaterial zu den Themen der PK erhalten Sie auf Anfrage.
Update: Hier findet sich der Link zum offiziellen Dokument
Kommentare
Aufklösung der Ministerien
Die Planung eines neuen Informationsministeriums macht politisch durchaus Sinn
und deshalb ist es vollkommen in Ordnung dieses Versäumnis der großen Koalition
vorzuwerfen.
Doch wenn gefordert wird, dass die bisher bestehenden Ministerien aufgelöst werden, anstatt Spiegelkabinetten aller Ministerien in diesem neuen Ministerium zur besseren Kommunikation zu schaffen, wird plötzlich der Mangel an politischem Know-How der Partei deutlich.
Die Reduktion aller politischen Probleme auf das Netz unterstreicht erneut, wie wenig die Piratenpartei zu der politischen Weiterentwicklung der Regierung beitragen kann. Ich muss an die führenden Mitglieder appelieren so schnell wie möglich Politikwissenschaftler zu adcquirieren, um nicht weiter Potential für unsinnige Vorschläge zu verschenken. Fünf Prozent könnten noch erreicht werden.
Abgesehen von den hohen Kosten die eine solche Umbildung verschlingt, würden Decision-Making-Strukturen abgebaut werden, die sich in den einzelnen politischen Feldern bewährt haben und etablieren konnten. Mit den gewachsenen Ministerien hat auch die Professionalität der eigenen Arbeit zugenommen, weshalb allein aus diesem Grund eine AUflösung oder Zusammenlegung der Ministerien absurd erscheint. Man würde die administrative Kraft des Staates praktisch ausschalten bis alle notwendigen Strukturen in diesem 'neuen' Ministerium wieder GENAUSO aufgebaut wären.
Der Arbeitsplatzverlust und die verursachten Kosten der Ausbildung neuer kompetenter Kräfte würde die Bundesrepublik um Jahre zurückwerfen und wieder genauso de-institutionalisieren und damit zurückentwickeln, wie dies in Bürgerkriegsländern wie Ruanda geschehen ist. Arbeitsplatzverlust und Finanzierungsprobleme in den Kommunen wären die Folge. Ganz zu schweigen von der plötzlich wankenden Rechtssicherheit, die bisher ein stabiles Investitionsklima für ein konstantes Wirtschaftswachstum geschaffen hat. Die Verteilung von Subventionen und anderen Fördermitteln, von staatlicher Unterstützung im Industrie- und Kulturbetrieb würden die öffentlichen Räume zurückentwickeln.
Nichtsdestotrotz ist der Plan eines Netzministeriums sinnvoll und mit dem Know-How des Bundesnachrichtendienstes sicherlich auch entsprechend produktiv. Allerdings würden dann die Grundprinzipen der Piratenpartei verletzt. Der gläserne Bürger würde zentriert, denn verwalten kann man die Netzstruktur und den Inhalt nur über die Bündelung des Informationsflusses. Und soweit ich verstanden habe ist doch Dezentralisierung eines der Hauptanliegen der Partei-Agenda.
Sinnvoll wäre die Bildung eines Ministeriums für Kommunikation nur in Ergänzung zu allen bisher gegründeten Ministerien.