Der Bundesvorstand der Piratenpartei fordert das Parteimitglied Bodo Thiesen dazu auf, sich eindeutig und endgültig von seinen fragwürdigen Äußerungen zum Holocaust zu distanzieren. Bereits im Juni 2008 hatte der Vorstand Thiesen dafür eine Verwarnung erteilt. Durch die erneut laut gewordene Kritik innerhalb der Partei sowie in der Blog- und Twittersphäre hält der Vorstand eine noch klarere und deutlichere Distanzierung für nötig. Sollte Bodo Thiesen dieser Aufforderung nicht binnen 24 Stunden nachkommen, wird der Bundesvorstand die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.
Die Piratenpartei steht für Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie. Sie verteidigt die Werte der Aufklärung und des Humanismus, die u.a. durch Internet-Zensur und Überwachungsstaat gefährdet sind.
Der Bundesvorstand erklärt daher im Namen der Piratenpartei:
"Wir erklären hiermit in Übereinstimmung mit der Satzung der Piratenpartei Deutschland, dass wir faschistische Bestrebungen jeder Art entschieden ablehnen.
Weiterhin erklären wir, dass wir den Holocaust als historische Tatsache ansehen und deren Relativierung oder Verharmlosung nicht dulden werden.
Wir haben keinen Zweifel daran, dass im Zuge dieses historisch einzigartigen Verbrechens des nationalsozialistischen Deutschlands circa 6 Millionen Menschen umgebracht worden sind, die meisten von ihnen Juden.
Wir haben demütigen Respekt und tiefes Mitgefühl für die Opfer dieses Verbrechens und ihre Angehörigen.
Wir werden auch in Zukunft keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass dies eine gemeinsame Position der PIRATEN ist."
Diesen Schritt halten wir für nötig, weil Bodo Thiesen seit Sonntag das Amt eines stellvertretenden Schiedsrichters innehat und auf einer Liste des Landesverbands Rheinland-Pfalz steht. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes und von uns Piraten außerordentlich wertgeschätztes Gut. Amtsträger der Partei sind aber in der besonderen Pflicht, die damit verbundene Verantwortung über ihre eigenen Interessen zu stellen und Schaden von der Partei abzuwenden.
Datum: 7.7.09
Update: der Verweis vom 5.6.2008 findet sich hier:
http://wiki.piratenpartei.de/2008-06-05_-_Vorstandssitzung#TOP_4.1:_Revi...
Hinweis vom 8.7: der Vorstand wird das weitere Vorgehen auf der nächsten ordentlichen Sitzung am 16.7.2009 besprechen. Bodo Thiesen hat rechtzeitig eine Stellungnahme zugesagt, an deren Formulierung er noch feilt. Wir entschuldigen uns für die lange Wartezeit, aber wir arbeiten leider nur ehrenamtlich und müssen für unseren Lebensunterhalt einem Beruf nachgehen.
Weiterer Hinweis vom 8.7: Bodo Thiesen hat seine Stellungnahmen abgegeben: https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Bodo_Thiesen/Distanzierung .
Der Vorstand wird am 16.7.09 entscheiden, was er davon hält.
Kommentare
Holocaustleugnung/Revisionismus
Mal in aller kürze - was glaube ich ein wenig untergeht, und auch sonst in der Auseinandersetzung oft vermischt wird, ist professioneller Revisionismus, Holocaustleugnung und Kritische Fragen nach Fakten und Quellen.
Diese 3 Dinge müssen wir voneinander unterscheiden. Die ersten beiden sind dumm und kriminell. Darauf sind andere auch schon schön eingegangen.
Das dritte Phänomen ist bei Jugendlichen, oder allgemein bei Menschen verbreitet, die nicht aus einer politisch aktiven Szene kommen, und für die das Dritte Reich ein tabubesetztes Thema ist, über das man nicht spricht, das auch nicht in Frage gestellt werden darf, und so weiter.
Beispiele, wie sie viele kennen;
Jugendlicher bekommt Material von "Profis" in die Hand, das den Holocaust leugnet. Das Zeug ist natürlich schierer Schwachsinn, wir wissen das auch. Der Jugendliche, wenn er in einer kritischen Phase ist und seine Geschichtslehrerin eh hasst, denkt sich - hmmm, damit kann ich die mal so richtig fertigmachen. Oder das diffuse Gefühl, von den Erwachsenen belogen worden zu zu sein, verstärkt sich noch.
Vielleicht will er aber auch gar nciht provozieren, sondern geht mit dem Material ernsthaft zu seiner Lehrerin und will wissen, wie es wirklich war. Diese bekommt aber einen roten Kopf und schreit rum, statt ordentlich mit Quellen dagegenzuhalten.
Der Holocaust wurde verübt, dafür gibt es Beweise - warum operieren Lehrer nicht mit Fakten, sondern mit schlechtem Gewissen und Schuld? Wir müssen die Wahrheit nicht fürchten, also warum tun wir es?
Analogien zu Frau von der Leyens emotionsgeladener Symbolpolitik sind mehr als zufällig ;o)
Schönen Tag noch...
(bevor jemand fragt - ich habe Geschichte studiert, aber nicht auf Lehramt, und mein Schwerpunkt ist auch ncihtdas 3. REech)