Löschen statt Sperren - Rede in Hannover

Rede des Parteivorsitzenden, Dirk Hillbrecht auf der Demo in Hannover:


Rede Hillbrecht "Löschen statt Sperren"

Dirk wird heute abend auch im öffentlichrechtlichen Fernsehen (phoenix) diskutieren:
Unter den Linden (Mo, 22.06.09, 22.15 - 23.00 Uhr)
"Unter Piraten - Wem gehört das geistige Eigentum?"

Edit: Die Sendung ist nun auch als Torrent verfügbar: http://www.piratenpartei.de/tmp/PHOENIX_Unter_den_Linden_23-06-2009_09h1...

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RHETORISCHE PROBLEME BEI „UNTER DEN LINDEN“

In der Sendung kam Dirk recht schwach rüber, was zum einen an der Art der Moderation lag – aber stärker vielleicht an einigen Dingen, die ich hier mal versuche zu definieren:

1.
„Ich finde…“, „Ich meine…“
Das sind Floskeln, die jede Aussage distanzieren.
Ist ja nur seine Meinung – was geht mich das an?

2.
Größere Klappe.
Allzu oft wurde versucht, beschwichtigend und diplomatisch die Idee von Freiheit im Internet zu vermitteln. Die Punkte „Kontrolle des Empfängers“ oder „geistiges Eigentum“ wurden hier eher als Reaktion auf CDU und Moderator kommentiert.
Das muss anders sein. Man muss gerade hier das Steuer in die Hand nehmen und auf rhetorisch geschickte Art den Zuschauern neue und spannende Ideen in die Hand geben, die sie auch nach der Sendung beschäftigen.

3.
„Damit haben wir ein Problem…“
Oft wirkte es so, als sperre sich die Partei nur gegen die Missbrauchsaspekte von Zensurmaßnahmen. Hier fehlt es an einer eindeutigen und schlagfertigen Aussage, die jeder Durchschnittsbürger nachvollziehen kann.
Die Gegenseite sagt: „Der Staat muss das Netz kontrollieren, dann gibt es nichts Böses mehr.“
Die Masse will sowas gern glauben, und Freiheit ist für sie einfach ein abstrakter Begriff.
Man sollte keine Probleme rauspicken, sondern neue Visionen evozieren!

4.
Packende Vergleiche.
Postkutsche und Eisenbahn ist schon mal ganz schön – aber besser wäre es gewesen, dem Zuschauer auch ein paar von den gesellschaftlichen Veränderungen mitzuteilen, die dieser technische Fortschritt mit sich brachte. (Es konnten Menschen reisen, die es vorher nicht konnten. Gebiete wurden erschlossen. Wirtschaftlich öffneten sich ganz neue Märkte.)
Bei der „Kontrolle des Empfängers“ hätte sich die Übertragung auf volksnahe Aspekte angeboten. (Kunden kontrollieren, um Ladendiebstahl zu verhindern. Öffentliche Versammlungen verbieten, um vor Terroranschlägen sicher zu sein.)
Zu Gefahren und Nutzen der Dinge hätte man sicher Autos nennen können – eine Technologie, die jährlich für zahllose Unfälle, Tote und unfassbare Umweltverschmutzung verantwortlich ist, die aber sicher niemand ernsthaft zu verhindern erwägen würde. „Zensurmaßnahmen des Internets sind vergleichbar mit einer universellen Tempo-30-Beschränkung – auch auf Autobahnen. Sicher denk- und durchführbar. Aber praktikabel…?“

5.
Die Gegenseite ins Schwitzen bringen.
Man sollte auch mal Gegenfragen stellen, denen CDU und Moderator nicht sofort etwas entgegen zu setzen haben.
„Muss man denn veraltete Marktformen mit Staatshilfe am Leben erhalten, wenn sich ganz neue entwickelt haben?“
„Beruhigt es Ihr Gewissen, wenn sie unsinnige Sperren errichten, um Delikte nicht mehr ernsthaft verfolgen zu müssen?“
„Heißt das, sie resignieren vor dem Mangel an Strafverfolgung in Brasilien und schränken stattdessen lieber die Freiheitsrechte in Deutschland ein?“

6.
Freiheit.
Ich glaube ernsthaft, dass den meisten Menschen nicht klar ist, was Freiheit eigentlich bedeutet.
Glaubt man der Gegenseite, dann ist Freiheit eine Gefahr, weil es heißt, dass böse Menschen sich die Freiheit nehmen, böse Sachen zu machen.
Es sollte Kernpunkt bei jeder öffentlichen Rede sein, die Menschen daran zu erinnern, dass Freiheit zu den besten und wichtigsten Errungenschaften menschlicher Entwicklung gehört.
Nur dann werden sie auch verstehen, wofür die Piraten überhaupt stehen.