Die Piratenpartei ruft zu Demonstrationen gegen das "Zugangserschwerungsgesetz" auf, das heute vom Bundestag verabschiedet wurde.
Dirk Hillbrecht, Bundesvorsitzender der Piratenpartei, erläutert das vom Gesetz missachtete Demonstrations-Motto "Löschen statt sperren - Stoppt die Internet-Zensur!": "Wir verlangen wirksame Maßnahmen gegen Kinderpornographie und das heißt: Die Inhalte müssen aus dem Netz verschwinden und nicht hinter Stoppschildern versteckt werden. Außerdem protestieren wir gegen die Einführung einer Zensurinfrastruktur im deutschen Internet. Vielfacher Protest im Vorfeld und die erfolgreichste Petition in der Geschichte der Bundesrepublik haben die Regierung nicht interessiert. Die einzigen Reaktionen von SPD und CDU sind Unverständnis und hämische Kommentare. Es wird Zeit, auf die Straße zu gehen!"
Zusammen mit anderen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen hat die Piratenpartei bereits im Vorfeld scharfen Protest geübt.
Dazu Hillbrecht: "Das Gesetz etabliert eine Zensurinfrastruktur, wie es sie im freiheitlich-demokratischen Deutschland noch nie gegeben hat. Kinderpornographie lässt sich damit aber in keiner Weise verhindern oder eindämmen, wie es von den Befürwortern behauptet wird. Stattdessen sind die missbrauchten Kinder nur billiges Vehikel, um den Wünschen von Musikindustrie und politischen Hardlinern nach einer umfassenden Internetzensur populistischen Nachdruck zu verleihen. Mit diesem Internetzensurgesetz werden die Grundfesten der Meinungsfreiheit in Deutschland irreparabel geschädigt."
In Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover und weiteren Städten finden deshalb am Samstag, 20. Juni 2009, um 12:00 Uhr Protestdemonstrationen statt. Genauer Ort sowie das Programm finden sich auf http://www.LoeschenStattSperren.de. Die Piratenpartei ruft alle demokratischen Kräfte auf, sich an diesen Veranstaltungen zu beteiligen. Die letzte parlamentarische Möglichkeit, diesen Wahnsinn zu stoppen, liegt jetzt beim Bundesrat. Je stärker und zahlreicher unsere Demonstrationen sind, desto schwieriger wird es für die Abgeordneten, die Stimme des Volkes zu ignorieren.
Kommentare
cdu-bundestag.de gehackt!
Auf der Website cdu-bundestag.de findet man aktuell ein hübsches rotes Stopp-Schild mit folgendem Text:
Ihr Internet-Browser versucht gerade,
Kontakt zu einer Website herzustellen, die
im Zusammenhang mit der Sperrung von Web-
seiten steht. Die Sperrung von Webseiten stellt keine
effektive Maßnahme im Kampf gegen Kinderpornografie dar.
Wer sich von der Strafbarkeit von Kinderpornografie nach § 184b
StGB nicht abschrecken lässt, der lässt sich sicher nicht von einem leicht
zu umgehenden roten Achteck abschrecken.
Die Kritik an der Sperrung von Webseiten hat nichts mit Befürwortung von
Kinderpornografie zu tun. Im Gegenteil, der Kampf gegen Kinderpornografie muss
verstärkt und mit effektiven Mittel geführt werden und nicht mit Aktionismus.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, wie u.a. die Musik- und die Filmindustrie mit ihren Prozessen immer wieder aufs Neue beweisen.
STOPP!
Viel effektiver wäre die Löschung der Webseiten, die Kinderpornografie enthalten. Im Gegensatz zur Löschung, die zu einer Entfernung der Inhalte aus dem Internet führt,
bleiben die Inhalte bei einer Sperrung der Webseite weiterhin vorhanden und mit
minimalem Aufwand aufrufbar.
Falls Sie Einwände gegen die Sperrung dieser Website haben oder sie für nicht
korrekt oder ungerechtfertigt halten oder es Sie betroffen macht, so kontaktieren
Sie bitte folgende E-Mail-Adresse kontakt@cdu-bundestag.de
Die Sperrung dieser Webseite erfolgt ausschließlich, um die
Verbreitung von Darstellungen der Effektivität der Zugangs-
erschwerung durch Sperrung sowie weiterer Sperrpläne von
Webseiten zu erschweren.
Diese Webseite ist mit einer Ausdrucksperre
versehen, deren Umgehung gemäß
§ 95a UrhG verboten ist.