Pressemitteilung der Piratenpartei vom 12.6.2009
Internet-Sperren helfen Straftätern
Das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet schadet nach Ansicht der Piratenpartei dem eigentlichen Zweck. Durch das Sperren werden Listen mit brisanten Seiten generiert, die als eine Art "Einkaufsliste" von Straftätern missbraucht werden können und zudem als Frühwarnsystem für Betreiber illegaler Inhalte dienen.
Mit frei zugänglichen Netzwerk-Werkzeugen lässt sich mit geringem Aufwand, völlig automatisch die Liste der brisanten, gesperrten Seiten ermitteln, und damit eine Art "Kinderpornografie-Katalog" erstellen. Auf diese Art wurden bereits Sperrlisten in anderen Ländern trotz strenger Geheimhaltung ermittelt und kursieren seitdem im Internet. Das wird nach unserer Einschätzung auch mit der deutschen Sperrliste der Fall sein. Der Zugang zu kinderpornographischen Angeboten würde so sogar erleichtert statt erschwert.
Andreas Blochberger von der Piratenpartei erklärt: "Für Betreiber illegaler Seiten eröffnen Internetsperren außerdem die Möglichkeit, zu überprüfen, ob ihr Angebot bereits unter Verdacht geraten ist. Damit wird den Betreibern ein Frühwarnsystem an die Hand gegeben, welches die Strafverfolgung massiv erschwert."
Jens Seipenbusch, stellv. Vorsitzender der Piratenpartei erklärt zu dem Vorhaben: "Am 18. Juni soll im Bundestag die zweite und dritte Lesung zum Gesetz stattfinden, damit es noch vor der Sommerpause abgesegnet werden kann. Die auffällige Eile und die Tatsache, dass die Lesungen an einem Tag zusammengelegt werden, legen die Vermutung nahe, dass hier schnell ein Gesetz unter fadenscheinigen Vorwänden durchgepeitscht werden soll, noch bevor die öffentliche Debatte stattgefunden hat. Die Online-Petition gegen das Gesetz mit knapp 120.000 Unterzeichnern ist einmalig und sollte von der Regierung ernst genommen werden!"
Die Piratenpartei fordert die Regierung auf, Kindermissbrauch und dessen Dokumentation im Internet effektiv aber ausschließlich mit rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen: Da kriminelle Angebote gelöscht werden müssen, gibt es keinen Grund, sie bloß zu verstecken. Gegen die Täter muss wirksam strafrechtlich ermittelt werden. Die internationale Zusammenarbeit im Sinne der Kommunikation der Sicherheitsbehörden zum Abschalten der Angebote muss verbessert werden. Grundgesetzwidrige Maßnahmen oder das Umgehen der Gewaltenteilung sind in diesem Zusammenhang absolut nicht hinnehmbar. Die kontraproduktiven Vorschläge der Bundesregierung müssen gestoppt werden.
Kommentare
Re: Internet-Sperren helfen Straftätern
Internetstraftäter der härteren Gangart dürften sich mittlerweile - sofern nur etwas Verstand vorhanden - auf nahezu anonymisierte bzw. verschlüsselte Weise austauschen. Was soll da also eine Sperrung bringen und was sollte überhaupt von außen zu sperren sein, daß ohnehin nur internen Kreisen offensteht?
Im Gegenteil: durch solch kurzsichtige Aktionen wie Internet-Sperren werden leichtsinnige Mitglieder der entsprechenden kriminellen Szenen doch erst für die Nutzung verschlüsselter Datenwege sensibilisiert.
Somit dürfte es beispielsweise der Kripo zukünftig nurmehr erschwert werden, Kunden diverser Kinderporno-Anbieter relativ problemlos 'abzufischen'.
Mir scheint es , daß es hier nicht so sehr um den Schutz unserer Kinder geht als vielmehr darum, sich einem Problem (mal wieder) mit der Devise 'Aus den Augen, aus dem Sinn' vermeintlich zu entledigen. Ferner könnten mit Einführung diverser Sperrlisten auch gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, auf deren Basis sich im Prinzip auch 'staatsgefährdende' oder gar 'lobbyfeindliche' Meinungen gegenüber der Öffentlichkeit unterdrücken ließen.