Die Piratenpartei kritisiert scharf den hilflosen Aktionismus der Innenministerkonferenz und fordert alle Computerspieler auf, bei der Europawahl diesen Sonntag ein erstes Zeichen zu setzen. Als ein Ergebnis der Innenministerkonferenz wurde ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von sogenannten "Killerspielen" erreicht. Nach der Bundestagwahl droht dann auch noch ein Verbot von Paintball.
Thorsten Wirth, Kandidat der Piratenpartei für die Europawahl, sträuben sich bei solchen Vorhaben die Nackenhaare: "Die Politik zeigt weiter, wie bizarr weltfremd sie mit der Jugendkultur umgeht und wie sehr sie mit der Dummheit der Wähler rechnet. Dass jedesmal wenn ein Jugendlicher Amok läuft, sich ein ganz schlauer Politiker ins Bild drängt und die bösen Computerspiele als Übeltäter ausmacht, ist quasi schon ein 'running gag', auf den gewettet wird.
Die logische Konsequenz aus derlei Vorgehen wäre: Abschaffung der Bundeswehr, Verbot von Schusswaffen aller Art, Verbot von Brettspielen, deren Ziel die Vernichtung des Gegners ist (Schach, Dame, Risiko ...) . Wo bleibt da eine angemessene Analyse und warum stellt nicht mal jemand die gesellschaftlichen Hintergründe einer Tat wie in Winnenden in Frage? Jugendliche werden auch vom System Schule, von der Gnadenlosigkeit unserer Gesellschaft zu Amokläufern, wo bleiben hier die Konsequenzen?
Ich selber spiele gerne diese sogenannten 'Killerspiele', man organisiert LAN-Parties und tüftelt Strategien aus, übt seine Geschicklichkeit und hat auch einfach eine geile Zeit zusammen. Wie dumpf ist es denn, erwachsenen Menschen so eine verlogene Moral aufzuzwingen?"
Auf der Konferenz der Innenminister wurde auch über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren und den Bedarf nach einer neuen Sicherheitsarchitektur als Antwort auf die Bedrohungen durch Terrorismus und das Internet gesprochen. Darauf entgegnet der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei und Europawahlkandidat, Jens Seipenbusch:
"Wir lehnen einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren strikt ab. Ich bin überrascht, dass noch vor Aufarbeitung des verfassungswidrigen Einsatzes der Bundeswehr auf dem G8-Gipfel von Heiligendamm die dafür Verantwortlichen weiterhin vollkommen ungeniert ans Werk gehen und die Verfassung ihren persönlichen Vorlieben anpassen wollen. Die sogenannte neue Sicherheitsarchitektur ist nichts anders als ein weiterer Schritt zu einem rigorosen Überwachungsstaat."
Kommentare
die gleichen...
...Politiker die einen noch in den 80er Jahren kriminalisiert haben wenn man keinen Wehrdienst leisten wollte - die kriminalisieren einen jetzt wenn man z.T. gewalttätige Spiele spielt!?
Ich kann bei der ganzen Killerspiel-Spieler - Amokläufer - Debatte immer noch keinen Zusammenhang erkennen - und es wird auch nie einen geben.
Wo es aber sehr wohl einen Zusammenhang gibt: Straftaten (vor allem Gewalttaten) unter Alkoholeinfluß. Reaktion der ach so um unser wohl besorgten Politiker: keine - Alkohol ist immer noch für die meissten Leute in Deutschland (ausser Minderjährigen - und die haben Mittel und Wege) frei erhältlich - und als Droge auch noch recht günstig.
Oder: Todesfälle durch Nikotin in Deutschland: über 40000 jedes Jahr - aber trotzdem ist Rauchen nicht verboten.
Ein paar durchgeknallte Jungs ballern aus welchen Gründen auch immer um sich - etwa 30 Tote in Deutschland in 10 Jahren ( http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1871/umfrage/opferzahl-bei... ) - aber schon schreit die realtitätsfremde Politik nach Verboten.
Deshalb: weiter mit den Piraten und weiter mit unserer Freiheit!
Servus aus Bayern!