Aus dem Staatshaushalt wird eine Vielzahl von schöpferischen Tätigkeiten finanziert, die als Produkt urheberrechtlich geschützte Werke hervorbringen. Da diese Werke von der Allgemeinheit finanziert werden, sollten sie auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Tatsächlich ist dies heute selten der Fall.
Open Access in der Forschung
Die Publikationen aus staatlich finanzierter oder geförderter Forschung und Lehre werden oft in kommerziellen Verlagen publiziert, deren Qualitätssicherung von ebenfalls meist staatlich bezahlten Wissenschaftlern im Peer-Review-Prozess übernommen wird. Die Publikationen werden jedoch nicht einmal den Bibliotheken der Forschungseinrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Steuerzahler kommt also dreifach (Produktion, Qualitätssicherung, Nutzung) für die Kosten der Publikationen auf, während private Verleger den Gewinn abschöpfen.
Wir unterstützen die Berliner Erklärung der Open-Access-Bewegung und fordern die Zugänglichmachung des wissenschaftlichen und kulturellen Erbes der Menschheit über das Internet nach dem Prinzip des Open Access. Wir sehen es als Aufgabe des Staates an, dieses Prinzip an den von ihm finanzierten und geförderten Einrichtungen durchzusetzen.
Open Access in der öffentlichen Verwaltung
Wir fordern die Einbeziehung von Software und anderen digitalen Gütern, die mit öffentlichen Mitteln produziert wird, in das Open-Access-Konzept. Werke, die von oder im Auftrag von staatlichen Stellen erstellt werden, sollen der Öffentlichkeit, zur freien Verwendung, zur Verfügung gestellt werden. Der Quelltext von Software muss dabei Teil der Veröffentlichung sein.
Dies ist nicht nur zum direkten Nutzen der Öffentlichkeit, sondern auch die staatlichen Stellen können im Gegenzug von Verbesserungen durch die Öffentlichkeit profitieren (Open-Source-Prinzip/Freie Software). Weiterhin wird die Nachhaltigkeit der öffentlich eingesetzten IT-Infrastruktur verbessert und die Abhängigkeit von Softwareanbietern verringert.
Kommentare
3. Open Access in der Wirtschaft
Ich würde befürworten, dass die obige Aufzählung von OA um den im Betreff genannten dritten Punkt erweitert wird.
Hierbei beziehe ich mich insbesondere auf den Bereich "Normen". Das Deutsche Institut für Normung (DIN) bezieht sehr großzügige Förderungen aus der öffentlichen Hand und der Wirtschaft, die aus der Arbeit resultierenden Normen müssen aber für ein sündhaft teures Geld wieder erworben werden - obwohl man zumindest über die Steuergelder einen guten Teil davon finanziert hat. Der Abdruck einer Norm durch den DIN-eigenen Verlag kostet nicht selten 80 Euro + x (für sensationelle 25 Seiten) - der Download als PDF kostet genau soviel.
Der DIN e.V. betont (auch mit ausgelobten Preisen) die herausragende Bedeutung der Normung für den Standort Deutschland. Gerade kleinere Betriebe / Selbständige, die sich in eventuell betreffende Normen einarbeiten wollen, werden sicherlich abgeschreckt. In der Ausbildung von IT'lern z. B. kann man sich gar nicht alle inzwischen einen betreffende Normen beschaffen.