Veröffentlicht am 26. Juli 2010
Die Piratenpartei begrüßt die Veröffentlichung von über 90.000 Dokumenten des US-Militärs durch die Whistleblower-Plattform Wikileaks. Die Geheimhaltung Dutzender tödlicher Angriffe auf Zivilisten kann nicht mit Verweis auf die nationale Sicherheit entschuldigt werden. Die Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, was in ihrem Namen geschieht. Eine Plattform wie Wikileaks ist Ausdruck einiger wichtiger Grundsätze, für die sich die Piratenpartei seit ihrem Bestehen einsetzt: Transparenz des Staates, freie Verfügbarkeit von Informationen und ein freies Netz.
Journalismus braucht kein Informationsmonopol
Die Veröffentlichung durch The Guardian, The New York Times und den SPIEGEL verbreitete sich in der Nacht von Sonntag auf Montag wie ein Lauffeuer, der Spiegel hatte extra den Redaktionsschluss verschoben. Hier erleben wir die Zukunft des professionellen Journalismus.
Die informative Aufbereitung der Daten durch den Guardian ist ein Beispiel, wie die Möglichkeiten des Internets genutzt werden, um riesige Datenmengen für die Leser greifbar zu machen. Anstatt sich auf die Berichterstattung zu beschränken, gibt man dem Leser selbst Werkzeuge an die Hand, mit denen er sich ein Bild von den veröffentlichten Daten machen kann. Der Spiegel hat das noch nicht verstanden und nutzt seinen Online-Auftritt nur als Teaser für die Printausgabe.
Ein freies Netz ist die Basis für eine demokratische Gesellschaft
Journalisten brauchen kein Informationsmonopol. Freie Verfügbarkeit von Informationen fördert den journalistischen Wettbewerb und ist die Grundlage für eine demokratische Gesellschaft. Journalisten sollen Informationen filtern, bewerten und präsentieren. Der große Mehrwert von Wikileaks besteht darin, dass jeder auch auf die Originalquellen zugreifen und sich über die traditionellen Medien hinaus selbst eine Meinung bilden kann. Auch deshalb muss die freie Struktur des Netzes erhalten bleiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine Infrastruktur entsteht, die Seiten wie Wikileaks sperren könnte.
Autoren dieses Artikels: AG Pressearbeit der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlich für den Inhalt dieses Artikels: Piratenpartei Deutschland
Kommentare
Sehr geehrter BWL-Student
Sehr geehrter BWL-Student,
ich sehe in der Veröffentlichung dieser Dokumente kein Problem, denn: Wer nichts zu verbergen hat, der scheut auch nicht die Öffentlichkeit. Da stimmen Sie mir sicher zu.
Es mag Sie ebenso beruhigen, zu erfahren, dass die Dokumente KEINE militärisch bedeutsamen Angaben enthalten. Unseren Soldaten droht daher durch Wikileaks auch keine Gefahr. Es ist jedoch wichtig, den Menschen der westlichen Welt klarzumachen, mit welcher Skrupellosigkeit der Gegner in Afghanistan vorgeht und welchen Preis unsere Männer und Frauen dort unten für die Durchsetzung von Gleichberechtigung und Freiheit zu zahlen haben, und dass sie unsere Unterstützung benötigen.
Daher plädiere ich für die rückhaltlose Veröffentlichung auch der restlichen Dokumente, um die derzeitge Regierung unter Druck zu setzen, endlich unsere Truppen mit geeigneten Maßnahmen zu unterstützen. Wikileaks handelt hier also patriotisch, auch wenn linke Medien dies anders darzustellen versuchen.
Sie haben völlig richtig erkannt, dass es das Ziel der USA, aber auch Europas und insbesondere der Deutschen Bundesrepublik ist, Demokratie und Freiheit in die Welt zu tragen. Ich stimme jedoch nicht mit Ihnen überein, dass Friedensmissionen der NATO dafür grundsätzlich das geeignete Mittel sind.
Militärische Auseinandersetzungen sind äußerst ressourcenfressend und kostenintensiv. Gerade aus wirtschaftlicher Sicht sollten wir uns vielleicht unsere chinesischen Freunde zum Vorbild nehmen, die allein durch Vergabe von Wirtschaftshilfen an Bodenschätze gelangen und auf diese Weise unruhige Regionen stabilisieren und auf die Zivilisation vorbereiten. Schon heute entstehen zum Beispiel in Afrika Gemeinschaftprojekte, die die Namen chinesischer Freiheitskämpfer tragen.
Könnte das eventuell ein Thema für eine Studienarbeit sein?
Im Übrigen sehe ich weder in der Piratenpartei noch in der sogenannten Netzgemeinde eine ernsthafte Gefahr für uns. Wie schon andere Kleinparteien vor ihnen, werden sie an ihrer verantwortungslosen Ichbezogenheit scheitern, noch bevor sie irgend eine Bedeutung erlangt haben.