Alles nur Theater - Literatur unter freier Lizenz

Blogbeitrag - Veröffentlicht am 23. Juli 2010

Die Piratenpartei setzt sich seit ihrer Gründung für ein Urheberrecht ein, das die Belange von Nutzern und Kulturschaffenden stärker ins Zentrum rückt. Um unsere Politik angemessen an die Bedürfnisse dieser Gruppen anzupassen, streben wir auch stets engen Kontakt zu den Künstlern an. Dabei setzen wir uns für neue kreative, offene und nutzerfreundliche Geschäftsmodelle ein. Bereits im Mai dieses Jahres wiesen wir auf das unter Kooperation mit der Piratenpartei Münster entstandene Buch „Türspione“ von Erstlings-Autor Malte Klingenhäger hin, das sich hier herunterladen lässt. In besonderer Auseinandersetzung mit dem Zitierrecht hat nun der Schriftsteller Lord Schadt 5 Theaterstücke erarbeitet.

Auch diese will er wieder – wie schon sein erstes Werk Galaktika – unter einer Creative Commons Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Lord Schadt gehört zu den Vorreitern der Creative-Commons-Bewegung in der Literatur und veröffentlicht seine E-Books kostenfrei im Internet. Schadt sagte dazu: „Was einige Schriftsteller und besonders Verlage als einen ökonomischen Amoklauf bezeichnen, sehe ich als zwingende Entwicklung der Literatur im Zeitalter des Web 2.0 an.“ Zu den Chancen und Risiken des Literaturmarkts im Netz erklärte Schadt: „Geld wird auch weiterhin mit Literatur verdient werden, die Wege werden sich allerdings verändern. Lesungen, Literaturevents und Spendenplattformen werden stärker dazu beitragen, dass Schriftsteller nicht verhungern müssen.“

Lord Schadt ist der Piratenpartei bereits länger bekannt. 2009 rief er zu einem Flashmob-Picknick in Braunschweig auf, von dessen Teilnahme die Piratenpartei in ironischer Form abriet. Der Soziologe und Medienwissenschaftler erstellte bereits mehrere Collagen, die ausschließlich aus Zitaten bestehen. Das Zitat ist ihm zufolge für die Literatur, was das Sample in der Musik ist. Literarische Collagen bewegen sich daher in einer rechtlichen Grauzone, was Veröffentlichungen betrifft.

Als jahrelanger Nutzer von Tauschbörsen möchte Lord Schadt der Kriminalisierung von Downloadern entgegenwirken. Er sagt: „Ich möchte, dass der Kulturgenuss nicht vom Geldbeutel abhängig ist. Creative Commons bieten einem die Möglichkeit, seine Kunstwerke, egal ob Bilder, Musik oder Bücher, einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Als unabhängiger Autor hat man gleichzeitig alle Freiheiten, was die inhaltliche und ästhetische Gestaltung der eigenen Werke betrifft. Ich gehe davon aus, dass zukünftig viele Autoren ihre Werke unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlichen werden.“

Mehr über die weitere Motivation des Autors und eine generelle Einschätzung der Entwicklung im Literaturmarkt lässt sich im aktuellen Newsletter nachlesen. Die Links zu den downloadbaren Theaterstücken werden in Kürze hier veröffentlicht.

Kommentare

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Inzwischen scheint die Zahl

Inzwischen scheint die Zahl der Literaten zu wachsen, die ihre (gedruckten) Bücher kostenlos und mit einer CC-Lizenz versehen ins Netz stellen. Hier sei nur auf Cory Doctorows Romane oder den Prosaband von Arthur Missa verwiesen http://www.archive.org/details/FormenverfugerFormenverfger.StckeAusProsa
Vielleicht kennt ja jemand noch mehr Beispiele. Bin für jeden Hinweis dankbar.

Was der Vorsitzende darüber denkt ...

Was der Vorsitzende der Piratenpartei über solche Veröffentlichungen unter freien Lizenzen und ohne Verlag als Rechteverwerter denkt, kann man für nur 19,95€ beim "Klartext-Verlag" nachlesen:

http://twitter.com/Seipenbusch/status/19019759635

Hurrah, es lebe die Konsequenz und das glaubwürdige, vorbildhafte Verhalten!

Oder hat er seinen Beitrag irgendwo frei veröffentlicht?

Interessant, das wusste ich

Interessant, das wusste ich noch nicht. Eigentlich ist so etwas wirklich eine reine Privatsache, aber angesichts der hier immer wieder entfachten Grundsatz-Diskussion möchte ich nun gern wissen: Ist der Buchautor zufällig ein Mitglied der SPD?
(Die Erinnerung an Konsequenz und Bescheidenheit lässt mich diese Frage stellen.)

Dann antworte ich direkt: Ja,

Dann antworte ich direkt:

Ja, ich bin derzeit Mitglied der SPD. Da ich letztes Jahr als Soziologe für einen Bundestagskandidaten gearbeitet habe, brauchte ich die Mitgliedschaft, um meinen Lohn ausgezahlt zu bekommen. Die Arbeit war eher persönlich motiviert, da ich einen Kandidaten aus dem gewerkschaftlichen Kontext unterstützt habe, dessen Arbeit ich sehr schätze.

Politisch sehe ich mich jenseits der Parteien. Ich strebe kein politisches Amt an und sehe mich auch bei Wahlen - trotz der Mitgliedschaft - an keine Partei gebunden. In meinen Büchern findet sich auf jeden Fall keinerlei Parteienwerbung. Ich freue mich jedoch, wenn ich das Anliegen der Piraten unterstützen kann, Tauschbörsenbenutzer aus der Illegalität zu befreien bzw. Diskussionen über die Zukunft der Gesellschaft 2.0 mit anzuregen ;)

SPD vs. Transparenz und Offenlegung

Dieser Zusammenhang und persönliche Hintergrund macht die Mitgliedschaft verständlich. Grundsätzlich sehe ich jedoch keinen - berechtigten bzw. gerechtfertigten - Zusammenhang zwischen Gewerkschaften und SPD. Die Bezüge sind allenfalls historischer Art.
Da ich hier in einer Gegend mit jahrzehntelanger SPD-Herrschaft wohne, in der die CDU aus meiner persönlichen Sicht auch nicht den Namen "Opposition" verdient, ist mir an einer rigorosen Trennung von sog. "Sozialdemokratie" (mit allem was sich mit dem Begriff verbindet, namentlich der Korruption) und der Vertretung der berechtigten Arbeitnehmerinteressen sehr gelegen. Politisch betätige ich mich selber allerdings nicht. Und bin auch kein Piratenpartei-Mitglied. Ich würde mich aber freuen, wenn diese sukzessive mehr Gewicht erhält.

Unterdrückte Informationen, auch über historische Abläufe und personenbezogene Beteiligung (z.B. die offenbar massenhafte "Wanderung" von der SPD zur NSDAP und später in umgekehrte Richtung), gibt es hier zuhauf. Transparenz ist bei SPD und CDU gleichermaßen unerwünscht. Sei es in Bezug auf Geschehnisse der Vergangenheit oder in Bezug auf die Aspekte und Entscheidungen in der Gegenwart. Und für Transparenz und OFFENLEGUNG steht die Piratenpartei. Daher betrachte ich sie mit grossem Interesse und bringe ihren Aktivitäten Sympathie entgegen.

Klasse Aktion Fabio!

kwT

Piraten

Leider bekomme ich keinen Zugriff auf verschiedene Optionen dieser Seite.

Darum versuche ich es so:
Die Piratenpartei hat Tauss in ihre Partei aufgenommen, Tauss ist zwischenzeitlich verurteilt worden.

Ich schäme mich für die Piraten, weil sie es zugelassen haben kommerziell zu werden.
Ihr seid gekauft worden.

Ihr seid keine wählbare Partei mehr, leider.

Download-Link kaputt

Der Download-Link ist kaputt, wenn man drauf klickt.

Da hängt an Anführungszeichen dran: http://www.piraten-muenster.de/wordpress/wp-content/uploads/tuerspione/tuerspione.pdf“

So gehts:
http://www.piraten-muenster.de/wordpress/wp-content/uploads/tuerspione/t...

gefixt. Da hatte wohl jemand

gefixt.
Da hatte wohl jemand den Unterschied zwischen den verschiedenen Anführungszeichen nicht verstanden :-)

Wo finde ich Informationen,

Wo finde ich Informationen, wie diese neuen "kreativen, offenen und nutzerfreundlichen Geschäftsmodellen" funktionieren? Wie verdient ein ein Künstler an kostenlosen Produkten?

Auf diese Frage gibt es

Auf diese Frage gibt es bisher noch keine einfache Antwort, aber mehrere Möglichkeiten ...

Zunächst einmal: An kostenlosen Produkten verdient kein Künstler etwas.

Persönlich sehe ich für den Literaturmarkt mehrere Möglichkeiten:
a) Einige Autoren werden ihre Bücher kostenfrei als Ebook anbieten. Daran verdient man nichts, aber man hat auch keine Ausgaben. Mir ist es zum Beispiel lieber, kostenlos zu veröffentlichen, als einem Abzocker-Druckkostenzuschuss-Verlag mein Geld anzuvertrauen. Die Bücherbranche ist leider voller Haie, die unbekannten Autoren Geld abknüpfen wollen ... Mehr zum Thema bei google unter den Stichworten "DKZV Abzocke".

b) Einige Autoren und Verlage werden vielleicht illegalen Download dulden. Sprich: Die Bücher werden in gedruckter Form und als Ebook normal verkauft, Tauschbörsenbenutzer jedoch nicht verfolgt. Diesen Weg halte ich für sinnvoll, da sich ein Tausch von digitalen Büchern sowieso nicht vermeiden lässt. Abmahnungen führen eher dazu, dass sich die Tauschwege ändern. Man schreckt Nutzer davon ab, bei mit BitTorrent zu saugen, stattdessen werden Bücher dann via Email oder ICQ verschickt.

c) Das Ebook mit Mehrwert. Man kann zum Beispiel personalisierte Ebooks mit digitalen Widmungen verkaufen. Die Tasse oder das T-Shirt zum kostenpflichtigen Ebook-Download wäre auch eine Möglichkeit.

d) Spenden. Man kann als Autor seine Leser zum Spenden auffordern, wie es Stephen King schon einmal probiert hat, und nur dann weiterschreiben, wenn sich genug Geld angesammelt hat. Spendenplattformen wie www.flattr.com können auch genutzt werden.

Es sind viele weitere Möglichkeiten denkbar. Es hängt jedoch auch sehr davon ab, was für ein Publikum ein Autor hat und wo er sich verorten möchte. Wer Bücher für Senioren schreibt, muss sich vermutlich kaum Gedanken über illegale Downloads machen. Kleinverlage mit geringen Auflagen können jedoch die Chance der Stunde für sich nutzen ...

Viel Spaß beim warten...

Viel Spaß beim warten...

Endlich (mal wieder)

Endlich veröffentlichen wir mal ein Zitat eines Typen, der Eier in der Hose hat und offen für FREIEN DATENTAUSCH spricht - Das macht mir Mut, dass die "Ich-lade-nur-legal-und-wers-nicht-tut-schadet-der-Partei"-Typen hier nicht die Oberhand gewinnen.

Bravo, weiter so! :)

OT: Die CSU dreht mal wieder durch

"CSU-Ministerin macht Spiele und FDP für [Ameland-]Missbrauch verantwortlich"

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707877,00.html

Bitte zum Thema kommentieren

Es gibt zahlreiche andere Kommunikationsplattformen. Ich persönlich denke, für CDU-Bashing bietet sich Twitter/identi.ca an. Hier geht es gerade um freie Lizenzen, die Zukunft des Literaturmarkts und das Verhältnis der Piraten zu Kulturschaffenden, bzw. dieser zu ihren Lesern.

Klasse Exposition einer Diskussion

Nun stört Dich, Fabio, hier Deine eigene Hahaha-Kommentartechnik:
Klasse Aktion Simon!
Shakespeare enthält nachweislich Michel de Montaigne.

Aus soziologischer Sicht hätte der gesellschaftliche
Produktionsprozess im Zentrum der Organisation,
nämlich freier Zugang,
von
Produktion
Distribution
Information
Kommunikation
zu stehen.
Produktionsmittel gehören den Produktiven.
Alle Intermediären, wie Gema, VG-Bild, GVL u. ä.
hätten der Produktion zu dienen,
statt die Gesellschaft am produktiven Leben zu behindern.
Hierin liegt der Schwachsinn des Urheberrechtspiraten,
der hier mal herumgeschwiemelt hatte: Unter welchen
Bedingungen können kostspielige Produktionen entstehen,
wenn es keine wohlgeordneten Lizenzregeln gibt?

Dr. Dietmar Moews, Piratenpartei Deutschland

Jaja, Freiheit im Internet...

Jaja, Freiheit im Internet... Keine Zensur, keine Regeln... Ich lach mich tot

Nimm den Blog einfach wieder raus und tu allen einen Gefallen damit.

Absolut richtig, ich finde

Absolut richtig, ich finde auch das die Hauptseite frei von Polemik und Bashing sein sollte. Als politische Partei sollte man schließlich noch ein wenig seriös rüberkommen um ernst genommen zu werden.

Wieder ein schönes

Wieder ein schönes Beispiel!

Wenn man bedenkt, was man mit einem Küchenmesser alles machen kann. Und Videos und Anleitungen gibt es massenweise im Internet! BILD würde schreiben: GOTT STEH UNS BEI - ES GIBT VIDEOS IM INTERNET!

Legt endlich dieses Internet still, dann ist die Welt wieder in Ordnung! Probleme im sozialen Umfeld, mangelhafte Fähigkeiten bei der Erziehung, fehlende Sozialkompetenz etc. gibt es dann endlich nicht mehr!!

Danke Frau Merk! Warum sind wir da nicht selbst schon drauf gekommen! Endlich sind alle Probleme gelöst!

Übrigens, Frau Merk, Im Internet kann man auch seinen Horizont erweitern. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

;-)