Pressemitteilung Landesverband Nordrhein-Westfalen - Veröffentlicht am 1. März 2010
Kurs Landtag: Die Piraten in Nordrhein-Westfalen haben am Wochenende auf dem Parteitag in Korschenbroich ihr Wahlprogramm vervollständigt. Mit den umfangreichen Positionen festigen sie ihre Linie und widerlegen das Klischee der Ein-Themen-Partei. Im Zentrum des Wahlprogramms steht nach wie vor der Bürger. Nico Kern, Spitzenkandidat der Piraten zur Landtagswahl: »Das beste Mittel gegen die Klientelpolitik der Altparteien ist eine Stärkung der Elemente der direkten Demokratie. Die Stimme des Bürgers muss wieder echtes Gewicht erhalten. Der Landesverband der Piratenpartei ist die einzige ernstzunehmende parteipolitische Kraft, die sich dem Schutz der Bürgerrechte verschrieben hat. Die bürgerfeindliche und anti-demokratische Lobbypolitik von CDU und FDP muss beendet werden. Schwarz-Gelb gehört abgewählt. Jetzt liegt es an den Wählern, ob sie tatsächlich eine Änderung der Politik wollen.«
Ein zentrales Ziel des Landesverbandes ist es, den Einfluss des Bürgers in der Politik zu stärken. Die NRW-Piraten wollen die Bürgerbeteiligung bei politischen Themen fördern und verbessern. In Anlehnung an die Konzepte der Initiative "Mehr Demokratie e.V." sieht das Programm der Piraten deutlich mehr Bürgerbeteiligung bei Abstimmungen und Wahlen vor. Unter anderem fordern die Piraten die Verkürzung der Wahlperiode bei Kommunal- und Landtagswahlen auf vier Jahre. Das Wahlsystem auf Landes- und Kommunalebene wollen sie reformieren, um auch dort den Einfluss des Wählers zu stärken.
Umfangreiche Änderungen fordern die Piraten in der Bildungspolitik. Hierfür nahmen sie weitere Punkte im Wahlprogramm auf. Was andere Parteien in den letzten Jahren nur halbherzig in Angriff genommen haben, möchte der Landesverband NRW der Piratenpartei nun umsetzen. Eine IT-Initiative soll die nordrhein-westfälischen Schulen endlich in der Technologie- und Wissensgesellschaft ankommen lassen. So soll zum Beispiel für Schülerinnen und Schüler ab dem 5. Schuljahr der Zugang zu Notebooks permanent ausgebaut werden. Die Piraten wollen mit dieser Offensive hohe Bildungsstandards sichern.
»Unsere Bildungspolitik soll den Menschen die bestmöglichen Chancen vermitteln. Wir wollen keine Schüler erster und zweiter Klasse, sondern individuelle Förderung. Ohne sie kann eine demokratische Gesellschaft nicht funktionieren. Außerdem sichern wir damit die Zukunft des Standorts Deutschland. Der einzige Rohstoff, der Deutschland bleibt, liegt nicht in unseren Böden vergraben, sondern in den Köpfen der Menschen. Es ist unverantwortlich, dass die anderen Parteien diese Chance vor dem Hintergrund der Globalisierung bisher nicht mal halbherzig ergriffen haben. Stattdessen hat man zugelassen, dass mehr und mehr Schüler von vorneherein ins berufliche Abseits geraten«, erklärt Bastian Greshake, Listenkandidat bei der Landtagswahl.
In der Gesundheits- und Drogenpolitik setzen die NRW-Piraten auf Vorsorge und Aufklärung. Kinder- und Jugenduntersuchungen sollen ausgeweitet und Erste-Hilfe-Maßnahmen bereits in der Schule gelehrt werden. Zudem sollen medizinische Studien, die durch öffentliche Mittel finanziert wurden, bedingungslos öffentlich gemacht werden. Die Piraten fordern mehr Drogenaufklärung an Schulen und eine Kennzeichnungspflicht suchtgefährdender Medikamente und Substanzen. Der wachsende Missbrauch von AD(H)S-Medikamenten soll untersucht werden, Drogenprävention bereits an Grundschulen beginnen. Mit der Freigabe von Cannabis als verschreibungspflichtigem Medikament möchten die Piraten ebenfalls neue Wege beschreiten.
Neben diesen umfassenden Themen wurden auch andere Konzepte erarbeitet, etwa für den Modellversuch eines kostenlosen ÖPNV, eine Positionierung zu Umweltfragen oder die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in der IHK. Das komplette Wahlprogramm wird in wenigen Tagen unter www.piratenpartei-nrw.de abrufbar sein.
»Das war gute Arbeit«, kommentiert die Landesvorsitzende der Piraten, Birgit Rydlewski, die Resultate des Parteitages. »Die Piraten haben mit ihrem Programm bewiesen, dass sie die Partei der Bürgerrechte sind und keine Probleme haben, Bewährtes mit Innovativem zu kombinieren. Wir dürfen bei den für die Landtagswahl notwendigen Programmerweiterungen aber nicht aus den Augen verlieren, dass wir in Nordrhein-Westfalen Teil einer größeren Bewegung sind, die nicht nur die Piratenpartei in ganz Deutschland umfasst, sondern sogar in der internationalen Kooperation etwas Neues schaffen kann.«
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Landespressestelle Nordrhein-Westfalen der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlich für den Versand dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlicher Redakteur: Rainer Klute
Update:
Der Landeswahlausschuss in Düsseldorf hat die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai zugelassen.
Auch das komplette Wahlprogramm der Piratenpartei NRW zur Landtagswahl ist nun online verfügbar:
Kommentare
Ja und nein
Lieber bbi,
ja und nein. Bei Psychopharmaka gibt es im Wesentlichen zwei Aspekte: Wirkung und Nebenwirkung. Psychopharmaka grundsätzlich zu verbieten, wäre sicherlich unangemessen. Aber eine sehr positive Sicht auf Psychopharmaka finde ich ebenfalls sehr gefährlich. Je nachdem, wie sehr ein Mensch unter seinen Besonderheiten leidet, sollte man ihm nicht die Möglichkeit vorenthalten zu versuchen, diese mit Psychopharmaka zu lindern, wenn er das möchte. Dennoch bleiben Psychostimulatien, die bei ADHS meist verschrieben werden, weil sie auf Patienten mit hohem Bewegungsdrang eine beruhigende und damit praktisch entgegengesetzte Wirkung entfalten, heftige Geschütze mit erheblichen Nebenwirkungen, z.B. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Allergien, Angstzustände und bei längerer Einnahme manchmal sogar Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Körperliches Suchtpotential ist auch vorhaben. Last, but not least, bleibt die Frage offen, was bei Langzeitanwendung mit Kopf und Körper eines (jungen!) Menschen geschieht, wenn man mit Psychopharmaka in seine Entwicklung eingreift. Insbesondere werden ADHS-Medikamente meist dauerhaft eingenommen, und Langzeitstudien auf Lebenszeit liegen noch nicht vor. Daher finde ich es wichtig, daß man zunächst einmal andere Ansätze versucht, bevor man einem jungen Menschen, der meist nicht einmal selbst darüber entscheidet, dauerhaft starke Medikamente verabreicht. Ebenso halte ich es in jedem Einzelfall für unabdingbar, die Notwendigkeit gründlich zu prüfen. Leidet das Kinder unter seinem Bewegungsdrang? Und wenn ja, wie sehr leidet das Kind unter seinem Bewegungsdrang? Und warum leidet es unter seinem Bewegungsdrang? Man sollte Kinder nicht mit starken Medikamenten "optimieren", man sollte starke Medikamente wirklich nur dann einsetzen, wenn die Ausprägung der Unruhe sehr stark ist, wenn ein Mensch darunter sehr leidet und wenn andere Ansätze nicht erfolgreich waren, aber ausprobieren sollte man "milde" Ansätze allemal. Unter Umständen kann ein Mensch auch lernen, damit umzugehen, wie er ist, und die Umgebung ebenfalls. Daher denke ich, die dauerhafte Einnahme von Psychopharmarka sollte der allerletze Ausweg sein, nicht der erste Ansatz.
Ansonsten schließe ich mich Ihnen in allen Punkten an: Wenn man günstige, wirkungsvolle Medikamente hat, mit denen man schon recht viel ("positive") Erfahrung hat, dann ist das gut für all jene, für die Medikamente die einzige Lösung sind - neue Medikamente zu verwenden, bedeutet in gewissen Maße auch, Versuchskaninchen zu sein. Reaktion auf diese Medikamente sollte Skepsis sein und nicht blinde Euphorie... Und in einem weiteren Punkt möchte ich mich Ihnen anschließen: Selbstverständlich sollten die Kosten dieser Medikamente auch für Erwachsene übernommen werden, wenn sie notwendig sind. Mir war gar nicht bekannt, daß man als Erwachsener für diese Medikamente selbst aufkommen muss... Und in Ihrer Hauptaussage möchte ich Ihnen zustimmen: Daß Drogenmißbrauch und übermäßige Verschreibung von Medikamenten in einem Atemzug genannt wird, ist in dem Artikel nicht gerade glücklich, und der Satz ist ein bißchen kurz, um "Vorsichtiger Umgang in der Verschreibung von ADHS-Medikamenten" daraus zu lesen, im NRW-Wahlprogramm steht dann tatsächlich: "bessere Kontrolle der Verschreibungen sowie eine gezielte Aufklärungskampagne zu diesen Mitteln".
Quelle für den medizinischen Hintergrund meines Eintrages ist "Chemie für die Seele" von Josef Zehentbauer.