Lass dir das Internet nicht wegnehmen! - Mahnwachen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 22. Februar 2010

JMStV' (cc by marax79)Am Mittwoch, dem 24. Februar, trifft sich die Rundfunkkommission der Bundesländer zur Diskussion des nächsten und vorerst endgültigen Entwurfs des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) [1]. Am folgenden Tag wird er in Berlin den Regierungschefs der Länder zur Verabschiedung vorgelegt. Die Piratenpartei Deutschland sieht in den geplanten Regelungen einen massiven Eingriff in die Struktur des freien Internets und die Einführung einer verfassungswidrigen Netzzensur. Presse- und Meinungsfreiheit im Internet wären nicht länger gewährleistet. Um auf die Gefahren des Staatsvertrags aufmerksam zu machen, ruft die Piratenpartei Deutschland zu bundesweiten Mahnwachen auf.

Die Neufassung des Staatsvertrags verpflichtet unter anderem Anbieter im Internet dazu, ihre Inhalte mit einer Altersklassifikation zu versehen. Ist das Angebot nur für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet, so muss sich ihre "Ausstrahlung" auf "Sendezeiten" zwischen 22:00 und 6:00 Uhr beschränken. Blog-Betreiber, Zeitungsverlage, Vereine oder Privatpersonen sollen dem Entwurf nach nicht von diesen Regelungen ausgenommen sein. Für diese Anbieter entsteht so ein erhebliches Haftungs- und Abmahnrisiko, vor dem viele zurückschrecken werden. Falls die altersgerechte Sperrung von Inhalten nicht umgesetzt wird, können auch die Internetzugangsanbieter zur Sperrung der entsprechenden Internetseiten gezwungen werden. Von ausländischen Anbietern dürften sich nur einige wenige große auf die geplanten deutschen Regelungen einlassen. Alle übrigen wären künftig im deutschen Internet nur nach 22 Uhr erreichbar.

Wer Sendezeiten im Internet fordert, verkennt den technologischen Fortschritt und die kulturelle Befreiung, die das Internet gebracht hat. Die totalitären und monopolistischen Strukturen der Verbreitung, die mit dem traditionellen Rundfunk verbunden sind, haben mit der freien und offenen Kultur des Internets nichts gemeinsam. Eine Diskussion über Sendezeiten im Internet hat in einer zukunftsorientierten Welt nichts zu suchen.

Unter dem Motto "Lass dir das Internet nicht wegnehmen! / Stoppt den JMStV und Zensursula 2.0" sind daher alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich gemeinsam gegen diesen Zensurversuch durch die Landesregierungen zu wehren.

Daher finden am Dienstag, dem 23. Februar, Mahnwachen vor den Staatskanzleien nahezu aller Bundesländer statt [2]. Am 24. Februar wird es eine Mahnwache auf dem Gutenbergplatz in Mainz geben, da sich dort die Rundfunkkommision zur Diskussion des Entwurfs des neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrags trifft.

Nico Kern, Spitzenkandidat der Piratenpartei bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai, erklärt: »Wir lehnen das Vorhaben ab, im Zuge der Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages eine providerseitige Zensurinfrastuktur zu schaffen. Die Autoren der Vertragsänderungen verstehen das Internet offenbar nicht als Kommunikations- sondern als Rundfunkmedium und versuchen, es auch als solches zu regulieren. Das ist absurd. Die Forderung nach "Sendezeiten für Webseiten" wird einem globalen, zeitunabhängigen Kommunikationsmedium nicht gerecht. Sie ist ein deutliches Zeichen für den Versuch etablierter Parteien, überholte Vorstellungen von Kontrolle auf moderne Kommunikationssysteme anzuwenden.«

Kai Schmalenbach, der ebenfalls für die Piratenpartei kandidiert, fügt hinzu: »Wir lehnen den Entwurf in der bisherigen Fassung insbesondere auch deshalb ab, weil er die Meinungs- und Informationsfreiheit der Bevölkerung auf gefährliche Weise einschränkt und die Weiterentwicklung des Internets und seine demokratiefördernde Wirkung hemmt. Was der Änderungsentwurf vorsieht, geht sogar weit über die chinesische Internet-Zensur hinaus. Wir rufen daher alle demokratischen Kräfte auf, am Dienstag gemeinsam gegen diesen Unfug zu demonstrieren!«

Die Kosten, die das System der Altersverifikation im Internet mit sich bringen würde, müssen stattdessen in Aufklärungsarbeit für Eltern und Lehrer fließen. Dadurch würden Kinder und Jugendliche fachlich kompetente Ansprechpartner erhalten, an die sie sich mit Fragen und Unsicherheiten wenden können. Für Fernseher sind eingebaute Kindersicherungen schon weit verbreitet und auch für Computer gibt es Programme, mit denen festgelegt werden kann, zu welchen Uhrzeiten und welchen Internetseiten der Zugriff möglich ist. Nicht staatliche Kontrolle, sondern Gespräche von Kindern und Jugendlichen mit Eltern und fachkompetenten Personen sind die Lösung für kritische Inhalte im Internet. Eine Altersbegrenzung ist nie perfekt, da jedes Kind Inhalte anders wahrnimmt. Somit können nur Eltern die hauseigenen Internetzugänge individuell für ihre Kinder einrichten.


Die Piratenpartei empfiehlt:
    - keine Internet-Sendezeiten
    - Gewährleistung der freien Diskussionskultur im Netz
    - Schutz der Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit im Internet
    - Verankerung der Netzneutralität im JMStV

Die Piratenpartei fordert von den Rundfunkanstalten und den Landesregierungen:
    - die Einbindung der Öffentlichkeit in die Diskussion um Jugendschutz im Internet
    - öffentliche Sitzungen der Rundfunkkommission
    - stärkere Förderung von Medienkompetenz an Schulen

Für die Anbieter von Inhalten im Internet gilt nach Ansicht der Piratenpartei:
    - freiwillige Kennzeichnung von Inhalten
    - keine Vorab-Prüfpflichten
    - keine Haftung für das Setzen von Hyperlinks
    - keine Netzsperren-Infrastruktur
    - keine Zwangsfilterung auf Anbieterebene
    - keine Haftung für Inhalte


Quellen:

[1] Änderungsentwurf des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (Stand: 7. Dezember 2009): http://blog.odem.org/2010/01/12/Arbeitsentwurf-JMStV--Stand-2009-12-07.pdf
[2] Orte und Termine der Mahnwachen in den Bundesländern: http://wiki.piratenpartei.de/Jugendmedienschutz-Staatsvertrag/Mahnwachen_gegen_den_neuen_JMStV-Entwurf_am_23._und_24._Februar_2010


Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Das setzt dem Faß die Krone auf!

Diese sturen alten Böcke gehören achtkantig weg vom Fenster und ab zum alten Eisen. Bloß keine Kompromisse. Das Maß ist sowieso schon längst voll. Man sollte sie auf dem Marktplatz aufs Schandrad spannen und dem Unwillen des Volkes aussetzen. Danach gehören sie geteert und gefedert aus der Stadt gejagt. Daß Demokratie und Sonstiges von denen nicht gewünscht ist, weiß man ja. Und der Eiertanz um Zensursels Machwerk wird nur vollführt, um damit sagen zu wollen:" Seht her, ihr kriegt doch was ihr wollt. Es geht doch." Ein reines Ablenkungsmanöver von Anfang an. Klar wollen die die Sperren nicht mehr. Schließlich haben sie was Schlimmeres in der Hinterhand. Aufpassen! Die fahren immer mindestens zweigleisig. Wie bei der VDS. Ich sag nur Spiel über die EU-Bande oder andersherum, wie man es hier wieder erlebt. Bei SWIFT hat die diesmal vorerst nicht funktioniert. Jetzt rückt Obama fäustetrommelnd und sich auf dem Boden wälzend wie ein beleidigtes Kindergartenbaby gegen die einzelnen Regierungen vor, um sein heiß geliebtes Spielzeug SWIFT wieder ans Laufen zu kriegen. Buääähähäää, die haben meine Sandburg kaputt gemacht!!!

Die alte, ausgelaugte Schindmähre Jugendschutz haben die schon letztes Jahr mehrfach totgeritten. Das Vieh sollte man schleunigst zum Metzger verfrachten.