Netzpiraten

Armin Medosch Janko Röttgers (Hrsg.)

Netzpiraten
Die Kultur des elektronischen Verbrechens
Telepolis

Cracker und Virenprogrammierer und Cyber-Terroristen werden gerne als dunkle Seite des Netzes gehandelt, als technisch hochgerüstete Bösewichte, die den Stoff liefern für reißerische Bedrohungsszenarien. Politiker lassen sich von ihnen zu Law-and-Order-Parolen hinreißen, Strafverfolger und Geheimdienste begründen mit ihnen eine zunehmende Überwachung der neuen Kommunikationswege. Doch wie gefährlich ist das viel zitierte elektronische Verbrechen wirklich?
In diesem TELEPOLIS-Band wagen die Autoren der einzelnen Kapitel einen Blick auf all jene Subkulturen, um die viele Menschen normalerweise lieber einen großen Bogen machen. Was motiviert jemanden, einen Virus zu programmieren? Wie rechtfertigen sie ihr Handeln, welche Beziehungen pflegen sie zu Sicherheitsfirmen und surfenden Strafverfolgern? Was hat es mit dem vielbeschworenen Info-Krieg auf sich? All das sind Fragen, die dieses Buch zu beantworten versucht. Fragen, die sich auch heutige Politiker stellen sollten, denn Verfolgen&Verhaften funktioniert im Internet noch viel weniger als im echten Leben. Stattdessen ist es notwendig zu verstehen, wie Internetstraftaten zu stande kommen und wieso diese begangen werden, dabei kann dieses Buch eine Hilfe sein.
Netzpiraten gibt einen Einblick in die Undergroundszene des Internets und versucht zu erklären, was diese Menschen zu ihrem kriminellen Handeln treibt. Das Buch besteht aus vier Teilen:
Als erstes kommt das Thema, das diesem Buch seinen Namen gab: Netzpiraten. Die Piratenpartei war zu erscheinen des Buches leider noch nicht gegründet, hier sind Schwarzkopierer gemeint ;). Es wird eine Paralle zwischen den mittelalterlichen Piraten und den Netzpiraten gezogen und gezeigt, wie unsinig die propagandistische Piratenbezeichnung der Unterhaltungsindustrie für Schwarzkopierer ist.
Außerdem wird auf die Geschichte von und die Gründe für die Herstellung und Verbreitung von Schwarzkopien im Internet eingegangen.
Im zweiten Teil wird auf die Problematik der Computermalware und Hoaxe eingegangen. Es werden kurz die verschiedenen Typen von Malware aufgezeigt und dann ein Streifzug durch die Virenszene und ihre Geschichte unternommen. Danach wird über Hoaxe berichtet und gezeigt, wie auch eigentlich „harmlose Scherze“ Schaden anrichten können. Auch auf die ungleich größere Bedrohung durch Phishing und Spam wird in diesem Buchteil eingegangen.
Der dritte und längste Teil widmet sich dem Thema „Skripte kennen keine Ethik“.
Der Teil beginnt mit einer Skizzierung der Script Kiddie-Szene. Anders als der Titel vermuten lassen würde, geht es aber nicht nur um Script Kiddies. Im nächsten Kapitel werden Cracker, im Sinne von Menschen, die Kopierschutzsysteme knacken, skizziert. Danach wird die Geschichte zweier gerichtlicher Auseinandersetzungen im Rahmen des DeCSS-Falles erzählt. Danach folgt ein Bericht über die oft nicht ganz klaren Abgrenzungen die Hacker von Crackern von Script Kiddies von ... unterscheiden. Des Zusammenhangs halber wäre dieses Kapitel wohl direkt nach dem Script Kiddie-Kapitel besser aufgehoben.

Im vierten und letzten Teil wird über den Infowar berichtet. Am Beispiel der US-Army wird gezeigt, welche Rolle der Cyberspace in der modernen Kriegsführung hat. Im letzten Kapitel werden verschiedene Methoden besprochen, mit denen man seine Privatssphäre im Internet schützen kann. Da das Buch aber 2001 herausgekommen ist, ist mit dem letzten Kapitel, mangels Aktualität, allerdings nicht mehr viel anzufangen.

Fazit: Ein gutes Buch, das einen sehr guten Überblick über dein Internetunderground gibt, allerdings wäre es Zeit für eine aktualisierte Neuausgabe.

Verlag: Heise Verlag
Seiten: 192
erschienen: 2001
ISBN: 978-3-88229-188-9
Sprache: Deutsch
Preis: 15,00 EUR
Erhältlich bei: emedia.de